Gewohnt gut 09/2020

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

10.09.2020, 09:24 Uhr

„Gewohnt gut“-Auszeichnung geht im September 2020 nach Prenzlau

Mit dem Umbau eines früheren Internats hat die Wohnungsgenossenschaft Prenzlau eG (WG Prenzlau) 38 barrierefreie Wohnungen für Senior*innen geschaffen. Dafür wird die Genossenschaft am 10. September 2020 mit dem „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“-Qualitätssiegel ausgezeichnet. Nach der Vergabe des Siegels im Juni 2011 für den barrierefreien Umbau eines Plattenbaus in der Scharnstraße, im Oktober 2013 für den generationengerechten Neubau der „Wohnanlage Sonnenschein“ und im Dezember 2014 für den Neubau „Neue Mitte“ ist dies bereits die vierte Ehrung für das Unternehmen.

Das Bewertungsgremium würdigt die gelungene Kombination aus der Sanierung des 4-geschossigen Plattenbaus und der Aufstockung mit einem Staffelgeschoss. Das Konzept, großzügig gestaltete Gemeinschaftsräume auf jeder Etage vorzuhalten, um gemeinsame Aktivitäten, aktiv nutzbare Angebote zur Freizeitgestaltung sowie kontakt- und kommunikationsfördernde Angebote zu integrieren, sei ein gelungenes Beispiel für eine lebendige Genossenschaft.

BBU-Vorständin Maren Kern gratuliert zur Auszeichnung: „Wenn ein Internat zu einem Seniorenwohnprojekt umgestaltet wird, ist das ein Sinnbild für die demografische Entwicklung der Region. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung von Prenzlau wird in zehn Jahren über 65 Jahre alt sein. Die WG Prenzlau begegnet dieser großen Herausforderung mit einem durchdachten, ansprechenden Projekt, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Privatsphäre haben und gleichzeitig der nachbarschaftliche Austausch gefördert wird. Das ist ‚typisch Genossenschaft‘ und nebenbei ein Beweis, wie flexibel ein Plattenbau umgestaltet werden kann.“

Guido Beermann, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, erläutert die Entscheidung des Bewertungsgremiums: „Die WG Prenzlau bietet älteren Mieterinnen und Mietern hier ein rundum gutes Wohnangebot: Die Wohnungen sind barrierefrei, komfortabel, zentrumsnah gelegen und günstig. Darüber hinaus wurde mit dem Projekt eine innerstädtische Brache beseitigt und einer attraktiven Nutzung zugeführt. Das trägt zur Aufwertung des Stadtbildes bei. Wenn dann noch durch den Einsatz von regenerativen Energien CO2-Emmissionen eingespart werden, kann ich nur sagen: das ist ein wirklich gelungenes Stadtentwicklungsprojekt!“

Petra Müller, Technische Vorständin der WG Prenzlau, freut sich über die erneute Auszeichnung mit „Gewohnt gut“: „Wir sind sehr stolz, dass wir das Siegel nunmehr zum vierten Mal gewinnen konnten. Das Wohnkonzept am Prinzenpalais wird von unseren Mitgliedern sehr geschätzt und wir haben diese Erfahrungen auch in unserem Neubauprojekt für Senior*innen in der Geschwister-Scholl-Straße anbringen können, das wir Ende 2019 fertig gestellt haben.“

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird in der Regel sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Den Unternehmen der sozialen Wohnungswirtschaft kommt bei Stadtentwicklung, gutem Wohnen, Bewältigung des demografischen Wandels und Klimaschutz eine Schlüsselrolle zu. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU aus Vertreter*innen der Arbeitsgemeinschaft „Städteforum Land Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau, einer Bank sowie dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg besteht.

Die WG Prenzlau berichtet zum Projekt: „Wohnen am Prinzenpalais“

Zentrumsnah, eine gute Bausubstanz und flexible Umbaumöglichkeiten – das leerstehende Internat in der Klosterstraße neben dem Prinzenpalais bot der WG Prenzlau ideale Bedingungen für ihr geplantes Seniorenwohnprojekt. Seit der Fertigstellung im März 2013 ist es durchgehend voll vermietet.

„Der Altersdurchschnitt unserer Mitglieder steigt beständig und damit auch die Nachfrage nach barrierearmen Wohnungen. Der leerstehende Plattenbau war für unsere Zwecke sehr gut geeignet und so haben wir ihn dann 2012 erworben“, erläutert Mario Göppert, Kaufmännischer Vorstand der WG Prenzlau den Anstoß zum Projekt. „Von Vorteil war auch, dass die Kernsanierung nicht im bewohnten Zustand durchgeführt werden musste. Das hat viel Zeit und Geld gespart.“

Vom Internat zum modernen Seniorenwohnen

Das ehemalige Internatsgebäude wurde komplett bis zur Rohdecke entkernt, um ein Staffelgeschoss aufgestockt und es wurden Balkone an- und ein Aufzug eingebaut. „Der Fahrstuhl erschließt über einen Mittelgang sämtliche Wohnungen pro Stockwerk. Das ist in einem Plattenbau gut realisierbar und sorgt für geringe Betriebskosten“, erklärt Petra Müller, Technische Vorständin der WG Prenzlau. Für die 38 Wohnungen wurden insgesamt sieben verschiedene Grundrisslösungen mit einer Wohnungsgröße von 32 bis 66 Quadratmetern umgesetzt. Dabei sind alle Wohnungen – wie auch der Rest des Gebäudes und die großzügigen Außenanlage – barrierefrei nach DIN.

Bei der Sanierung wurde besonders auf den Einsatz von regenerativen Energien und mögliche Energie-Einsparpotenziale geachtet. Alle Wohnungen sind mit Fußbodenheizung und einem innovativen Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Eine Solarthermieanlage auf dem Dach, sparsame LED-Beleuchtung im gesamten Gebäude und die Basisversorgung über regenerativ erzeugte Fernwärme ergänzen das Energie- und Wärmekonzept.

Förderung von Begegnung und Kommunikation

„Wir haben bewusst Grundrisslösungen gewählt, die Begegnungen und Kommunikation fördern und gleichzeitig genügend Freiraum für Privatsphäre lassen“, so Müller. Jeweils ein Gemeinschaftsraum pro Etage bietet den Mieter*innen die Möglichkeit für gemeinsame Aktivitäten: Kaffeetreff, Spielenachmittage, Basteln oder Handarbeiten.

„Um unser Angebot zu ergänzen, sind wir mit der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Uckermark e.V. (AWO), die sich praktischerweise im Prinzenpalais (dem ehemaligen Schulgebäude) gegenüber eingemietet hat, eine Kooperation eingegangen“, so Müller weiter. Gemeinsam mit der AWO- Werkstatt für behinderte Menschen veranstaltet die Genossenschaft so z.B. den jährlichen Osterhofmarkt, der mit vielen Ständen und Aktionen eine beliebte Veranstaltung ist. Außerdem wird die Pflege der Außenanlagen von Jugendlichen der Werkstatt für behinderte Menschen übernommen. Benötigte Sozialdienstleistungen können die Mieter*innen entweder über die AWO oder einen Pflegedienstleister ihrer Wahl beziehen. „So ermöglichen wir unseren Mitgliedern, auch bis ins hohe Alter in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können. Das ist vielen sehr wichtig“, erklärt Mario Göppert.

Fast drei Millionen Euro investiert

Die Gesamtkosten für die Umbaumaßnahmen beliefen sich auf rund 2,9 Millionen Euro. Der Großteil der Summe wurde über KfW-Kredite für Altengerechtes Umbauen und Energieeffizientes Sanieren finanziert, ca. 435.000 Euro hat die Genossenschaft aus Eigenmitteln aufgebracht.

Gruppenfoto der Urkundenübergabe und Objektansicht "Wohnen am Prinzenpalais", Copyright: BBU

Kathrin Mölneck

T +49 (335) 50468 - 10
F +49 (335) 50468 - 12
Friedhelm BoginskiVorstand Städteforum Berlin-Brandenburg
Elfi Heesch Abteilungsleiterin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Andreas KoschowskiFachbereichsleiter Wohnen Bereich Infrastruktur Deutsche Kreditbank
Dr. Heike LiebmannBundestransferstelle Stadtumbau
Kathrin Mölneck Leiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus
Dr. Wolfgang Schönfelder ehem. Leiter BBU-Landesgeschäftsstelle Potsdam

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