Gewohnt gut 08/2019 (2)

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

14.08.2019, 08:51 Uhr

Sanierung macht Hochhaus zum Wahrzeichen der Stadt: „Gewohnt gut“-Auszeichnung geht im August nach Senftenberg

Die Kommunale Wohnungsgesellschaft mbH Senftenberg (KWG) hat am Senftenberger See einen 11-geschossigen Plattenbau Typ P2/11 mit Baujahr 1976 in 3,5 jähriger Bauzeit komplett saniert, für mehr Barrierefreiheit gesorgt und die Fassade aufsehenerregend neu gestaltet. Für ihr Projekt wird die KWG am 14. August 2019 von BBU-Vorstand Maren Kern und der Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg Kathrin Schneider mit dem „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“-Qualitätssiegel ausgezeichnet. Nach November 2011 ist dies bereits das zweite Mal, dass das Unternehmen die Auszeichnung erhält, damals wurde der Umbau des Wohngebietes „Häuerpark“ geehrt.

Das Bewertungsgremium würdigt die Modernisierung und barrierefreie Erschließung des Gebäudes sowie die künstlerische Fassadengestaltung als „Welle“, mit der eine optische Verbindung zwischen Architektur und der Umgebung des dahinterliegenden Sees geschaffen wurde.

BBU-Vorstand Maren Kern erläutert die Auszeichnung: „Das Projekt ‚Generationsübergreifendes Wohnen im Hochhaus‘ ist vorbildlich. Durch umfassende Sanierungen hat die KWG nicht nur den Wohnkomfort für ihre Mieterinnen und Mieter erhöht, sondern auch zukunftsfesten, generationengerechten Wohnraum zu moderaten Mieten geschaffen. Zudem ist es ein sehr gutes Beispiel dafür, wie flexibel und vielseitig ein Plattenbau ist. Die erneute Auszeichnung der KWG zeigt einmal mehr die Bedeutung des Unternehmens als sozialer Vermieter und macht seine Bedeutung für die Stadtentwicklung deutlich.“

Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, sagt anlässlich der Vergabe des Siegels: „Die KWG stärkt mit ihrem attraktiven Wohnungsangebot den Wohnstandort Senftenberg in seiner Ankerfunktion im weiteren Metropolenraum. Die Ausweitung der Barrierefreiheit im Gebäude kommt dabei allen Menschen zugute, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind und wird damit auch dem demografischen Wandel gerecht. Ein weiteres Plus für das Projekt: Die energetische Ertüchtigung sorgt für eine deutliche Reduzierung des Energiebedarfs und ist damit gut für das Klima.“

KWG-Geschäftsführer Roland Osiander freut sich über die Auszeichnung mit Gewohnt gut: „Ein 11-geschossiges Gebäude voll zu sanieren, während es vermietet ist, ist ein Mammutprojekt und hat uns vor große planerische Herausforderungen gestellt. Dass es nun von den Mieterinnen und Mietern so gut angenommen wird, ist ebenso wie die heutige Ehrung eine großartige Bestätigung für unsere Arbeit! Besonders wichtig war uns bei dem Projekt auch die Fassadengestaltung. Es macht uns stolz, dass die Senftenberger das Hochhaus jetzt als ein Wahrzeichen der Stadt empfinden!“

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird in der Regel sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Für die Wohnungsunternehmen sind auch Stadterneuerung und Aufwertung zentrale Bestandteile des Stadtumbauprozesses. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft „Städteforum Land Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau Ost, der Deutschen Kreditbank AG (DKB) sowie dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg besteht.

Foto: KWG

Die KWG berichtet zum Projekt: „Generationsübergreifendes Wohnen im Hochhaus“

Bereits im März 2013 fiel für die KWG der Startschuss für ein Mammutprojekt: die Sanierung des 11-geschossigen Plattenbaus in der Fischreiherstraße 15-19 direkt am Senftenberger See. Mehr Barrierefreiheit, umfassende energetische Ertüchtigung, Verbesserungen im Brandschutz, mehr Wohnkomfort und die Neugestaltung der Fassade standen im Fokus der Umbaumaßnahmen. Nach gut dreieinhalb Jahren Bauzeit fand das Projekt Ende 2016 seinen Abschluss.

„Das Gebäude war schon vor der Sanierung beliebt bei Mieterinnen und Mietern. Besonders ist die Lage direkt am See, jede Wohnung hat einen Balkon Seeblick. Aber die Wohnungen waren nicht mehr zeitgemäß ausgestattet, der Energiebedarf war zu hoch und vor allem wollten wir mehr Barrierefreiheit im Gebäude schaffen“, erläutert Roland Osiander, Geschäftsführer der KWG, den Anstoß zum Projekt.

Barrierefrei, energetisch fit und modern

Die Umbaumaßnahmen wurden im bewohnten Zustand aufgangsweise durchgeführt, die betroffenen Mieter*innen bekamen Ersatzwohnungen gestellt. Um mehr Barrierefreiheit zu erreichen, wurden Rampen an Eingangs- und Terrassenbereich angebaut und die Aufzüge erneuert. Ein Durchgang im Erdgeschoss verbindet alle drei Aufgänge. „In Kooperation mit dem Landkreis haben wir festgestellt, dass es konkreten Bedarf an rollstuhlgerechten Wohnungen gab. Den wollten wir gerne bedienen und haben im Erdgeschoss durch Zusammenlegung von jeweils zwei kleinen Wohnungen drei komplett barrierefreie Wohnungen geschaffen. Das war natürlich ein großer Aufwand, aber es war uns wichtig, dass diese Mieterinnen und Mieter trotzdem keinen höheren Quadratmeterpreis zahlen müssen“, so Osiander. Umfangreiche Grundrissänderungen wurden zudem im 11. Obergeschoss vorgenommen: „Hier sind sechs großzügig geschnittene Wohnungen entstanden, die unser Portfolio sehr gut ergänzen.“

Insgesamt verfügt das Gebäude damit über 15 Einraum-, 17 Zweiraum-, 59 Dreiraum- und 37 Vierraumwohnungen. „Hier wohnen alle Generationen unter einem Dach: ältere Menschen, Familien mit Kindern und Singles“, so Osiander.

Durch die Verbesserungen des Wärmeschutzes und die Sanierung der technischen Gebäudeausrüstung wurde der Energiebedarf des Gebäudes gemäß aktueller Energieeinsparverordnung deutlich reduziert, zudem wurde der Brandschutz verbessert. „Wir wollten durch die Sanierung aber auch den Wohnkomfort für die Mieterinnen und Mieter erhöhen“, erklärt Roland Osiander. „Es wurden die Bäder neu gestaltet, Herde und Türen ausgetauscht, Elektroinstallation, Telefon- und Antennenanlage erneuert und die Grundfläche der Balkone vergrößert. Bei der Innengestaltung konnten die Mieterinnen und Mieter auch eigene Wünsche mit einbringen.“

Abstrahierte Wasserwelle schafft optische Verbindung zum See

„Die Fassadengestaltung war uns ein besonderes Anliegen“, sagt der KWG-Geschäftsführer. „Wir wollten einen Bezug zwischen Architektur und dahinter liegendem See schaffen.“ Der Künstlergemeinschaft Strauss & Hillegaard aus Cottbus ist es mit der Abbildung einer abstrahierten Wasserwelle gelungen, diese optische Verbindung zu erzeugen. Dafür wurde das Foto einer Welle in 3.000 Pixel zerlegt und jeder einzelne Punkt einer eigens kreierten Farbskala zugeordnet. Die plastische Bewegung des flüssigen Elements wurde vor Ort mit einem Schablonenraster und Silikat-Finish umgesetzt. Osiander: „Aus der Nähe betrachtet sind es viereckige Farbfelder, erst aus der Ferne wird die Welle sichtbar. Bei Nacht markiert ein LED-Band die Wasserkante, das sich bei Dämmerung automatisch einschaltet.“ Für das Kunstwerk wurde die KWG 2015 bereits mit dem Förderpreis des Deutschen Fassadenpreises bedacht.

Kathrin Mölneck

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Friedhelm BoginskiVorstand Städteforum Berlin-Brandenburg
Dr. Heike Liebmann Bundestransferstelle Stadtumbau
Elfi Heesch Abteilungsleiterin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Silvio Hagemann Fachbereichsleiter Wohnen DKB Deutsche Kreditbank AG, Berlin
Dr. Wolfgang Schönfelder Leiter BBU-Landesgeschäftsstelle Potsdam
Kathrin Mölneck Leiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus

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