Gewohnt gut 03/2017

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

15.03.2017

„Gewohnt gut“ geht im März nach Spremberg

Die Spremberger Wohnungsbaugenossenschaft eG (SWG) hat mit dem Rückbau, der umfassenden Sanierung und der Umgestaltung des Wohngebietes „Innenstadt“ ein attraktives, generationenübergreifendes und demografiefestes Wohnquartier in zentraler Lage geschaffen. Dafür wird das Unternehmen vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V.  und dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung im März 2017 mit dem Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ ausgezeichnet. Es ist bereits die zweite Ehrung der Genossenschaft nach der Vergabe des Preises im November 2012 für den Umbau einer alten Schule zu generationsgerechtem Wohnraum.

BBU-Vorstand Maren Kern erläutert die Auszeichnung: „In Spremberg wird der Bevölkerungsverlust auch in den nächsten Jahren weitergehen. Bis 2030 wird ein Rückgang von gut 16 Prozent prognostiziert. Gleichzeitig wird der Anteil der über 65-Jährigen um rund 30 Prozent steigen. Diese Entwicklung stellt die SWG und die Stadt Spremberg vor große Herausforderungen. Das Unternehmen leistet mit der Umrüstung ihrer Wohnungsbestände einen wichtigen Beitrag, um den Auswirkungen des demografischen Wandels zu begegnen.“

Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, begründet die Vergabe des Siegels: „Die heutige Auszeichnung ist ein gelungenes Beispiel, wie wir uns Stadtentwicklungspolitik vorstellen. Einer älter werdenden Bevölkerung setzt die SWG ein durchdachtes Konzept der Quartiersentwicklung entgegen. Durch die Umbaumaßnahmen gewinnen die Bestandswohnungen nicht nur an Attraktivität, sie wurden auch teilweise barrierefrei umgestaltet. Das Quartier in der Töpfer-/Kant-/Schloßstraße bietet modernen Wohnraum für alle Generationen, der gleichzeitig bezahlbar ist.“

André Zink, Vorstand der SWG, freut sich über die erneute Ehrung. „Seit dem Umbau gibt es so gut wie keinen Leerstand mehr im Quartier. Für uns eine Bestätigung, dass die Umgestaltung mietergerecht und gelungen ist. Die Würdigung der ‚Gewohnt gut‘-Jury erfüllt uns nun mit zusätzlichem Stolz!“

Das Bewertungsgremium von „Gewohnt gut" ehrt Umbau, Rückbau und Sanierung von fünf Plattenbauten mit Baujahr 1989 nahe dem Spremberger Markt. Entstanden sind 130 generationengerechte Wohnungen auf einer Gesamtwohnfläche von knapp 8.000 Quadratmetern, 40 davon rollstuhlgerecht. Durch den Einbau von Aufzügen in sieben von insgesamt zwölf Aufgängen wurden 70 Wohnungen barrierefrei zugänglich gemacht. Neben dem Anbau von Balkonen wurde auch das Wohnumfeld neu gestaltet, ein Spielplatz sowie PKW-Stellplätze gebaut.

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird sechsmal jährlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Für die Wohnungsunternehmen sind auch Stadterneuerung und Aufwertung zentrale Bestandteile des Stadtumbauprozesses. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft „Innenstadtforum Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau Ost sowie dem MIL besteht.

Fotos: BBU

Die SWG Spremberg berichtet zum Projekt:„Aktivierung eines Innenstadtquartiers“

Da das Quartier in Plattenbauweise in der Töpfer-/Kant-/Schloßstraße trotz zentraler Lage nahe dem Markt stark von Leerstand betroffen war, erarbeitete die Spremberger Wohnungsbaugenossenschaft eG (SWG) ein Konzept für dessen Entwicklung. Dank umfassender Sanierung, Umbau und teilweisem Rückbau ist heute ein demografiefestes, attraktives und zukunftsorientiertes Wohnviertel entstanden, das sehr gut von den Mieterinnen und Mietern angenommen wird.

Unzeitgemäße Grundrisse, Defizite bei der Ausstattung und energetischem Standard sollten verändert und beseitigt und gleichzeitig neue Wohnungsangebote für alle Generationen geschaffen werden. „Unsere Genossenschaft wollte erreichen, dass die Mieterinnen und Mieter sich mit dem Quartier identifizieren und ein echtes Wir-Gefühl entwickeln“, erläutert André Zink, Vorstand der SWG die Zielsetzung des Projektes.

Umfassende Baumaßnahmen in fünf Abschnitten

Nach dem Baustart im April 2003 erstreckten sich die Baumaßnahmen über insgesamt zwölf Jahre bis zum August 2015. In fünf Bauabschnitten wurden neben dem Abriss eines der  sechs Gebäude des Quartiers mit 30 Wohnungen dann in der Töpferstraße 1/2, Schloßstraße 1/2, Töpferstraße 3/4, Kantstraße 8-10 und Kantstraße 5-7 saniert und umgebaut. „Es wurden besonders barrierefreie und barrierearme Wohnungen von unseren Mieterinnen und Mietern nachgefragt, deshalb haben wir in sieben von den zwölf Aufgängen Aufzüge eingebaut“, erklärt André Zink. 70 der 130 Wohnungen  sind so barrierefrei zugänglich geworden, was nicht nur von den Senioren, sondern auch von Familien mit Kindern geschätzt wird. Zusätzlich gestaltete die SWG 40 Wohnungen rollstuhlgerecht um.

Um die Attraktivität zu erhöhen, gestaltete die Genossenschaft die Grundrisse von insgesamt 70 Wohnungen neu. Es wurden Balkone oder Erker-Türme angebaut, Badezimmer vergrößert und die Küchen geöffnet. Zink: „Hier hat sich wieder einmal gezeigt, wie flexibel die Platte sein kann. Grundrissänderungen und die Nachrüstung von Aufzügen sind bei dieser Bauweise relativ unkompliziert umzusetzen.“ Im Außenbereich wurde ein neuer Spielplatz errichtet und weitere PKW-Stellplätze geschaffen. „Außerdem haben wir die Fassade, die den Eingang des Quartiers markiert, neu gestaltet. Den Giebel der Kantstraße 5 ziert jetzt ein Gemälde unserer Lausitzstadt. So hat das ‚Wohngebiet Innenstadt‘ ein Gesicht bekommen, was auch die Identifikation der Bewohner mit ‚ihrem Quartier‘ stärkt“, so Zink weiter. „Den Umbaumaßnahmen standen viele Mieterinnen und Mieter zunächst skeptisch gegenüber. Das hat sich nun glücklicherweise geändert. Die meisten sind wieder zurückgezogen. Das spricht für ein erfolgreiches Projekt!“

Durch den Einbau von neuen Fenstern mit Wärmeschutzverglasung, vor allem aber umfangreiche Dämmmaßnahmen an Fassaden, Decken, Sockel und  Drempel wurde ein hoher energetischer Standard erreicht. So können nicht nur niedrige Betriebskosten erreicht werden, auch der Umweltaspekt wurde berücksichtigt. Um die Fauna im Quartier lebendig zu halten, hat die SWG außerdem Nistmöglichkeiten für Mauersegler geschaffen.

Fast sechs Millionen Euro investiert

Die Gesamtbaukosten des Projektes belaufen sich auf 5,8 Millionen Euro. Davon hat die SWG rund 1,5 Millionen Euro aus Eigenmitteln aufgebracht,  der Rest der Summe wurde über ein Darlehen finanziert. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau förderte mit rund 2,7 Millionen Euro, die Investitionsbank des Landes Brandenburg  mit 1,1 Millionen.

Mieke Eschment

T +49 (30) 89781 - 126
F +49 (30) 89781 - 4126
Friedhelm Boginski Vorstand Innenstadtforum Land Brandenburg
Dr. Heike Liebmann Bundestransferstelle Stadtumbau Ost
Kathrin Mölneck Leiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus
Rita Werneke Referatsleiterin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Silvio Hagemann Fachbereichsleiter Wohnen DKB Deutsche Kreditbank AG, Berlin

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