Gewohnt gut 05/2019

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

30.04.2019, 13:56 Uhr

Neubau einer Tagespflege mit Begegnungsstätte: „Gewohnt gut“-Auszeichnung geht im April nach Brandenburg an der Havel

Die Wohnungsbaugenossenschaft Brandenburg eG (WBG) errichtet im Stadtteil Nord eine Tagespflegeeinrichtung, die um das Angebot einer Beratungs- und Begegnungsstätte ergänzt wird. Betreiber und Mieter ist das Senioren- und Pflegezentrum Brandenburg (SPZ). Für ihr Projekt wird die WBG am 30. April 2019 von BBU-Vorstand Maren Kern und der Staatssekretärin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg Ines Jesse mit dem „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“-Qualitätssiegel ausgezeichnet. 

Das Bewertungsgremium würdigt die innovative Idee, direkt im Wohngebiet eine Einrichtung zur Tagespflege mit Beratungsangeboten und einer Begegnungsstätte zu kombinieren und allen Anwohner*innen zur Verfügung zu stellen. Besondere Beachtung verdiene dabei die Holzständerbauweise in Kombination mit einer Thermoholzfassade.

BBU-Vorstand Maren Kern erläutert die Auszeichnung: „Brandenburg-Nord weist ein hohes Durchschnittsalter der Einwohnerschaft auf. Die ca. 480 WBG-Wohnungen im unmittelbaren Umfeld sind bereits seniorenfreundlich gestaltet. Mit dem Bau der Tagespflegestation hat das Unternehmen nun noch eine Bedarfslücke geschlossen. Sie bietet damit vielen Seniorinnen und Senioren die Möglichkeit, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben zu können. Und das ist es, was die meisten älteren Menschen sich wünschen.“

Ines Jesse, Staatssekretärin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, sagt anlässlich der Vergabe des Siegels: „Das ist ein guter Ansatz. Die älteren Menschen bekommen Unterstützung und Betreuung in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnungen und damit im vertrauten und gewohnten Umfeld. Die Infrastruktur so zu gestalten, dass sie am Bedarf ausgerichtet ist, ist eine Herausforderung einer älter werdenden Gesellschaft. Und nicht zuletzt auch ein zentrales Thema unserer Strategie Stadtentwicklung und Wohnen. Bis 2030 wird der Anteil der über 65-jährigen in Brandenburg an der Havel voraussichtlich bei fast einem Drittel liegen. Das Projekt, das das reine Wohnen ergänzt, kommt also genau zur richtigen Zeit.“

Gerhard Zapff, Technischer Vorstand der WBG, freut sich über die Würdigung mit „Gewohnt gut“: „Wir freuen uns sehr, dass wir das Bewertungsgremium mit unserem Projekt überzeugen konnten. Mit dem Bau der Tagespflege wollten wir nicht nur unsere älteren Mieterinnen und Mieter ansprechen, sondern durch die Kombination mit einer Begegnungsstätte auch einen Raum für Veranstaltungs- und Vereinsaktivitäten schaffen. So wollen wir ein Miteinander aller Generationen ermöglichen.“

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird in der Regel sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Für die Wohnungsunternehmen sind auch Stadterneuerung und Aufwertung zentrale Bestandteile des Stadtumbauprozesses. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft „Städteforum Land Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau Ost, der Deutschen Kreditbank AG (DKB) sowie dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg besteht.

Fotos: Copyright BBU

Die WBG berichtet zum Projekt: Tagespflegeeinrichtung mit Beratungs- und Begegnungsstätte

Mit dem Neubau einer Tagespflegeeinrichtung in Brandenburg Nord schließt die Wohnungsbaugenossenschaft Brandenburg eG (WBG) nicht nur eine Bedarfslücke im Stadtteil, sondern fördert mit der Integration einer Beratungs- und Begegnungsstätte in den Räumlichkeiten auch ein Miteinander der Generationen im Wohngebiet. Im Januar 2018 hat das Senioren- und Pflegezentrum Brandenburg (SPZ) als Betreiber und Mieter den Betrieb aufgenommen.

Die WBG hat in der Emsterstraße drei achtgeschossige Wohngebäude mit insgesamt 480 Mieter*innen. Wie im gesamten Stadtteil Nord ist das Durchschnittsalter hier besonders hoch. „Wir gestalten die Wohnungen deshalb sukzessive barrierearm um und haben zum Beispiel Duschen mit geringer Einstiegstiefe oder – wo baulich möglich – bodengleiche Duschen eingebaut. Alle Etagen sind zudem niveaugleich per Aufzug erreichbar“, so Gerhard Zapff, Technischer Vorstand der WBG. „Was aber noch im Quartier fehlte, war eine Tagespflege“, erläutert Matthias Osterburg, Kaufmännischer Vorstand der WBG, den Anstoß zum Projekt.

Grüne Oase im Wohngebiet

In einem Jahr Bauzeit hat die WBG deshalb das eingeschossige Gebäude mit 550 m² Nutzfläche zwischen zwei Wohnblöcken errichtet. Für die Holzfassade wurde Lärchenholz verwendet, welches in speziellen Thermoöfen behandelt wurde und damit genauso beständig ist wie Tropenholz. Gerhard Zapff erklärt: „Das Thermoholz sondert durch das Verfahren kein Harz ab, bleibt dimensionsstabil und eignet sich somit ideal zur Verarbeitung als Hausfassade. Zudem ist es chemisch nicht belastet.“ Für ein gutes Raumklima sorgt ein Gründach, der Flachbau heizt sich in den Sommermonaten dadurch nicht so schnell auf. Zudem ist es auch ein Zwischenspeicher für Regenwasser, was die Einleitungsgebühren optimiert. Zapff: „Wir haben hier eine kleine Oase geschaffen, die sehr naturnah wirkt und optisch einen schönen Kontrast zu den Wohngebäuden bietet.“

Mehrwert für alle Generationen

Die Tagespflege bietet Platz für insgesamt 28 Senior*innen, aufgeteilt auf zwei Gruppen. Die Planung wurde in enger Abstimmung mit dem SPZ durchgeführt. „Durch eine Tagespflege im unmittelbaren Wohnumfeld sind ältere Menschen nicht auf Sammeltransporte mit langen Anfahrtszeiten angewiesen. Ein weiteres Plus: pflegende Angehörige werden entlastet“, erläutert SPZ-Geschäftsführer Norbert Fröhndrich die Vorzüge der Einrichtung mit „Mittendrin-Faktor“. Matthias Osterburg ergänzt: „Unsere Mieterinnen und Mieter schätzen es sehr, dass sie weiter in der vertrauten Nachbarschaft leben können und wir freuen uns, dass sie unsere Mieter bleiben!“

Die Räumlichkeiten bieten neben der Tagespflege auch einen Beratungs- und Veranstaltungsbereich. „Uns war es wichtig, Menschen aller Generationen Angebote im Quartier machen zu können. Jung und Alt können hier gemeinsam feiern, Volkshochschulkurse belegen oder einfach nur zu einer gemütlichen Kaffeerunde zusammenkommen“, so Osterburg.

1,5 Millionen Euro investiert

Die Gesamtkosten für die Neubaumaßnahme beliefen sich auf rund 1.500.000 Euro. Die WBG hat die gesamte Summe über ein Darlehen bei der Investitionsbank der Landes Brandenburg finanziert.

Kathrin Mölneck

T +49 (335) 50468 - 10
F +49 (335) 50468 - 12
Friedhelm Boginski Vorstand Städteforum Berlin-Brandenburg
Dr. Heike Liebmann Bundestransferstelle Stadtumbau
Elfi Heesch Abteilungsleiterin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Silvio Hagemann Fachbereichsleiter Wohnen DKB Deutsche Kreditbank AG, Berlin
Dr. Wolfgang Schönfelder Leiter BBU-Landesgeschäftsstelle Potsd
Kathrin Mölneck Leiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus

BBU-Mitgliedsunternehmen