Gewohnt gut 05/2017

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

03.05.2017

„Gewohnt gut“ geht im Mai nach Pritzwalk

„Barrierefreies Wohnen für alle Generationen“ ist mitten im Zentrum Pritzwalks möglich geworden. Der Neubau der Wohnungsbaugesellschaft mbH Pritzwalk fügt sich als gelungener Lückenschluss hervorragend in den historischen Stadtkern Pritzwalks ein und erfüllt zugleich die hohen Anforderungen an rollstuhlgerechten Wohnraum. Dafür wird das Unternehmen vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. und dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung im Mai 2017 mit dem Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ ausgezeichnet.

Die „Gewohnt gut"-Jury zeichnet den Neubau eines Wohngebäudes aus, mit dem die WBG Pritzwalk im Jahr 2016 eine zuvor ungenutzte Baulücke in der Innenstadt geschlossen hat. Entstanden sind sechs modern ausgestattete, generationengerechte Wohnungen auf drei Etagen. Durch einen rollstuhlgerechten Aufzug und automatische Türen ist das Haus komplett barrierefrei, sodass auch Mieter mit körperlichen Einschränkungen alle Ebenen mühelos erreichen können. Rollstuhlgerecht sind auch fünf der sechs Wohnungen und erfüllen damit besonders hohe Standards.

BBU-Vorstand Maren Kern zu den Gründen der Auszeichnung: „Der teilweise denkmalgeschützte Stadtkern in unmittelbarer Nachbarschaft des Projekts stellt einen hohen städtebaulichen Anspruch, dem die WBG Pritzwalk mit ihrem Lückenschluss optimal gerecht geworden ist. Die traditionelle Ziegelbauweise in Kombination mit einer hochmodernen Wärmeversorgung machen die sechs Ein- bis Dreiraumwohnungen für alle Generationen attraktiv und trägt auf diese Weise dazu bei, den Wohnungsbestand in Pritzwalk zukunftsfest zu machen.“

Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, sagte anlässlich der Vergabe des Siegels: „Der Bedarf an generationsgerechten Wohnungen steigt auch in der Prignitz. Daher ist auch der Neubau von barrierefreien Wohnungen eine Antwort auf die demografische Entwicklung. Beispielhaft für eine generationengerechte Stadt- und Wohnraumentwicklung im Land Brandenburg ist dieser Neubau auch, weil hier besonders hohe Baustandards, wie Barrierefreiheit und eine moderne Haustechnik mit Erdwärme-Versorgung und aktiver Wäremerückgewinnung umgesetzt wurden. Es trägt dazu bei, dass sich junge und ältere Menschen in der Pritzwalker Innenstadt wohl- und zuhause fühlen, was für die Entwicklung der Stadt eine große Bedeutung hat.“

Ellen Prill, Geschäftsführerin der WBG Pritzwalk, freut sich über die Ehrung. „Dieses Objekt ist unser erster Neubau seit vielen Jahren. Für uns war klar, dass breite Türen und fehlende Schwellen Eltern mit ihren Kindern genauso zu Gute kommen wie jenen Bewohnern, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Die Würdigung der ‚Gewohnt gut‘-Jury macht uns stolz und ist eine großartige Bestätigung unserer Arbeit!“

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Für die Wohnungsunternehmen sind auch Stadterneuerung und Aufwertung zentrale Bestandteile des Stadtumbauprozesses. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft „Städteforum Land Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau Ost, der Deutschen Kreditbank AG (DKB) sowie dem MIL besteht.

Neubau mit barrierefreiem Wohnen für alle Generationen im Stadtkern

Für die Wohnungsbaugesellschaft Pritzwalk war Neubau über viele Jahre hinweg kein Thema. Nachdem bisher eher Rückbau und Modernisierung im Fokus standen, wurde nun wieder in neuen Wohnraum investiert – und dies auf eine besondere Weise. Denn hinter der historisch anmutenden Fassade verbirgt sich ein hochmodernes Wohnhaus. Das bietet nun sechs Mietparteien ein Zuhause, das für sämtliche Eventualitäten vorbereitet ist.

Dass sich rollstuhlgerechtes Bauen nicht nur auf die Einrichtung entsprechend breiter Türen und schwellenfreier Bäder beschränkt, erzählt Ellen Prill mit spürbarem Stolz auf das Erreichte. „Die Türen im Haus öffnen automatisch, Fenster sind tiefer angeordnet und vor jeder Wohnung gibt es eine Lademöglichkeit für Elektro-Rollstühle“, zählt die Geschäftsführerin der WBG Pritzwalk nur einige der Aspekte auf, die dafür relevant sind. Fünf der sechs Wohnungen im neugebauten Objekt in der Pritzwalker Grünstraße erfüllen damit den besonders hohen Standard der „DIN 18040-2 R-Anforderungen“, der noch deutlich über die normale Barrierefreiheit hinausgeht und weit über den Vorgaben der Brandenburger Bauordnung liegt. Ellen Prill ist überzeugt davon, dass davon auch Familien profitieren und wird darin durch die aktuelle Mieterschaft bestätigt. Das Haus ist mit seinen Zwei- und Dreiraumwohnungen sowie einer Einraumwohnung ein Angebot an alle Generationen.

Moderner Neubau mit historischer Fassade

Dabei mutet das Objekt von der Straßenseite an wie ein Altbaugebäude, genauer – wie zwei: Denn um die kleinteilige historische Bebauung nachzuempfinden, wurde der neue Lückenschluss bei der Fassaden- und Dachgestaltung optisch in zwei Häuser aufgeteilt. Ellen Prill erklärt die Idee: „Als kommunales Wohnungsunternehmen sehen wir uns in der Verantwortung, einen Beitrag zur städtebaulichen Entwicklung Pritzwalks zu leisten. Deshalb war es uns wichtig, den Neubau so zu gestalten, dass er sich in das historische Umfeld einfügt.“ Das ist der WBG hervorragend gelungen: Während sich Besucher von außen vor zwei liebevoll sanierten Objekten wähnen, die zur selben Zeit entstanden sind wie ihr teilweise denkmalgeschütztes Umfeld, merkt man innen von all dem nichts. Hier gehen Wohnungen und Flure nahtlos ineinander über. Natürlich ist auch die Haustechnik einheitlich und mit Erdwärme-Versorgung und aktiver Wäremerückgewinnung auf dem neuesten Stand.

Barrierefrei Wohnen mitten im Zentrum

Die Lage im unmittelbaren Zentrum Pritzwalks ist nicht nur archtitektonisch spürbar, sondern bedeutet für seine neuen Bewohner auch kurze Wege. In unmittelbarer Umgebung befinden sich die Bibliothek und das von der WBG betriebene Kulturhaus, in dem von Kindertanzkursen über Bowling-Turniere bis zum Senioren-Kino ein abwechslungsreiches Programm geboten wird, wie Ellen Prill erzählt. Auch hier ist also der generationenübergreifende Ansatz zu spüren, von dem nun auch die Mieter in der Grünstraße profitieren. Dieses Engagement macht die WBG nicht nur in Sachen Wohnen zu einem wichtigen Anlaufpunkt und verdeutlicht, wie sehr sich das Unternehmen mit der Stadt Pritzwalk und seinen Bewohnern identifziert.

Mehr als eine Millionen Euro investiert

Die Gesamtbaukosten des Projektes belaufen sich auf 1,2 Millionen Euro. Davon hat die WBG Pritzwalk mit rund 600.000 Euro etwa die Hälfte aus Eigenmitteln selbst aufgebracht und den Rest der Summe über ein Bank-Darlehen finanziert.

Bertram Schwarz

T +49 (30) 89781 - 132
F +49 (30) 89781 - 4132
Friedhelm Boginski Vorstand Innenstadtforum Land Brandenburg
Dr. Heike Liebmann Bundestransferstelle Stadtumbau Ost
Kathrin Mölneck Leiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus
Rita Werneke Referatsleiterin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Silvio HagemannFachbereichsleiter Wohnen DKB Deutsche Kreditbank AG, Berlin

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