Gewohnt gut 09/2015

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Die Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturminister Rainer Genilke.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

14.09.2015, 02:00 Uhr

„Gewohnt gut“ geht im September nach Eisenhüttenstadt

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ geht im September an die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft eG (EWG). Nach 2009, 2011 und 2013 kann das Unternehmen die begehrte Auszeichnung nun schon zum vierten Mal für sich beanspruchen. Mit dem Projekt „Wohnen am Oder-Spree-Kanal“ wird heute eine umfassende Umgestaltung eines Plattenbaus prämiert.

„Die EWG macht sich seit vielen Jahren in hohem Maße verdient um die Stadtentwicklung in Eisenhüttenstadt. Das Projekt „Wohnen am Oder-Spree-Kanal“ legt ein beredtes Zeugnis darüber ab. Der alte Plattenbau ist nicht mehr wiederzuerkennen, hier ist ein architektonisches Schmuckstück entstanden, das das Stadtbild deutlich aufwertet. Das Unternehmen hat bewiesen, dass man einen Plattenbau modern, energiesparend und zukunftsfähig umgestalten kann und damit die erneute Auszeichnung mehr als verdient“, erläutert BBU-Vorstand Maren Kern die Entscheidung des Bewertungsgremiums.

Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg und Schirmherrin des Qualitätssiegels: „Die EWG tritt mit diesem Projekt den Beweis an, dass Stadtentwicklung nicht gleichbedeutend mit Abriss ist. Aufwertung im Bestand ist eine ebenso wichtige wie wirkungsvolle Strategie gegen Leerstand. Die entstandenen Wohnungen sind durch die Vielfältigkeit der Grundrisse und die baulichen Maßnahmen zur Barrierefreiheit nicht nur generationengerecht, sondern weisen auch einen hohen energetischen Standard auf. Gemeinsam mit der Tatsache, dass auch nach der Sanierung noch moderate Mieten angeboten werden, macht dies ‚Wohnen am Oder-Spree-Kanal“ zu einem Vorzeigeprojekt.“

Verena Rühr-Bach, Vorstandsvorsitzende der EWG: „Trotz weiterer Bevölkerungsverluste bedarf es der Stärkung des innerstädtischen Wohnens in Eisenhüttenstadt. Dabei gehen wir auch architektonisch neue Wege. Im Ergebnis zeigt sich am Oder-Spree-Kanal eine sinnvolle Ergänzung unserer Bestände. Die Ehrung mit ‚Gewohnt gut‘ ist wieder eine wichtige Bestätigung für unsere Arbeit und motiviert zu weiteren Projekten!“

Das „Gewohnt gut"-Bewertungsgremium ehrt die Umgestaltung des zweiten von vier Bauabschnitten des Wohnquartiers „Wohnen am Oder-Spree-Kanal“. Durch Umbau, Rückbau, Erweiterung, Sanierung und Modernisierung sind 67 moderne Wohnungen nach Richtlinie eines KfW-Effizienzhauses 85 entstanden. Drei Wohnungen sind barrierefrei, eine rollstuhlgerecht nach DIN ausgestattet. Zusätzlich wurden die Außenanlagen neu gestaltet, Fahrradabstellräume angebaut sowie eine neue PKW-Stellplatzanlage.

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird monatlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Für die Wohnungsunternehmen sind auch Stadterneuerung und Aufwertung zentrale Bestandteile des Stadtumbauprozesses. Über die Preisvergabe entscheidet ein Bewertungsgremium, das neben dem BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft „Innenstadtforum Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau Ost sowie dem MIL besteht.

Wandlungsfähige Platte

Sanierungsbedürftig und von Leerstand betroffen, so präsentierte sich der Plattenbau aus den 1970er Jahren An der Schleuse 51-57 vor der Umgestaltung. Nach nur 14 Monaten Bauzeit hat die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft eG (EWG) hier attraktiven, generationengerechten Wohnraum geschaffen, der energetisch auf dem neuesten Stand ist. Dafür ist das Unternehmen im September 2015 mit dem Qualitätssiegel „Gewohnt gut“ ausgezeichnet worden.

„Ende 2011 hat sich uns die Frage gestellt, wie wir mit dem Objekt verfahren wollen. Auch Abriss war eine der möglichen Optionen. Die Argumente für den Erhalt haben letztendlich überzeugt: Das Wohnquartier ist sehr schön am Oder-Spree-Kanal gelegen, mit der Möglichkeit zum Wandern oder Radfahren. Außerdem bietet ein Plattenbau vielfältige Möglichkeiten zum Umbau. Und: Wohnungen in sanierten Plattenbauten sind gefragt bei unseren Mitgliedern!“, erläutert Verena Rühr-Bach, Vorstandsvorsitzende der EWG, den Anstoß zur Umgestaltung.

Gebäude im neuen Gewand

Das Gebäude wurde nicht nur komplett entkernt und die Grundrisse neu angelegt, es wurden außerdem die beiden äußeren Hausaufgänge sowie zwei Segmente im 5. Obergeschoss abgerissen. Dafür entstanden zwei Penthouse-Wohnungen. Insgesamt wurde so die Anzahl der Wohnungen von 96 auf 67 reduziert. Zusätzlich wurde ein neuer Aufzug installiert und größere Loggien sowie beheizbare Erker zur Wohnraumerweiterung angebaut. „Mit der neuen Fassadengestaltung ist das Gebäude ein echter Exot. Die Pläne für die Umgestaltung haben wir gemeinsam mit unserem Architekten entwickelt“, erklärt Rühr-Bach.

Im Erdgeschoss befinden sich drei barrierefreie Wohnungen sowie eine rollstuhlgerechte nach DIN. „Die anderen Wohnungen sind barrierearm. Das ganze Gebäude ist somit generationengerecht. Junge Familien wohnen hier Tür an Tür mit Senioren. Wir haben eine gut funktionierende Hausgemeinschaft“, so Rühr-Bach zur Struktur der Mieterschaft. 

Alle Wohnungen sind jetzt mit Fußbodenheizung und moderner Lüftungsanlage ausgestattet und beziehen dank des Anschlusses eines Hybridkabels Fernsehen, Radio, Telefon und Internet aus einer Dose. Durch die neue Wärmedämmverbundsystem-Fassade, den neuen Dachaufbau mit Wärmedämmung und Abdichtung und die dreifach verglasten Fenster entspricht das Gebäude einem KfW-Effizienzhaus 85.

3,7 Millionen Euro Eigenkapital investiert

Die Gesamtbaukosten des Projektes belaufen sich auf insgesamt rund 7,4 Millionen Euro. Die Hälfte der Summe hat das Unternehmen dabei aus Eigenmitteln aufgebracht. Der restliche Betrag wurde über Fördermittel des Bundes in Form von den KfW-Programmen 141 „Wohnraum Modernisieren“, 151 „Energieeffizient Sanieren“ und 155 „Altersgerecht Umbauen“ finanziert. „Trotz der Fördermittel waren die Investitionskosten noch sehr hoch“ erläutert Rühr-Bach, „durch gutes Wirtschaften und die Einsparung von Heiz- und Warmwasserkosten durch die energetische Ertüchtigung können wir am Ende aber trotzdem bezahlbare Warmmieten anbieten und damit unserer sozialen Verantwortung gerecht werden. Mit dem Projekt haben wir bewiesen: Eine gute Lage und attraktive Wohnungsausstattung müssen nicht im Widerspruch zu bezahlbaren Mieten stehen.“

Kathrin Mölneck

T +49 (335) 50468 - 10
F +49 (335) 50468 - 12
Friedhelm BoginskiVorstand Innenstadtforum Land Brandenburg
Dr. Heike LiebmannBundestransferstelle Stadtumbau Ost
Kathrin MölneckLeiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus
Jürgen SchweinbergerAbteilungsleiter im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg

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