Gewohnt gut 04/2018

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

18.04.2018

Komfortwohnen im Plattenbau: Auszeichnung „Gewohnt gut“ geht im April nach Bernau bei Berlin

Nachhaltiger Stadtumbau mit Weitsicht: Mit ihrem Projekt „Komfortwohnen im Plattenbau“ hat die Wohnungsgenossenschaft „Einheit“ eG Bernau ein Beispiel für zukunftsweisendes Bauen geschaffen. Mit dem Einbau von Aufzügen und Kellerrampen sowie der Installation einer E-Bike-Ladestation im Bestand an der Weinbergstraße wird ein wichtiger Beitrag zur Aufwertung der Innenstadt im Milieuschutzgebiet geleistet. Dafür wird die Genossenschaft nun mit dem Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ ausgezeichnet.

Die „Gewohnt gut"-Jury zeichnet die barrierefreie Erschließung von 40 Wohneinheiten in dem Plattenbau-Typ „Hallenser Modell“ im ehemaligen Bernauer Sanierungsgebiet „Gründerzeitring“ aus. Die Strategie, 20 Prozent des genossenschaftlichen Wohnungsbestandes barrierearm auszurüsten, zeigt einen klaren Fokus: Die Herausforderungen des demografischen Wandels zu bewältigen und die Komfortbedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner in den Mittelpunkt zu stellen.

BBU-Vorstand Maren Kern gratuliert: „ Die ‚Einheit‘ eG Bernau zeigt mit diesem Projekt einmal mehr, dass Mitgliederbedürfnisse und Nachhaltigkeit die ganz wesentlichen Wegweiser für Genossenschaften sind. Denn trotz altersbedingter oder gesundheitlicher Einschränkungen möglichst lange ein selbst bestimmtes Leben im gewohnten Umfeld zu führen, ist der Wunsch vieler Menschen. Die ‚Einheit‘ eG Bernau macht genau das möglich. Damit leistet sie gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zu einem stabilen Kiezleben und zur Zukunftsfähigkeit ihrer Quartiere. Dieses herausragende Projekt wird heute sehr verdient mit dem Qualitätssiegel ‚Gewohnt gut – fit für die Zukunft’ prämiert.“

Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, sagt anlässlich der Vergabe des Siegels: „Eine große Herausforderung bei der zukünftigen Entwicklung der Städte ist der demographische Wandel.  Die Wohnungsunternehmen müssen ihre Bestände weiterentwickeln und an die Bedürfnisse der Menschen anpassen. Das heißt, die Voraussetzungen für generationsgerechtes Wohnen schaffen. Das ist gut für Singles, Familien und ältere Menschen. Dabei unterstützen wir die Städte und Wohnungsunternehmen mit gezielter Förderung. Die Strategie Stadtentwicklung und Wohnen vom August 2017 bietet dafür den Rahmen. Das heute ausgezeichnete Projekt der Wohnungsgenossenschaft ‚Einheit‘ eG Bernau ist beispielgebend für den Umgang mit Plattenbauten in anderen Städten.“

Oliver Mayrdorfer, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft „Einheit“ eG Bernau, freut sich über die Auszeichnung: „Frühzeitige und umfassende Kommunikation, sei es in Form einer Hausversammlung oder eines Gesprächs mit den Bewohnern, war der Schlüssel zum Erfolg dieses Projektes. Es wurde durch die große Akzeptanz unserer Mitglieder getragen und war der Startschuss unseres Investitionsprogrammes mit dem Ziel, 20 Prozent unseres Wohnungsbestandes barrierearm bzw. barrierefrei auszurüsten. Wir freuen uns, dass die ‚Gewohnt gut‘-Jury unser Engagement jetzt mit dieser Auszeichnung belohnt.“

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Für die Wohnungsunternehmen sind auch Stadterneuerung und Aufwertung zentrale Bestandteile des Stadtumbauprozesses. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungs-unternehmen e.V. aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft „Städteforum Land Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau Ost, der Deutschen Kreditbank AG (DKB) sowie dem MIL besteht.

„Komfortwohnen im Plattenbau“ dank Bernauer Genossenschaft 

Im ehemaligen Bernauer Sanierungsgebiet „Gründerzeitring“ hat die Wohnungsgenossenschaft „Einheit“ eG Bernau 40 Plattenbauwohnungen in der Weinbergstraße 46-49 durch den Anbau von Aufzugsanlagen und der Erneuerung der Treppenhäuser barrierefrei erschlossen. Die aufwändigen Sanierungsarbeiten im 1974 errichteten Wohngebäud des Typs „Hallenser Modell“ wurden im bewohnten Zustand mit großer Zustimmung der Bewohnerinnen und Bewohner durchgeführt. Die Schaffung von Ladestationen für E-Bikes im Zuge eines genossenschaftlichen Mobilitätskonzeptes runden dieses zukunftsweisende Projekt ab.

Dabei spielte die frühzeitige Kommunikation eine zentrale Rolle: Bereits drei Jahre vor der Sanierung der Bestände nutzte die Wohnungsgenossenschaft „Einheit“ Hausversammlungen, um in den direkten Dialog mit den Bewohnerinnen und Bewohnern zu treten und zu erfragen, welche Kritierien im Zuge einer geplanten Sanierung den Bewohnern besonders wichtig sind. Die Antwort war eindeutig: Der Abbau von baulichen Barrieren. Mit ganz oben auf der Agenda: Der Anbau einer Aufzugsanlage. „Dieser enge und zielorientierte Dialog mit den Mitgliedern hat sich in jeder Hinsicht bewährt“, so „Einheit“-Geschäftsführer Oliver Mayrdorfer.

Die halbgewendelten Treppenhäuser des Plattenbau Typs „Hallenser Modell“ stellten die Verantwortlichen der „Einheit“ eG bei der Planung des Aufzuganbaus jedoch vor eine besondere Herauforderung: Denn das Vorstellen der Aufzugtürme ohne eine Anpassung der Treppenhäuser hätte dazu geführt, dass die Wohnungsebenen nicht hätten direkt angefahren werden können und der Aufzug jeweils auf halber Höhe zwischen den Etagen gehalten hätte. Der Vorstand fasste deshalb den Entschluss, die Bestandsfassade im Bereich der Treppenhäuser zu öffnen und die vorhandenen Treppenhäuser durch neue, gerade Treppenläufe zu ersetzen. Dadurch konnten alle 40 Wohnungen barrierefrei erschlossen werden. Die gesamten Arbeiten an dem Gebäude fanden im bewohnten Zustand statt. Ausschließlich für die De- und Montagearbeiten der Treppenhäuser war das Gebäude für drei Tage nicht bewohnbar. Die dafür notwendige Planung und Abstimmung mit den Bewohnerinnen und Bewohnern erfolgte über einen Zeitraum von rund zwölf Monaten.

Für ein selbstbestimmtes Leben sind die Themen „Wohnen“ und „Mobilität“ immer wichtiger. Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde daher auch ein Mobilitätskonzept nach den Vorstellungen der Bewohnerinnen und Bewohner erarbeitet. Ein Punkt dabei: Der Bau eines neuen Parkplatzes, der mit rund 30 PKW-Stellplätzen jetzt zu einer deutlichen Entspannung der Parklplatzsituation im gesamten Quartier beiträgt. Der Bau von neuen Kellerrampen sowie von Ladestationen für E-Bikes sind weitere Bestandteile des Projekts.

Pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohnern steht die in unmittelbarer Nachbarschaft ansässige ambulante Pflegestation des genossenschaftlichen Kooperationspartners „Hoffnungstaler Stiftung Lobetal“ zur Verfügung. Hier erhalten sie bei Bedarf individuelle Betreuungsleistungen sowie seniorenspezifische Hilfen im Haushalt. Diese gelungene Kooperation wurde bereits bei den BBU-ZukunftsAwards 2017 mit dem ersten Platz ausgezeichnet.

Mehr als eine Millionen Euro investiert

Die Gesamtbaukosten für die barrierefreie Modernisierung und Neugestaltung der Außenanlagen beliefen sich auf rund 1,3 Millionen Euro. Das genossenschaftliche Projekt erhielt einen Zuschuss in Höhe von 600.000 Euro durch das Land Brandenburg. Der Restbetrag in Höhe von 660.000 Euro wurde aus Eigenmitteln finanziert.

Enrico Thiel

T +49 (30) 89781 - 126
F +49 (30) 89781 - 4126
Elfi HeeschMinisterium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Dr. Heike Liebmann Bundestransferstelle Stadtumbau
Friedhelm Boginski Städteforum Brandenburg
Silvio Hagemann DKB Deutsche Kreditbank AG, Berlin
Kathrin Mölneck BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus
Dr. Wolfgang Schönfelder BBU-Landesgeschäftsstelle Potsdam

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