Gewohnt gut 05/2015

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

06.05.2015, 02:00 Uhr

„Gewohnt gut“ geht im Mai nach Strausberg

Im vergangenen Juni hat die Wohnungsbaugenossenschaft „Aufbau“ Strausberg eG (WBG „Aufbau“ Strausberg eG) in der Gustav-Kurtze-Promenade das bislang größte Sonnenhaus Deutschlands fertiggestellt. Dafür wird das Unternehmen jetzt mit dem Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ ausgezeichnet.

Als Sonnenhaus wird ein Objekt bezeichnet, das mehr als 50 Prozent solare Deckung an Warmwasser und Heizwärme aufweist und bei der Zuheizung nur auf regenerative Energiequellen zurückgreift. Die Erfüllung der Standards wird durch den Verein „Sonnenhaus-Institut“ überprüft, dessen Mitglieder Solar- und Heizungstechnikexperten sowie Architekten sind.

„Dass die WBG „Aufbau“ Strausberg eG als relativ kleines Unternehmen ein Projekt in dieser Größenordnung umgesetzt hat, ist wirklich beachtlich. Das Sonnenhaus ist sehr innovativ und ein echtes Vorzeigeprojekt für die Stadt. Ich gratuliere der Genossenschaft ganz herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung“, äußert sich BBU-Vorstand Maren Kern zur Vergabe des Qualitätssiegels.

Katrin Lange, Staatssekretärin im Infrastrukturministerium des Landes Brandenburg begründet die Auszeichnung: „Das Strausberger Sonnenhaus ist ein gutes Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung. Durch den kombinierten Einsatz einer Solarthermie-Anlage und einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe können CO2-Emmissionen deutlich gesenkt werden. Und das Sonnenhaus ist auch ein Beispiel für den energetischen Umbau im Quartier. Vorhaben der Stadtentwicklung werden dabei mit der klimafreundlichen Erzeugung von Wärme kombiniert. Projekte dieser Art tragen dazu bei, dass die Energiewende gelingt.“

„Dieses Projekt ist kein Haus von der Stange. Wir haben innovative Technologien eingesetzt, die nicht nur der Umwelt sondern auch dem Geldbeutel unserer Mitglieder zugutekommen. Darüber hinaus war uns wichtig, dass Menschen jeder Generation unter einem Dach wohnen können. Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Die Auszeichnung mit ‚Gewohnt gut‘ ist daher eine großartige Bestätigung für unseren Einsatz“, so Frank Wessel, Technischer Vorstand der WBG „Aufbau“ Strausberg eG.

Die ‚Gewohnt gut‘-Jury ehrt den Neubau eines viergeschossigen Mehrfamilienhauses. Neben 17 Wohnungen ist auch der Geschäftssitz der Genossenschaft untergebracht. Die fünf Wohnungen im Erdgeschoss sind barrierefrei konzipiert. Das Gebäude entspricht den Kriterien des KfW-Effizienzhaus 55.

Das Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ wird monatlich vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. vergeben und steht unter der Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden: Für die Wohnungsunternehmen sind auch Stadterneuerung und Aufwertung zentrale Bestandteile des Stadtumbauprozesses. Über die Preisvergabe entscheidet eine Jury, die neben dem BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft „Innenstadtforum Brandenburg“, der Bundestransferstelle Stadtumbau Ost sowie dem MIL besteht.

Strausberg jetzt mit größtem Sonnenhaus Deutschlands

In der Gustav-Kurtze-Promenade hat die Wohnungsbaugenossenschaft „Aufbau“ Strausberg eG (WBG „Aufbau“ Strausberg eG) den bislang größten Wohn- und Gewerbegebäudekomplex in Deutschland errichtet, der den Prinzipien des solaren Bauens entspricht. 25 Mieter und der Geschäftssitz haben dort ihr neues Zuhause gefunden.

„Mit dem Neubau wollten wir unser Portfolio ergänzen. Die 17 Wohnungen haben großzügige Grundrisse, sind modern ausgestattet und einige von ihnen barrierefrei zugänglich. Solche Wohnungen wurden besonders von unseren Mitgliedern angefragt“, erläutert Carsta Göring, Kaufmännischer Vorstand der WBG „Aufbau“ Strausberg eG den Anstoß zum Projekt.

Die Entscheidung für ein Sonnenhaus als Neubau hatte für die Genossenschaft zweierlei Gründe. Der Technische Vorstand Frank Wessel erklärt: „Zum einen ist da natürlich der Umweltaspekt. Wir haben hier eine sehr niedrige Heizlast mit 35 kWh. Zum anderen wirkt sich das auch positiv auf die Betriebskosten aus.“

Kombination aus Solarthermie-Anlage und Wasser-Wasser-Wärmepumpe

Die Versorgung des Hauses mit Energie für Wärme und Warmwasser ist weitestgehend autark, Grundlage hierfür ist eine sehr gute Wärmedämmung und Isolierung der Fenster.  Auf dem Dach befindet sich eine 200 m2 große Kollektorfläche. Die erzeugte Wärme wird in zwei Saisonalspeicher mit insgesamt 63.000 Liter Volumen gespeichert und bei Bedarf an die Fußbodenheizung und die Warmwasserbereitung abgegeben.

Für die sonnenarmen Monate dient eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe als Ergänzungsmedium. Wärmequelle der Pumpe ist eine Integralsonde. Das Grundwasser wird mit einem Schluck- und Förderbrunnen über den unteren Sondenbereich gefördert und nach der Wärmeentnahme weiter oben wieder eingespeist. Zusätzlich kann der Bürobereich über die Integralsonde gekühlt werden.

Wessel: „Auf Aufzüge haben wir bei dem Objekt bewusst verzichtet, um keinen zusätzlichen Strom zu verbrauchen. Deshalb sind nur die Wohnungen im Erdgeschoss barrierefrei. Hier wohnen die älteren Mieter und eine junge Familie.“

3,6 Millionen Euro investiert

Die Baukosten des Projektes belaufen sich auf insgesamt 3,6 Millionen Euro. Rund 30 Prozent Eigenkapital hat die Genossenschaft dabei eingebracht. Die restliche Summe wurde über Kredite und Fördermittel des Bundes in Form von KfW-Programmen finanziert. Zusätzlich wurde ein Zuschuss bei der ILB über das Förderprogramm RENplus beantragt.

Carsta Göring: „Bei einem Objekt dieser Größenordnung waren wir auf Fördermittel angewiesen. Gerade beim Einsatz von solch modernen Technologien laufen entsprechend hohe Investitions- und Baukosten auf. Aber im Ergebnis profitieren unsere Mitglieder. Die erste Betriebskostenabrechnung steht noch an, aber nach ersten Schätzungen rechnen wir mit ungefähr 15 Cent Heizkosten pro m2. Insgesamt kommen die Mieter so auf sehr moderate Mietkosten für einen Neubau.

 

 

Mieke Goldhahn

T +49 (30) 89781 - 126
F +49 (30) 89781 - 4126
Friedhelm Boginski Vorstand Innenstadtforum Land Brandenburg
Dr. Heike LiebmannBundestransferstelle Stadtumbau Ost
Kathrin MölneckLeiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus
Jürgen SchweinbergerAbteilungsleiter im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg

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