Geothermie in Berlin: Datengrundlage wird ausgebaut

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Geothermie spielt eine wichtige Rolle für die Wärmewende und die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in Berlin. Das Abgeordnetenhaus hatte den Senat am 24. Mai 2024 aufgefordert, den Berliner Energieatlas um die Ressource Geothermie zu erweitern und die Potenziale erneuerbarer Energien wissenschaftlich zu erfassen. Ziel ist eine allgemein zugängliche, verlässliche Datenbasis für private und öffentliche Interessierte. Der Senat hat dem Abgeordnetenhaus nun eine Mitteilung zur Kenntnisnahme vorgelegt. Darin berichtet er über den aktuellen Stand und beantragt eine Verlängerung der Berichtsfrist bis zum 31. Oktober 2028. Die Oberflächennahe und die Tiefe Geothermie unterscheiden sich sowohl in der eingesetzten Technik als auch in der Potenzialerhebung deutlich und werden deshalb getrennt betrachtet.

Oberflächennahe Geothermie

Der Energieatlas enthält Daten zur Anzahl und Entwicklung oberflächennaher Geothermieanlagen in Berlin (Stand Ende 2022) sowie Potenzialkarten. Diese zeigen spezifische Wärmeentzugsleistungen für 1.800 und 2.400 Betriebsstunden pro Jahr sowie die Wärmeleitfähigkeit in Tiefen bis 100 m.

Die Grundlage der Karten stammt aus dem Jahr 2018. Nach Angaben des Senats haben sich die theoretischen Potenziale seitdem nicht verändert. Die Karten werden aktualisiert, sobald sich die Datengrundlage in relevantem Umfang ändert.

Im Jahr 2025 wurde die Bohrtiefenbegrenzung an das aktualisierte Bundesberggesetz angepasst. Sie liegt nun an der Oberkante des Rupeltons, maximal bei 400 m. Die entsprechende Karte ist im Geoportal und im Energieatlas veröffentlicht.

Das Merkblatt zur Erdwärmenutzung in Berlin für Anlagen bis 30 kW wurde überarbeitet und ebenfalls im Energieatlas bereitgestellt.

Tiefe Geothermie

Für Berlin liegen bislang nur sehr wenige Daten zum tiefengeothermischen Potenzial vor. Eine umfassende Erkundung ist im Rahmen der Roadmap vorgesehen.

Seit Juni 2025 hält das Land Berlin die Aufsuchungserlaubnis für Erdwärme, Sole und Lithium auf rund zwei Dritteln der Landesfläche. Die Karte des Aufsuchungsfeldes ist im Geoportal veröffentlicht.

Laut Arbeitsprogramm sind zwischen 2028 und 2030 vier Tiefbohrungen vorgesehen.

Vom 1. bis 4. Juli 2025 fanden in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf erste 2D-Seismikmessungen statt. Die Datenqualität war sehr gut, besonders bei nächtlichen Messungen. Alle Geophone blieben unbeschädigt. Die Pilotmessung zeigte zudem, dass eine verständliche und frühzeitige Information der Anwohnenden wichtig ist. Die Akzeptanz in der Bevölkerung war nach Angaben des Senats hoch. Die Daten werden derzeit von Geologen und Geophysikern ausgewertet.

Die Ausschreibung für die stadtweite 3D-Seismik wurde Ende 2025 veröffentlicht. Die Zuschlagserteilung war für April 2026 vorgesehen. Aufgrund eines Nachprüfungsverfahrens vor der Vergabekammer ist eine Entscheidung frühestens am 24. September 2026 zu erwarten. Die Messungen sollen 2027 durchgeführt werden.

Eine vollständige Erkundung ist nicht vor 2030 abgeschlossen. Erste belastbare Potenzialabschätzungen sind voraussichtlich ab Mitte 2028 möglich, sobald die Ergebnisse der 3D-Seismik und der ersten Tiefbohrungen vorliegen. Daten für den Energieatlas sind derzeit noch nicht verfügbar. Sobald erste Potenziale vorliegen, sollen sie dort eingebunden und schrittweise ergänzt werden.

Einordnung / Relevanz

Für Wohnungsunternehmen sind die Regelungen zur Oberflächennahen Geothermie unmittelbar relevant. Die Bohrtiefenbegrenzung und das Merkblatt für Anlagen bis 30 kW bestimmen, unter welchen Bedingungen Erdwärmesonden etwa bei Modernisierungen oder Neubauten im Bestand geplant werden können. Die Karten im Energieatlas bieten eine erste Orientierung zu den Potenzialen in den jeweiligen Quartieren.

Die Tiefe Geothermie bietet perspektivisch eine Option für die Wärmeversorgung größerer Quartiere und möglicherweise auch für Fernwärmenetze. Belastbare Potenziale liegen jedoch frühestens ab Mitte 2028 vor, eine vollständige Erkundung ist nicht vor 2030 zu erwarten. Für die Wärmeplanung und Investitionsentscheidungen in den kommenden Jahren stehen daher noch keine gesicherten Daten zur Verfügung.

Die Pilotseismik zeigt zudem, wie wichtig eine frühzeitige, verständliche Information der Anwohnenden ist. Für die geplante stadtweite 3D-Seismik gilt dies auch für Bestände und Mietende der Wohnungswirtschaft, insbesondere in den betroffenen Bezirken Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf.

Quellen: BBU; Senat von Berlin

Ansprechpersonen

 Jan Robert Kowalewski
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Kowalewski
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