Gewohnt gut 09/2021 (3)

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

15.09.2021, 07:53 Uhr

„Gewohnt gut“-Auszeichnung September 2021 geht nach Rüdersdorf

Mit dem Neubau zweier Wohn- und Geschäftshäuser am Marktplatz hat die Wohnungsbaugesellschaft Rüdersdorf mbH (WBG) neuen Wohnraum für die wachsende Gemeinde geschaffen und darüber hinaus einen großen Beitrag zur Revitalisierung der Ortsmitte geleistet. Dafür wurde sie am 15. September 2021 von BBU-Vorständin Maren Kern und Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann mit dem „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“-Qualitätssiegel ausgezeichnet. Es ist bereits die dritte Ehrung des Unternehmens mit „Gewohnt gut“: Im Januar 2010 erhielt die WBG das Siegel für den Umbau eines Baudenkmals zur betreuten Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderungen, im März 2013 für den vorbildlichen Teilrückbau eines Plattenbaus.

Das Bewertungsgremium würdigte den Neubau von zwei Wohn- und Geschäftsgebäuden am Marktplatz von Rüdersdorf. Die ortsbildprägenden Gebäude sorgten für eine Belebung und Aufwertung des Ortszentrums. Auszeichnungswürdig sei auch, dass beim Bau auf Barrierearmut und den Einsatz von regenerativen Energien geachtet wurde.

BBU-Vorständin Maren Kern gratulierte dem Unternehmen: „Die drei Auszeichnungen mit ‚Gewohnt gut‘ zeigen, wie vielfältig das Engagement der WBG für ihre Gemeinde ist. Mit dem Neubauprojekt am Marktplatz ergänzt sie sinnvoll ihren Bestand, der sich sonst überwiegend im unteren Preissegment befindet, um hochwertigere Wohnungen, für die es eine steigende Nachfrage auch in Rüdersdorf gibt. Diese konnten bisher in dieser Form nicht von der WBG angeboten werden. Dabei sind die Wohnungen barrierearm gestaltet und durch den Einsatz einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung besonders umweltfreundlich. Das ist zukunftsgerecht!“

Guido Beermann, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, sagte anlässlich der Vergabe des Siegels: „Nach dem Abriss des alten Ortszentrums in den 1970er Jahren trägt das identitätsstiftende Projekt nun zur nachhaltigen Belebung und Steigerung der Attraktivität der neuen Mitte bei. Der Mix aus Wohnen und Gewerbe ist dabei eine sinnvolle Ergänzung in der Bebauung des Markplatzes und sorgt für ein lebendiges Stadtquartier. Ich gratuliere der WBG zu diesem gelungenen und wichtigen Projekt für die Rüdersdorfer Ortsentwicklung!“

Jörn Dahms, Geschäftsführer der WBG, freute sich über die Auszeichnung mit dem „Gewohnt gut-Siegel“: „Man mag es kaum glauben, aber die Häuser am Markplatz sind das erste Neubauprojekt überhaupt für unser Unternehmen! Wir freuen uns sehr, dass unser Vorhaben, das wir gemeinsam mit HTR Architekten und Ingenieure GmbH umgesetzt haben, nicht nur von den Mieterinnen und Mietern so gut angenommen wird, sondern dass wir auch viel positives Feedback von vielen anderen Menschen in Rüdersdorf erhalten. Die Ehrung mit ‚Gewohnt gut‘ ist jetzt noch der krönende Abschluss für unser Projekt!“

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird in der Regel sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Den Unternehmen der sozialen Wohnungswirtschaft kommt bei Stadtentwicklung, gutem Wohnen, Bewältigung des demografischen Wandels und Klimaschutz im Land Brandenburg eine Schlüsselrolle zu. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU aus Vertreter*innen der Arbeitsgemeinschaft „Städteforum Land Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau, einer Bank sowie dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg besteht.

Die Wohnungsbaugesellschaft Rüdersdorf mbH berichtet zum Projekt: „Neubau Wohn- und Geschäftshäuser am Marktplatz“

Seit der Wendezeit wurden in Rüdersdorf umfangreiche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt, um das Mitte der 1970er Jahre aufgrund des Kalksteintagebaus abgerissene historische Ortszentrum wiederherzustellen. Die im März 2020 bezogenen Wohn-und Geschäftshäuser der WBG schließen die Bebauung um den Marktplatz im Nordosten und markieren damit einen vorläufigen Abschluss der Maßnahmen.

„Für die Bebauung am ehemaligen Busbahnhof, welcher durch die Gemeinde im Rahmen der städtebaulichen Sanierungsmaßnahme „Ortszentrum Rüdersdorf“ zu einem attraktiven identitätsstiftenden Marktplatz umgestaltet wurde,  gab es einen öffentlichen Investorenwettbewerb, bei dem wir uns letztlich mit unserem gemeinsamen Entwurf mit HTR Architekten durchsetzen konnten“, erläutert WBG-Geschäftsführer Jörn Dahms den Startschuss für das Projekt. „Um vermehrten Nachfragen nachzukommen, haben wir uns dabei bewusst zur Abrundung unseres Portfolios für eine hochwertige Ausstattung entschieden, um unser ansonsten überwiegend sehr günstiges Bestandsangebot entsprechend zu ergänzen. In diesem Neubau liegen die Nettokaltmieten bei ca. zehn bis elf Euro“, so Dahms weiter.

Fassadengestaltung als Referenz an die Geschichte der Stadt

In zwei Jahren Bauzeit entstanden ein drei- und ein viergeschossiges Gebäude mit insgesamt zwölf Wohnungen und jeweils zwei Gewerbeeinheiten. Die individuellen Wohnungen sind zwischen 47 und 107 Quadratmeter groß und verfügen alle über eine Fußbodenheizung, sowie einen Balkon oder Terrasse. Der im Randbereich begrünte Innenhof bietet auch Platz für die Fahrzeuge der Mieter*innen. Sämtliche Wohnungen konnten sehr zeitnah zur jeweiligen Fertigstellung vermietet werden. „Für die Gewerbenutzung war ursprünglich ein Mix angedacht. Letztendlich hat sich nun das Konzept einer Physiotherapiepraxis durchgesetzt, welche sämtliche Einheiten nutzt. Damit wurde der Gesundheitsstandort Rüdersdorf nochmals gestärkt“, erklärt Jörn Dahms.

Die Kombination der Materialien, die Farbwahl und die horizontal ausgerichtete Fassadengestaltung des Eckhauses sollen an tief liegende Sediment- und Muschelkalkschichten erinnern, eine Reverenz an die Geschichte von Rüdersdorf, in der der Kalksteintagebau eine gewichtige Rolle in der Ortsentwicklung zukam. Eine schöne optische Ergänzung: Das kleinere Gebäude, das in erdigen Farben gehalten wurde und eine modernere Fassadengeometrie aufweist.

Barrierearm und mit guter CO2-Bilanz

Alle Wohnungen und die Praxis sind barrierefrei zugänglich, in beiden Häusern befindet sich ein Aufzug. Darüber hinaus sind alle Räume schwellenlos gestaltet und verfügen über breite Türöffnungen. Eine Wohnung ist rollstuhlgerecht nach DIN gestaltet.

Für eine gute CO2-Bilanz sorgt eine Lüftungsanlage mit zentraler Wärmerückgewinnung. Neben einem gesunden Raumklima, welches im stark gedämmten Neubau besonders wichtig ist, zeichnet sich eine solche Anlage durch eine hohe energetische Effizienz aus. Dahms: „Wir erreichen damit einen Wärmerückgewinnungsgrad von ca. 80 Prozent.“

Fast 3,2 Millionen Euro investiert

Die Gesamtinvestitionen beliefen sich auf gut 3,15 Millionen Euro, welche die Gesellschaft komplett aus Eigenmittel finanziert hat. Die Mieten im Wohnbereich liegen bei 9,93-11,00 Euro nettokalt plus 2,74 Euro Nebenkosten, für das Gewerbe werden 12,00 Euro nettokalt plus 2,05 Euro Nebenkosten erzielt.

Kathrin Mölneck

T +49 (335) 50468 - 10
F +49 (335) 50468 - 12
Friedhelm Boginski Vorstand Städteforum Berlin-Brandenburg
Stefan BruchAbteilungsleiter im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Andreas Koschowski Fachbereichsleiter Wohnen Bereich Infrastruktur Deutsche Kreditbank AG, Berlin
Dr. Heike Liebmann Bundestransferstelle Stadtumbau
Kathrin Mölneck Leiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus
Matthias BraunerLeiter BBU-Landesgeschäftsstelle Potsdam

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