Gewohnt gut 08/2020

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

28.08.2020, 09:58 Uhr

„Gewohnt gut“-Auszeichnung geht im August 2020 nach Schwedt

Mit der umfassenden Modernisierung und Neugestaltung  des „Grünen Ecks“ auf dem Julian-Marchlewski-Ring hat die Wohnungsbaugenossenschaft Schwedt eG (WOBAG) attraktiven, generationen- und zukunftsgerechten Wohnraum geschaffen. Dafür wird die Genossenschaft am 28. August 2020 mit dem „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“-Qualitätssiegel ausgezeichnet. Nach der Vergabe des Siegels für das „Lindenquartier“ im September 2012 und für die „Kranichsiedlung“ im August 2016 ist dies die dritte Ehrung für das Unternehmen.

Das Bewertungsgremium würdigt die Gewährleistung einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Gestaltung von Wohnraum durch die Verbesserung der Wohnqualität und den Einsatz von neuen Wohnformen und Wohntrends. Grundlage war dabei der Masterplan Wohnen 2025+ der Stadt Schwedt/Oder. Das gewählte Farbkonzept sei dabei eine zusätzliche Aufwertung der Wohnanlage.

BBU-Vorständin Maren Kern gratuliert zur Auszeichnung: „Die WOBAG ist ein umsichtiges Unternehmen, das die Entwicklung ihrer Stadt vorausschauend mitdenkt und ihre Bestände dementsprechend entwickelt. Sie schafft mit Projekten wie dem ‚Grünen Eck‘ ein zukunftsfähiges Quartier, in dem alle Generationen gerne und günstig leben. Mit ihrem Engagement ist die WOBAG eine unverzichtbare Partnerin für die Stadt Schwedt und stärkt den Wohnstandort in seiner wichtigen Ankerfunktion für die Region.“

Rainer Genilke, Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, erläutert die Entscheidung des Bewertungsgremiums: „Wie viele Städte im weiteren Metropolenraum sieht sich Schwedt/Oder mit den Herausforderungen des Rückgangs der Bevölkerungszahl bei einem gleichzeitig steigenden Anteil von älteren Menschen konfrontiert. Die WOBAG zeigt in beispielhafter Weise, wie dieser Entwicklung positiv begegnet werden kann. So stellen wir uns die Umsetzung des Masterplans Wohnen 2025+ vor.“

Matthias Stammert, Vorstandsvorsitzender der WOBAG, freut sich über die dritte Auszeichnung mit „Gewohnt gut“: „Unsere Mitglieder haben die Sanierungsmaßnahmen am ‚Grünen Eck‘ sehr gut angenommen und wohnen gerne dort. Das beweist uns, dass wir ein gutes Projekt umgesetzt haben. Die Ehrung mit ‚Gewohnt gut‘ ist nun das i-Tüpfelchen und erfüllt uns mit großem Stolz! Das ‚Grüne Eck‘ wird uns nun als Vorlage für weitere Modernisierungsmaßnahmen dienen.“

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird in der Regel sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Den Unternehmen der sozialen Wohnungswirtschaft kommt bei Stadtentwicklung, gutem Wohnen, Bewältigung des demografischen Wandels und Klimaschutz eine Schlüsselrolle zu. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU aus Vertreter*innen der Arbeitsgemeinschaft „Städteforum Land Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau, einer Bank sowie dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg besteht.

v.l.n.r. Elfi Heesch (Abteilungsleiterin MIL, Uwe Benthin (Vorstand WOBAG), Maren Kern (Vorständin BBU), Gustav-Otto Rinas (Vorsitzender Aufsichtsrat WOBAG), Kathrin Mölneck (Leiterin ASTFOC BBU), Jürgen Polzehl (Bürgermeister Schwedt). Vorne: Matthias Stammert (Vorstand WOBAG), Matthias Brauner (Leiter LGSP BBU)

Foto: BBU/Chris Schubert

 

Die WOBAG berichtet zum Projekt: „Modernisierung Grünes Eck“

Nach dem Vorbild des Pilotprojektes „Kranichsiedlung“ begann die WOBAG Ende 2016 mit der umfassenden Sanierung des Quartiers mit Baujahr 1965 auf dem Julian-Marchlewski-Ring. Nach zwei Jahren Bauzeit sind die Maßnahmen im Dezember 2018 fertiggestellt geworden. Damit hat die Genossenschaft insgesamt 118 Wohnungen generationengerecht umgestaltet.

Ende 2012/Anfang 2013 bildete eine Bestandsanalyse der Genossenschaft die Grundlage des Pilotprojektes „Kranichsiedlung“, das dann im Jahr 2014 fertiggestellt wurde. Ziel war es, bestehende Quartiere unter Einbeziehung der Prognose des zu erwartenden Einwohnerrückgangs und demografischen Wandels generationengerecht und zukunftsorientiert zu modernisieren. „Das Pilotprojekt war ein voller Erfolg. Wir konnten eine bessere Durchmischung der Altersstruktur erreichen. Seitdem ist es nun quasi in Serie gegangen“, erläutert der Vorstandsvorsitzende der WOBAG, Matthias Stammert.

Fit für die Zukunft: moderne und barrierearme Wohnungen

In zwei Bauabschnitten wurden zwei fünfgeschossige Gebäude in Großblockbauweise umfassend saniert und modernisiert. „Im Rahmen der Baumaßnahmen haben wir die anstehende Dachinstandsetzung durchgeführt, sowie eine Strangsanierung: Die vorhandene Gasanlage wurde demontiert, neue Elektroherde eingebaut, Stromanschlüsse auf die Balkone gelegt, die Installationszelle erneuert, Abwasserleitungen mit schalldämmenden Materialien erneuert und sämtliche Rohrleitungen ausgetauscht“, erklärt Stammert. Die Genossenschaft arbeitete dabei wieder mit dem Architekten Mathias Tietze (Agora+ Projektentwicklungsgesellschaft mbH) zusammen, der bereits die Generalplanung für die Kranichsiedlung übernommen hatte.

„Wir wollten die Gebäude aber nicht nur wieder ‚fit‘ machen, sondern sowohl eine Steigerung des Wohnkomforts erreichen als auch Barrierearmut möglichst im ganzen Gebäude herstellen“, so Stammert weiter. So rüstete die WOBAG alle Hauseingänge mit Aufzügen nach und sicherte damit auch die Vermietbarkeit in den höher gelegenen Etagen. So konnte Leerstand vermieden werden. „Wir haben uns außerdem dazu entschlossen, alle vorhandenen Balkone zu erneuern und zusätzlich die 60 Wohnungen, die bisher keinen hatten, nachzurüsten. Dieser Wunsch wurde vielfach an uns herangetragen und wir sind ihm gerne nachgekommen. Zusätzlich haben wir für die Wohnungen im Erdgeschoss kleine Terrassen angelegt.“

Das ‚Grüne Eck‘ wird kunterbunt

Abgerundet wird das Projekt durch eine neue Wohnumfeldgestaltung: Die WOBAG hat die Gehwege und Grünanlagen erneuert und Mietergärten angelegt. „Das Konzept des Urban Gardening hat sich sehr bewährt. Mieterinnen und Mieter fühlen sich so stärker mit dem Wohnumfeld verbunden, wenn sie den ‚eigenen‘ kleinen Garten bewirtschaften können“, erläutert der Stammert. Ebenfalls wurden die Fassaden modern und farbenfroh neu gestaltet.

Sämtliche Maßnahmen wurden im bewohnten Zustand umgesetzt. „Wir haben unsere Mitglieder dabei immer auf dem Laufenden gehalten durch Infoveranstaltungen, Schreiben, im Mietermagazin und auf der Homepage. So haben sie sich ‚mitgenommen gefühlt‘ und wussten immer genau, was auf sie zukommt. Vom Ergebnis sind nun alle sehr überzeugt“, freut sich Stammert.

Fast sechs Millionen Euro investiert

Die Gesamtkosten für die Sanierungsmaßnahmen beliefen sich auf rund 5.930.000 Euro. Der Großteil der Summe (5.900.000 Euro) wurde dabei über Kredite finanziert, der Rest stammt aus Eigenmitteln der Genossenschaft.

Kathrin Mölneck

T +49 (335) 50468 - 10
F +49 (335) 50468 - 12
Friedhelm Boginski Vorstand Städteforum Berlin-Brandenburg
Elfi Heesch Abteilungsleiterin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Andreas Koschowski Fachbereichsleiter Wohnen Bereich Infrastruktur Deutsche Kreditbank AG, Berlin
Dr. Heike Liebmann Bundestransferstelle Stadtumbau
Kathrin Mölneck Leiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus
Dr. Wolfgang Schönfelder ehem. Leiter BBU-Landesgeschäftsstelle Potsdam

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