Gewohnt gut 06/2020 (2)

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

26.06.2020, 14:00 Uhr

WoGe Finsterwalde wird mit „Gewohnt gut“ ausgezeichnet

Mit der Neugestaltung der Fassade von zwei dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern in der Kirchhainer Straße hat die Wohnungsgenossenschaft Finsterwalde eG (WoGe) dem Ortseingang der Stadt ein neues Gesicht gegeben. Dafür wird sie am 26. Juni 2020 zum ersten Mal mit dem „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“-Qualitätssiegel ausgezeichnet. 

Das Bewertungsgremium würdigt die Fassadengestaltung an den beiden 1958/59 gebauten und 1995 energetisch sanierten Mehrfamilienhäusern an der im Jahre 2016/2017 neugestalteten, hochfrequentierten Landstraße, der Haupt-Ortseinfahrt nach Finsterwalde aus Richtung Doberlug-Kirchhain. Die Neugestaltung der Fassaden führt zu einer erheblichen Verbesserung des Stadtbildes.

BBU-Vorständin Maren Kern gratuliert zur Auszeichnung: „Das Projekt der Genossenschaft zeigt sehr gut, dass nicht nur die ganz großen Bauprojekte von Bedeutung für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung sind. Mit der sehr kreativen und ansprechenden Fassadengestaltung hat das Unternehmen die Attraktivität der Gebäude deutlich gesteigert. Jetzt befinden sich die ‚inneren Werte‘ – guter und bezahlbarer Wohnraum – und das äußere Erscheinungsbild im Einklang. Für das gelungene Projekt erhält die WoGe sehr verdient die Auszeichnung mit dem Qualitätssiegel ‚Gewohnt gut‘“

Rainer Genilke, Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, erläutert die Entscheidung des Bewertungsgremiums: „Die WoGe stärkt mit ihrem attraktiven Wohnungsangebot den Wohnstandort Finsterwalde in seiner Ankerfunktion im weiteren Metropolenraum. Struktureller Leerstand wurde durch die Maßnahmen vermieden. Das ist ein starker Beitrag gegen Leerstand und für eine vitale, einladende Stadt.“

Gabriele Brungart, Technische Vorständin der WoGe, freut sich über die Würdigung mit „Gewohnt gut“: „Wir sind sehr stolz, mit diesem Projekt zum ersten Mal diese Auszeichnung gewinnen zu können. Wir haben die Gestaltung aufwändig geplant und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Intern haben wir die beiden Gebäude immer nur die ‚grauen Mäuse‘ genannt. Diesen Zustand haben wir nun beendet! Besucher*innen der Stadt sehen nun mit als erstes unsere ‚bunten Hingucker‘, die sie dann mit unserer Genossenschaft verbinden.“

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird in der Regel sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Den Unternehmen der sozialen Wohnungswirtschaft kommt bei Stadtentwicklung, gutem Wohnen, Bewältigung des demografischen Wandels und Klimaschutz eine Schlüsselrolle zu. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU aus Vertreter*innen der Arbeitsgemeinschaft „Städteforum Land Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau, einer Bank sowie dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg besteht.

Die WoGe berichtet zum Projekt: „Ein neues Gesicht für den Ortseingang Finsterwalde“

Bedingt durch die Lage an der Landstraße, war die Fassade der beiden Mehrfamilienhäuser in der Kirchhainer Straße verschmutzt und seit der letzten Erneuerung Mitte der 1990er Jahre relativ rasch wieder wenig ansehnlich geworden. Durch ein durchdachtes und den örtlichen Gegebenheiten angepasstes Farbkonzept sind die beiden Gebäude nun zu „bunten Hinguckern“ geworden.

„Trotz der unmittelbaren Lage an der Landstraße haben die Häuser viel Potential: Der Bahnhof ist fußläufig erreichbar, ebenso Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen, Schulen und Kindertagesstätten. Außerdem sind die Wohnungen gut geschnitten und die Mieten günstig“, erläutert Ullrich Witt, Vorstandsvorsitzender der WoGe, die Ausgangslage für das Projekt. 1995 wurden die Gebäude energetisch saniert: Die Genossenschaft erneuerte damals die Fenster und dämmte Dachboden und Fassade. Im Ergebnis konnten die Betriebskosten für die Mieter*innen gesenkt werden. Da trotzdem einige der Wohnungen von Leerstand betroffen waren, entschloss sich die WoGe 2014 dazu, großzügige Balkone an der straßenabgewandten Seite anzubauen. „Diese Maßnahme wurde von den Mieter*innen sehr gut angenommen“, so Witt. Im Ergebnis konnte annähernd Vollvermietung erreicht werden.

Gestalter aus Berlin überzeugten mit ihrem Entwurf

„Wir waren trotzdem noch nicht zufrieden mit dem äußeren Erscheinungsbild unserer ‚grauen Mäuse‘, erklärt Gabriele Brungart, Technische Vorständin der WoGe. Für die Instandsetzung der Fassade entwickelte die Genossenschaft 2016 gemeinsam mit externen Dienstleistern deshalb ein Konzept, dass eine attraktive Farbgestaltung mit der Wahl einer speziell schützenden und schmutzabweisenden Farbe kombiniert.

„Von allen eingereichten Vorschlägen hat uns dabei die Firma ‚Graco‘ aus Berlin am meisten überzeugt“, so Brungart. Das Strategie-Team der Genossenschaft arbeitete gemeinsam mit den Gestaltern von Graco das Konzept aus, dass durch dreidimensionale Effekte der flächigen Fassade Bewegung und Tiefe verleiht. Die Lebendigkeit der Fassadengestaltung sorgt aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln immer wieder für neue Eindrücke. Die Farben des WoGe-Logos sind in der Fassade und in den Eingangsportalen aufgenommen. Brungart: „In der konkreten Umsetzung haben wir uns dann ganz bewusst für ein regionales Malerunternehmen entschieden.“

Genossenschaft prägt neues Gesicht am Ortseingang

Im Ergebnis vermitteln die Gebäude nun einen frischen, modernen und zeitgemäßen Eindruck und komplettieren damit die Neugestaltung des Orteingangs, die ebenfalls 2017 fertig gestellt wurde. Im Zuge dessen sind neben der Sanierung der Landstraße und den Gehwegen auch Medien (Versorgungsleitungen von Strom, Wasser, Kabel und Heizenergie) und Straßenbeleuchtung erneuert worden.

Ullrich Witt dazu: „Die Instandsetzung der Fassade hat einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Stadtbildes geleistet. Der erste Eindruck von Besucher*innen von Finsterwalde ist jetzt  freundlich, sauber und ansprechend. Die Farbgestaltung wird außerdem gleich mit unserer Genossenschaft verbunden. Wir haben dadurch viel Aufmerksamkeit erhalten.“

60.000 Euro investiert

Die Gesamtkosten für die Fassadengestaltung beliefen sich auf rund 60.000 Euro. Der gesamte Betrag wurde aus Eigenmitteln finanziert.

Übergabe in Finsterwalde; Copyright: BBU/Schubert

Mieke Goldhahn

T +49 (30) 89781 - 126
F +49 (30) 89781 - 4126
Friedhelm BoginskiVorstand Städteforum Berlin-Brandenburg
Dr. Heike LiebmannBundestransferstelle Stadtumbau
Elfi HeeschAbteilungsleiterin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Silvio HagemannFachbereichsleiter Wohnen DKB Deutsche Kreditbank AG, Berlin
Dr. Wolfgang Schönfelder Leiter BBU-Landesgeschäftsstelle Potsdam
Kathrin Mölneck Leiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus

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