Gewohnt gut 06/2017

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

21.06.2017

„Gewohnt gut“ geht im Juni nach Lauchhammer

Die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft (GWG) Lauchhammer eG sichert für ihre Mitglieder das selbstbestimmte Wohnen im Alter. Drei modern hergerichtete Wohngemeinschaften mit jeweils acht Einzelzimmern und einer Gemeinschaftsküche werden durch Geschäftsräume für einen Pflegedienst im Erdgeschoss ergänzt. Für diese altersgerechte Infrastruktur im Stadtzentrum Lauchhammers wird das Unternehmen vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. im Juni 2017 mit dem Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ ausgezeichnet.

Die „Gewohnt gut"-Jury zeichnet den altersgerechten Umbau eines Bestandsgebäudes aus. Dazu hat die GWG zwei Eingänge eines viergeschossigen Wohnblocks zusammengelegt und drei Wohngemeinschaften und mehrere Gemeinschaftsräume vertikal angeordnet. Zusammen mit dem im Erdgeschoss vorgesehenen Pflegedienst erreicht die GWG Lauchhammer nicht nur eine Anpassung ihres Bestands an die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner, sondern macht sich auch attraktiv für neue Mitglieder. In Zusammenarbeit mit der GWG mit der Gesellschaft für Seniorendienste (GSD) Berlin-Brandenburg wird das Prinzip „Ambulant vor Stationär“ in Lauchhammer mit Leben erfüllt.

BBU-Vorstand Maren Kern gratuliert zu der Auszeichnung: „Für viele Wohnungsunternehmen stellt sich die Herausforderung, langjährige Mieterinnen und Mieter auch im Alter mit adäquatem Wohnraum zu versorgen. Die GWG Lauchhammer reagiert mit der Umwandlung ihres Bestands und der Koope-ration mit der GSD vorbildlich auf den steigenden Bedarf an altersgerechten Wohnkonzepten. Durch den Einbau einer modernen Brennwert-Heizungsanlage mit Solarkomponente und einer Fußbodenhei-zung hat sie dabei nicht nur konzeptionell, sondern auch technisch zeitgemäße Antworten gefunden.“

Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, sagte anlässlich der Vergabe des Siegels: „Auch in Brandenburg gibt es immer mehr ältere Menschen. Ich freue mich, dass die brandenburgischen Wohnungsunternehmen diese Herausforderung annehmen und mit einem entsprechenden Wohnungsangebot reagieren. Der GWG Lauchhammer ist mit diesem Projekt Beispielhaftes gelungen. Es wird Bewohnerinnen und Bewohnern ermöglicht, auch im Alter in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben. Hier wurde nicht nur barrierefreier Wohnraum geschaffen, sondern es entstanden durch die Kombination von Einzelzimmern und Gemeinschaftsräumen zugleich auch Rückzugs- und Begegnungsorte. Mit dem Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wollen wir solche Projekte würdigen und andere Wohnungsunternehmen zum Nachahmen ermutigen.“

Jörg Gärtner, Geschäftsführender Vorstand der GWG Lauchhammer, freut sich über die Ehrung. „Für uns stand der Gedanke eines selbstbestimmten Lebens im Alter im Mittelpunkt. Diese Idee haben wir nun mit unseren neuen Wohngemeinschaften umgesetzt, wo die Bewohnerinnen und Bewohner im Sinne einer Selbstverwaltung über den Umfang der benötigten Pflegeleistungen oder die Besetzung der Wohngemeinschaft entscheiden. Dieses Engagement bestätigt unser Konzept. Die heutige Würdigung der ‚Gewohnt gut‘-Jury freut uns zusätzlich!“

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Für die Wohnungsunternehmen sind auch Stadterneuerung und Aufwertung zentrale Bestandteile des Stadtumbauprozesses. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungs-unternehmen e.V. aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft „Städteforum Land Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau Ost, der Deutschen Kreditbank AG (DKB) sowie dem MIL besteht.

Selbstbestimmtes Wohnen im Alter in der Seniorenwohngemeinschaft

Um den Bedürfnissen ihrer älter werdenden Mitgliedschaft zu begegnen und ihrem Wunsch gerecht zu werden, weiterhin selbstbestimmt und im angestammten Umfeld wohnen zu können, wurde die GWG Lauchhammer eG aktiv: Sie gestaltete einen viergeschossigen Wohnblock in bester Innenstadtlage um und richtete ihn als Wohnhaus für drei Wohngemeinschaften für je acht Seniorinnen und Senioren her. Diese agieren selbstverwaltet und entscheiden eigenständig über ihre Belange.

Die Idee zur Seniorenwohngemeinschaft kam durch den hohe Anteil von Älteren unter den Mitgliedern der GWG Lauchhammer, sagt der Geschäftsführende GWG-Vorstand Jörg Gärtner. Dem Unternehmen war bewusst, dass der Bedarf an altersgerechtem Wohnraum in Südbrandenburg weiter steigen wird. Zugleich stehen in Lauchhammer rund 20 Prozent der Wohnungen der Genossenschaft leer. „Auch der Wohnblock der jetzigen Seniorenwohngemeinschaft war so ein Fall“, berichtet Jörg Gärtner. „Er bestand vor allem aus Vier-Raum-Wohnungen, die mit ihrem Schnitt nicht zu den heutigen Bedürfnissen passten und deshalb kaum zu vermieten waren.“

Einzelzimmer mit Gemeinschaftsräumen statt Vier-Raum-Wohnungen

Deshalb entschied man sich zu einem Umbau in zwei Bauabschnitten, der die Aufteilung des Hauses vollkommen änderte: Die zwei ursprünglich existierenden Hauseingänge wurden zusammengelegt und der neue Aufgang mit einem innenliegenden Aufzug versehen. Die Vier-Raum-Wohnungen wurden aufgelöst, an ihre Stelle traten auf jeder Etage acht Einzelzimmer und mehrere Gemeinschaftsräume sowie Gemeinschaftsküchen. Hier haben die Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen oder sich zurückzuziehen. Die Bäder erhielten einen behindertengerechten Standard, außerdem wird das gesamte Haus nun mittels einer Brennwert-Heizungsanlage mit Solarkomponente versorgt. „Die Wohnungen erfüllen die Bedürfnisse der Mitglieder und sind modern ausgestattet“, zieht Jörg Gärtner Bilanz. „Wir haben aber nicht nur das Innenleben des Hauses, sondern auch die Außenanlagen umgestaltet. Damit bieten wir unseren Seniorinnen und Senioren ein Zuhause, in dem sich rundum wohlfühlen können.“

Betreuung und Beratung direkt vor Ort

Um sich aber nicht nur räumlich, sondern auch konzeptionell auf die Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren einzustellen, holte man sich mit der GSD einen Profi im Bereich Pflege an die Seite. Gemeinsam wurde ein Konzept erstellt und der Plan entwickelt, einen Pflegedienst im Erdgeschoss anzusiedeln. Damit haben die Mitglieder zukünftig Betreuung und Beratung direkt vor Ort. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des GSD bieten bereits jetzt verschiedene Aktivitäten an und bringen ihre Pflegekompetenz ein, vor allem bei der Betreuung von Demenzerkrankten. „Wir merken, dass wir mit unserem Ansatz einen Nerv getroffen haben. Alle Wohnungen waren sofort vermietet, inzwischen haben wir eine Warteliste“, so Jörg Gärtner zum Erfolg des ausgezeichneten Projekts. 

Fast zwei Millionen Euro investiert

Die Gesamtbaukosten des Projektes belaufen sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Davon hat die GWG Lauchhammer mit einer Million Euro den größten Teil aus Eigenmitteln selbst aufgebracht, der Rest der Summe wurde über ein KfW-Darlehen finanziert.

Bertram Schwarz

T +49 (30) 89781 - 132
F +49 (30) 89781 - 4132
Friedhelm Boginski Vorstand Innenstadtforum Land Brandenburg
Dr. Heike Liebmann Bundestransferstelle Stadtumbau Ost
Kathrin Mölneck Leiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus
Elfi HeeschAbteilungsleiterin Stadtentwicklung und Wohnungswesen beim Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Silvio HagemannFachbereichsleiter Wohnen DKB Deutsche Kreditbank AG, Berlin

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