Damit Berlin sein Ziel erreicht, bis 2045 klimaneutral zu werden, müsse laut SenWEB der jährliche CO2-Ausstoß insbesondere der Immobilienwirtschaft deutlich zurückgehen, von zurzeit rund 40 auf höchstens 7kg CO2 pro Quadratmeter Wohnfläche. Neben dem Umstieg von fossilen Energieträgern auf regenerative Energie und baulichen Sanierungsmaßnahmen sei der dritte Bereich mit großen Einsparpotenzialen die technische Ausstattung von Immobilien. Durch eine Digitalisierung alleine der Berliner Mehrfamilienhäuser könnte in einem Jahr genug Energie eingespart werden, um die Berliner Schwimmbäder 20 Jahre klimaneutral zu betreiben.
„Berlins Wohngebäude verursachen rund ein Drittel des CO2-Ausstoßes, so Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin. „Umso unverständlicher ist es, dass wir bis heute kaum qualifizierte Daten dazu haben, wo die Energie innerhalb des Hauses genutzt wird. Wenn jetzt durch den gesetzlich vorgeschriebenen Digital Readiness Index Nachrüstungen notwendig werden, sollte eine umfassende Digitalisierung der Gebäudetechnik vorgenommen werden. Unsere Studie zeigt, wie nachhaltig eine solche Investition ist.“
Als wichtigen Schrittmacher für die Digitalisierung des Berliner Wohnungsbestands mache die Studie die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften aus, die mit über 300.000 Wohnungen einen erheblichen Bestand halten, heißt es weiter in der Pressemitteilung von SenWEB. Rund die Hälfte ihrer Wohnungen wurden zwischen den 1960er und 80er Jahren in Großsiedlungen errichtet und zu deren gebäudetechnischer Ausrüstung viel Know-how in Berlin besteht. Hier sei in den letzten Jahren bereits viel geschehen, um den Energieverbrauch der Immobilien zu senken. Die Energiebilanz der landeseigenen Wohnungen unterscheide sich deutlich von den Verbräuchen von Wohnimmobilien in privater Hand. Jetzt könnten sie erneut mit Pilotprojekten zeigen, wie die Digitalisierung weitere bedeutende Einsparungen ermöglicht und sich auch unter finanziellen Aspekten lohnt.
Tatsächlich beschreiten die BBU-Mitgliedsunternehmen, darunter auch die landeseigenen Wohnungsunternehmen Berlins, bereits seit Jahren einen sozialverträglichen Klimaschutzpfad. Dazu zählten bislang die Ertüchtigung der Gebäudehülle und Heizungssysteme, die Betriebsoptimierung der technischen Anlagen sowie die Entwicklung und Umsetzung neuer Ansätze der Energieversorgung, -nutzung und -speicherung auch auf Quartiersebene. Auch der BBU sieht in der Digitalisierung und intelligenten Gebäudesteuerung einen wesentlichen weiteren Hebel, um die Klimastrategien der Wohnungsunternehmen fortzuführen und die Klimaschutzziele zu erreichen.
Allerdings ist die Umsetzung der Klimaschutzziele gerade für die soziale Wohnungswirtschaft eine wirtschaftliche Herkulesaufgabe – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der stetig steigenden Bau- und Energiekosten bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung sozialverträglicher Mieten. Umso wichtiger ist hier die Unterstützung durch sinnvolle Förderprogramme.
Auf entsprechende Fördermöglichkeiten weist Stephan Schwarz, Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe hin: „Rund 1,7 Millionen der rund 1,9 Millionen Wohnungen in Berlin liegen in Mehrfamilienhäusern, die zum größten Teil lange vor der Digitalisierung errichtet wurden und nun nachgerüstet werden müssen. Wir wollen diese Modernisierung, weil sie einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten wird, und bieten hierfür verschiedene Förderungen an. Denn neben neuen Energieträgern und der energetischen Gebäudesanierung ist die Digitalisierung der Gebäudetechnik der dritte Bereich, der substanzielle Beiträge zur Energiewende leisten kann.“
Die Technologiestiftung bietet einen Leitfaden für Vermieter*innen und Verwalter*innen, der die erfolgreiche Digitalisierung von Wohngebäuden in drei Schritten beschreibt sowie Hinweise zu möglichen Förderprogrammen enthält.
Auch der BBU hat seinen Mitgliedsunternehmen in der „Ergänzungsmatrix - Förderprogramme Energie und Klimaschutz“ die wesentlichen Förderprogramme – und zwar auf Bundesebene sowie auf Ebene der Länder Berlin und Brandenburg – für Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen zusammengestellt.
Die Studie „Daten, - Energieeffizienz – Dekarbonisierung, Potenziale digitaler Technologien für CO 2 -Einsparungen in Bestands-Wohngebäuden des Landes Berlin“ kann auf der Webseite der Technologiestiftung Berlin (hier) abgerufen werden.
Die vollständige Pressemitteilung vom 10. Februar 2022 der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe kann hier abgerufen werden.