Gewohnt gut 10/2020

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

01.10.2020, 08:48 Uhr

„Gewohnt gut“-Auszeichnung geht im Oktober 2020 nach Seelow

Mit der umfassenden Umgestaltung des jahrelang leer stehenden Kaufhauses im Herzen von Seelow hat die SEWOBA GmbH Seelower Wohnungsbaugesellschaft (SEWOBA) eine innerstädtische Brache neu belebt und einen Mix aus barrierefreien Wohn- und Geschäftsräumen geschaffen. Dafür wird das Unternehmen am 1. Oktober 2020 mit dem „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“-Qualitätssiegel ausgezeichnet.

Das Bewertungsgremium würdigt die Sanierung und den Umbau des 2008 geschlossenen und seitdem ungenutzten Kaufhauses an der ehemaligen Hauptkreuzung der Stadt. Insbesondere die dadurch gesteigerte Attraktivität der Innenstadt sowie die erreichte Barrierefreiheit der zwölf neu geschaffenen Wohnungen in den Obergeschossen und der sieben Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss machen das Projekt auszeichnungswürdig.

BBU-Vorständin Maren Kern gratuliert zur Auszeichnung: „Das ‚Alte Kaufhaus Seelow‘ ist ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit von Wohnungsunternehmen, Stadt, Landkreis, Land und Denkmalpflege. Ein echtes Gemeinschaftsprojekt! Jetzt haben hier Menschen ein neues Zuhause gefunden. Durch die Barrierefreiheit ist außerdem ein richtiges Generationenwohnen möglich. Darüber hinaus hat die SEWOBA mit dem Projekt einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Belebung des Stadtzentrums von Seelow geleistet.“

Rainer Genilke, Staatssekretär für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, erläutert die Entscheidung des Bewertungsgremiums: „Mit der aufwändigen Sanierung des Kaufhauses wurde ein städtebaulicher Missstand überwunden, Leerstand beseitigt und ein stadtbildprägendes Einzeldenkmal erhalten. Aber es geht nicht alleine um den Erhalt eines historischen Gebäudes, sondern auch darum, dass es durch die veränderte Nutzung ins Hier und Heute geführt wurde, ohne dabei seine Identität zu verlieren. Dass dabei bezahlbare, barrierefreie Wohn- und Geschäftsräume entstanden sind, die energetisch auf dem neuesten Stand sind, macht das ‚Alte Kaufhaus Seelow‘ zu einem rundum gelungenen Projekt.“

Hans-Peter Thierfeld, Geschäftsführer der SEWOBA, ist stolz auf die Auszeichnung mit „Gewohnt gut“: „Die Entwicklung des ‚Alten Kaufhauses‘ war für uns als Unternehmen eine große Herausforderung. Zu Beginn wurde sehr kontrovers über die weitere Nutzung des Gebäudes diskutiert. Aber durch die Bereitschaft aller Beteiligten zum Dialog und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, ist ein wirklich tolles Ergebnis entstanden. Ein Herzensprojekt der SEWOBA! Als kommunales Wohnungsunternehmen ist es uns ein großes Anliegen, Seelow als Kreisstadt weiterzuentwickeln. Und ich denke, mit dem ‚Alten Kaufhaus‘ haben wir dabei einen großen Schritt nach vorn gemacht.“

Hat überzeugt: das Projekt "Altes Kaufhaus Seelow“ . Es erhielt am 1. Oktober 2020 das Qualitätssiegel "Gewohnt gut - fit für die Zukunft" des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), hier Staatssekretär Rainer Genilke (v. l.), Bürgermeister Jörg Schröder, Kathrin Mölneck (BBU), Sewoba-Geschäftsführer Hans Peter Thierfeld und Matthias Brauner (BBU) bei der Übergabe, im Hintergrund die CDU-Landtagsabgeordnete Kristy Augustin. © Foto: Anett Zimmermann

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird in der Regel sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Den Unternehmen der sozialen Wohnungswirtschaft kommt bei Stadtentwicklung, gutem Wohnen, Bewältigung des demografischen Wandels und Klimaschutz eine Schlüsselrolle zu. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU aus Vertreter*innen der Arbeitsgemeinschaft „Städteforum Land Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau, einer Bank sowie dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg besteht.

Visualisierung | Quelle: SEWOBA

Die SEWOBA berichtet zum Projekt: „Altes Kaufhaus Seelow“

Fast 50 Jahre lang wurde das Kaufhaus an der ehemaligen Hauptkreuzung in Seelow als solches genutzt, seit dem Jahr 2008 stand das Gebäude mit Baujahr 1959 dann ohne Perspektive leer. Schließlich erwarb die Stadt das Gebäude. Nach intensiven Diskussionen entschied man sich für ein neues Nutzungskonzept mit einem Mix aus Wohn- und Gewerberäumen und übertrug das Gebäude an die SEWOBA. Nach 19 Monaten Bauzeit wurde der moderne Funktionsbau im alten Korpus im Dezember 2018 fertig gestellt.

„Weil der vorherige Eigentümer mit seinen Revitalisierungsversuchen nicht über die Planungsphase hinaus kam, ist die Stadt eingesprungen. Zwischenzeitlich wurde auch ein Abriss des Gebäudes erwogen. Aber dann stellte das Landesamt für Denkmalpflege das Kaufhaus unter Denkmalschutz“, erläutert Hans-Peter Thierfeld, Geschäftsführer der SEWOBA, die komplexe Ausgangslage für das Projekt. „Klar war: Eine Folgenutzung als klassisches Kaufhaus hatte sich aufgrund der Konkurrenzsituation am Standort überlebt. Die Ausarbeitung eines neuen Konzeptes erfolgte unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, hier wurde teilweise auch sehr kontrovers diskutiert.“ Der Entwurf des Planungsbüros pro3 überzeugte schließlich die Denkmalpfleger. Mit Erteilung der Baugenehmigung übernahm die SEWOBA dann das Projekt und die Liegenschaft. Thierfeld weiter: „Die Ausweisung des Sanierungsgebietes ‚Stadtmitte Nordost‘ Ende 2016 machte deutlich, dass der Umbau des Kaufhauses den Startschuss geben sollte für die Entwicklung des gesamten Zentrumsbereichs. Die damit verbundenen Fördermittel ermöglichten uns dann einen größeren Spielraum für unsere Planungen. Gleichzeitig können wir damit zwei Drittel der Wohnungen mietpreisgebunden vermieten.“

Klimagerechtes Generationenwohnen im Einzeldenkmal

In den beiden Obergeschossen wurden zwölf Wohnungen realisiert, davon zehn Zwei- und zwei Dreiraumwohnungen. Dafür wurde ein hofseitiger Anbau vorgenommen, um so den schmalen Gebäudeteil zu erweitern. Außerdem wurde das mittige Haupttreppenhaus bis ins Dachgeschoss verlängert und das Gittersparrendach wurde durch neue Holzdachstühle ersetzt, um den Dachraum weitestgehend nutzbar zu machen.

„Unser Konzept der Barrierefreiheit ist aufgegangen. Die beiden neuen Aufzüge werden sowohl von den älteren Mieterinnen und Mietern gerne angenommen, als auch von den beiden Familien. Wir haben ein echtes Generationenwohnen im Haus, das finde ich sehr schön“, so Thierfeld. Im Erdgeschoss sind sieben Gewerbemieter eingezogen, unter anderem eine Arzt- und eine Physiotherapiepraxis sowie eine Bankfiliale. Thierfeld ist überzeugt: „Es ist vor allem für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ein Gewinn, wenn Grundbedürfnisse des täglichen Lebens in so zentraler Lage erfüllt werden können.“

Für eine gute CO2-Bilanz sorgen die gedämmten Außenwände, neue Fenster und Wärmedämmverglasung in den verglasten Wintergärten. Außerdem wurde die Heizungsanlage erneuert und auf Fernwärme umgestellt.

Über fünf Millionen Euro investiert

Die Gesamtkosten für die Umbaumaßnahmen beliefen sich auf rund 5,3 Millionen Euro. Knapp die Hälfte der Summe wurde dabei über Fördermittel finanziert: Ca. 1,5 Millionen Euro stammen aus dem Städtebauförderprogramm „Aktive Stadtzentren (je ein Drittel Bund/Land/Kommune) und 932.000 Euro aus einem Darlehen der ILB-Wohnraumförderung. Über 1,94 Millionen Euro hat die SEWOBA ein Ergänzungsdarlehen aufgenommen, der Rest der Summe von 880.000 Euro hat das Unternehmen als Eigenkapital eingebracht.

Kathrin Mölneck

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Friedhelm BoginskiVorstand Städteforum Berlin-Brandenburg
Elfi Heesch Abteilungsleiterin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Andreas KoschowskiFachbereichsleiter Wohnen Bereich Infrastruktur Deutsche Kreditbank
Dr. Heike LiebmannBundestransferstelle Stadtumbau
Kathrin Mölneck Leiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus
Dr. Wolfgang Schönfelder ehem. Leiter BBU-Landesgeschäftsstelle Potsdam

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