Gewohnt gut 10/2018

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

17.10.2018

Aus alt mach neu: „Gewohnt gut“-Auszeichnung geht im Oktober nach Finsterwalde

Stadtumbau bringt Fortschritt: Die Wohnungsgesellschaft der Stadt Finsterwalde mbH (WGF) schafft mit ihrem Umbau-Projekt „Mehrgenerationshaus“ modernen Wohnraum und reduziert gleichzeitig den strukturellen Leerstand in Finsterwalde. Durch den im Zuge des Stadtumbau Ost-Programmes realisierten Teilrückbau eines Plattenbauensembles mit anschließender umfassender Sanierung und Modernisierung ist generationsgerechter und zukunftsfähiger Wohnraum entstanden. Die Wohnungsgesellschaft leistet damit einen wichtigen Beitrag für die nachhaltige Stadtentwicklung und wird dafür am 17. Oktober 2018 von BBU-Vorstand Maren Kern und Infrastruktur-Staatssekretärin Ines Jesse mit dem „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“-Qualitätssiegel ausgezeichnet.

Das Bewertungsgremium würdigt die gelungene Kombination von Teilrückbau und Sanierung. Das Projekt zeigt die vielfältigen Möglichkeiten der Umgestaltung und Modernisierung des Plattenbaus in beispielhafter Weise auf.

BBU-Vorstand Maren Kern gratuliert: „Zum ersten, zum zweiten und zum dritten! Denn zum mittlerweile dritten Mal wird heute das Vertrauen der Finsterwalder Wohnungsgesellschaft in die Zukunftsfähigkeit von Finsterwalde mit dem ‚Gewohnt gut‘-Qualitätssiegel belohnt. Ausgezeichnet wird ein mutiges und engagiertes Projekt, durch dessen moderne Architektur wieder einmal die Wandlungsfähigkeit von Plattenbauten unter Beweis gestellt und die Aufwertung des gesamten Wohnquartiers erreicht wurden. Das stärkt die vorhandenen Kiezstrukturen und schafft gleichzeitig qualitativen sowie barrierefreien Wohnraum – ein wichtiger Baustein für die weitere Entwicklung der Stadt!“

Ines Jesse, Staatssekretärin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, sagt anlässlich der Vergabe des Siegels: „Der demographische Wandel stellt die Stadtentwicklungs-Akteure nicht nur in Finsterwalde vor große Herausforderungen. Die Wohnungsgesellschaft der Stadt Finsterwalde mbH geht hier jedoch mit gutem Beispiel voran und nutzt den vorhandenen Leerstand auch für die Entwicklung nachhaltiger Wohnkonzepte. Mit dem innovativen Umbau des Plattenbaus schafft sie zukunftsfähigen Wohnraum für mehrere Generationen. Dass bei der Westfalenstraße 16 besonderer Wert auf die Barrierefreiheit gelegt wurde, zeigt, dass das Wohnungsunternehmen die Bedürfnisse seiner Bewohnerinnen und Bewohner frühzeitig erkannt hat und ernst nimmt.“

René Junker, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft der Stadt Finsterwalde mbH, freut sich über die erneute Ehrung: „Wir wollten mit diesem Projekt vor allem zeigen, dass man auch mal neue Wege wagen muss, um weiterzukommen. Durch den konstruktiven Austausch mit unseren Mieterinnen und Mietern sowie einem starken Miteinander ist es uns in der Westfalenstraße 16 gelungen, einen idealen Rahmen für das Zusammenleben unterschiedlicher Generationen zu schaffen. Davon profitieren sowohl die neue Hausgemeinschaft als auch das direkte Wohnumfeld. Wir sind sehr stolz auf das Ergebnis und freuen uns über die Auszeichnung mit dem ‚Gewohnt-gut‘-Qualitätssiegel.“

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Für die Wohnungsunternehmen sind auch Stadterneuerung und Aufwertung zentrale Bestandteile des Stadtumbauprozesses. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft „Städteforum Land Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau Ost, der Deutschen Kreditbank AG (DKB) sowie dem MIL besteht.

Teilrückbau als Initialzündung für barrierefreie Sanierung

Die Wohnungsgesellschaft der Stadt Finsterwalde mbH (WGF) hat mit dem Umbau-Projekt „Mehrgenerationshaus“ zum wiederholten Mal die außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit von Wohnobjekten in Plattenbauweise unter Beweis gestellt. Durch die zukunftsweisende Sanierung und Gestaltung des Gebäudeensembles in der Westfalenstraße 16 im Zuge eines Teilrückbaus ist es dem Unternehmen gelungen, einen wichtigen Beitrag für die Quartiersaufwertung und nachhaltige Stadtentwicklung in Finsterwalde zu leisten. Die WGF stellt sich mutig und kreativ dem strukturellen Wohnungsleerstand in der Region und behält dabei den Erhalt sowie die Schaffung von lebenswerten Wohnquartieren fest im Blick.

Im Jahr 2014 startete die Wohnungsgesellschaft der Stadt Finsterwalde mbH mit dem Teilrückbau des dreiteiligen Plattenbauensembles des Typs Brandenburg in der der heutigen Westfalenstraße 16. Die in den 1970er Jahren errichteten Gebäude wurden im Zuge des Stadtumbau Ost-Programmes umgebaut. Aus den ursprünglichen 60 Wohneinheiten entstanden sechs 3-Raum-, vier 2-Raum- und eine 4-Raumwohnung mit Wohnflächen zwischen 60 und 96 Quadratmetern. Das Sanierungskonzept entstand aus einem eigens ausgeschriebenen Architektenwettbewerb, aus dem die ortsansässige HABERMANN Architektur- und Ingenieurgesellschaft mbH als Siegerin hervorging. „Für uns ist die Westfalenstraße 16 ein Symbol des Finsterwalder Mutes geworden – dem Mut, auch mal neue Wege zu beschreiten!“, so René Junker, Geschäftsführer der Finsterwalder Wohnungsgesellschaft. Das Ziel der WGF war es, modernen Wohnraum zu entwickeln, der auf die Bedürfnisse der Bewohner*innen abgestimmt ist. Dazu zählte auch der Einbau einer Aufzugsanlage, mithilfe der alle elf Wohnungen barrierefrei zu erreichen sind. In dem Flurbereich der Wohnungen wurden außerdem festintegrierte Einbauschränke installiert, die den Bewohner*innen zusätzlichen Stauraum bieten.

Hochwertige Architektur zu bezahlbaren Mieten

Jede Wohnung verfügt über eine Terrasse oder einen großzügigen Balkon mit großen Glasschiebetüren und Balkonfenstern. Junker weiter: „Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass die Wohnungen hell und lichtdurchflutet sind. Das ist ein ganz besonderer Wohlfühlfaktor.“ Bei den Bädern wurde auf eine qualitative Ausstattung und moderne Sanitärelemente geachtet. So verfügen sämtliche Wohnungen sowohl über eine Badewanne als auch über eine ebenerdige Dusche – einzig die behindertengerechte Wohnung verfügt über keine Badewanne, um die vorgeschriebenen Bewegungsflächen gewährleisten zu können. Die vorhandene Fußbodenheizung in den Badezimmern passt in das hochwertige und durchdachte Gesamtkonzept. Die Nettokaltmiete der neu entstandenen Wohnungen beliefen sich beim Vermietungsstart auf bezahlbare 6,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Wasch- und Trockenräume barrierefrei zu erreichen

Im Kellergeschoss des komplett neu konzipierten Gebäudes befinden sich sowohl Wasch- als auch Trockenräume, die durch die Mieter*innen genutzt werden können. Die Kellerräume können direkt mit dem Aufzug angefahren werden. Das ermöglicht eine barrierefreie Nutzung der Räumlichkeiten. „Unsere Mieterinnen und Mieter sparen dadurch Platz in den eigenen vier Wänden. Gleichzeitig wird das Risiko möglicher Wasserschäden durch eine defekte Waschmaschine reduziert. Eine klare Win-Win-Situation!“, so Junker.

Rund 1,7 Millionen Euro investiert

Die Gesamtkosten für den Teilrückbau und Umbau des Gebäudeensembles beliefen sich auf rund 1,7 Millionen Euro. Die WGF hat für das Projekt eine Abrissförderung in Höhe von 128.000 Euro erhalten. Der Restbetrag in Höhe von rund 1,6 Mio. Euro wurde aus Eigenmitteln finanziert.

Kathrin Mölneck

T +49 (335) 50468 - 10
F +49 (335) 50468 - 12
Friedhelm Boginski Vorstand Städteforum Berlin-Brandenburg
Dr. Heike Liebmann Bundestransferstelle Stadtumbau
Elfi HeeschAbteilungsleiterin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Silvio HagemannFachbereichsleiter Wohnen DKB Deutsche Kreditbank AG, Berlin
Dr. Wolfgang Schönfelder Leiter BBU-Landesgeschäftsstelle Potsdam
Kathrin MölneckLeiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus

BBU-Mitgliedsunternehmen