Gewohnt gut 09/2018

Gewohnt gut

Leerstand, Überalterung, Abriss: Getreu dem Motto „only bad news are good news“ entsteht in den Medien immer wieder ein eher tristes Bild vom Wohnen im Land Brandenburg. Erfolgsgeschichten haben es deutlich schwerer, ins Rampenlicht der öffentlichen Wahrnehmung vorzudringen.

Um dies zu ändern, hat der BBU im Sommer 2008 das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Mit ihm zeichnet der Verband seither sechs Mal jährlich ein Wohnungsunternehmen aus, das sich auf innovative Weise um die Anpassung seines Bestandes an den demografischen Wandel und die Sicherung guten und bezahlbaren Wohnens verdient gemacht hat. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten das Qualitätssiegel. Die Bandbreite der bislang mit ihm ausgezeichneten Projekte reicht vom studentischen Wohnen über das Familien- bis zum Mehrgenerationenwohnen, dem Umbau von Denkmälern und Plattenbauten bis zu neuen Nutzungskonzepten für Bahnhöfe und ehemalige Kasernen.

Diese Idee hat auch die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider, überzeugt. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die BBU-Branchenaktion und ist seither selbst oder vertreten durch ihre Staatsekretärin bei der Preisverleihung präsent.

Mit dem Qualitätssiegel macht der BBU die Leistungen der Brandenburger Wohnungsunternehmen für zukunftssicheres Wohnen in ihrer ganzen Vielfalt überregional bekannt. Die ausgezeichneten Projekte stellen unter Beweis, dass die Wohnungsunternehmen für die Städte starke und stabile Partner für eine nachhaltig erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Mit ihrem unermüdlichen Engagement schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Städte Heimat sind und damit auch als Investitionsstandorte attraktiv bleiben.
 

05.09.2018, 02:00 Uhr

Quartiersentwicklung durch Partizipation: Auszeichnung „Gewohnt gut“ geht im September nach Rheinsberg

Quartiersentwicklung und Mieterbeteiligung im Fokus: Die Rheinsberger Wohnungsgesellschaft mbH (REWOGE) zeigt mit ihrem Projekt „Fassadengestaltung durch Rheinsberger Kinder“, wie durch die Einbindung der Bewohner*innen in die Gestaltung des Wohnumfeldes die Identifikation mit dem eigenen Quartier gestärkt und das Quartier als solches aufgewertet werden können. Damit leistet die REWOGE sowohl für die Zukunftsfähigkeit der eigenen Wohnungsbestände als auch für die Stärkung der bestehenden Kiezstrukturen und Nachbarschaften einen wichtigen Beitrag. Dafür wird die REWOGE mit dem Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ ausgezeichnet.

Die „Gewohnt gut"-Jury zeichnet das Beteiligungskonzept im Rahmen eines Schülerwettbewerbs zur Farbgestaltung von Häuserfassaden im vom Stadtumbau betroffenen Quartier „Am Stadion“ aus. Durch die Einbindung der jungen Bewohner*innen wurden die Identitätsbildung und der „Kiezgedanke“ gefördert und gleichzeitig die Gestaltung des Wohnumfeldes positiv beeinflusst.

BBU-Vorstand Maren Kern gratuliert: „Dieses Projekt zeigt beispielhaft, dass durch Abriss auch Neues entstehen kann. Der REWOGE gelingt es durch die gezielte Beteiligung der jüngsten Bewohner*innen an der Neugestaltung des Quartiers, die Identifikation mit dem eigenen Kiez generationsübergreifend zu stärken. Das Unternehmen beweist damit, dass intelligente Partizipation die Akzeptanz von Stadtumbau nachhaltig stärken kann und einen wichtigen Beitrag dazu leistet, dass Quartiere als Zuhause empfunden werden. Für diesen beispielhaften Beitrag zur Aktivierung und Stabilisierung von Kiezstrukturen wird die REWOGE heute hoch verdient mit dem Qualitätssiegel ‚Gewohnt gut – fit für die Zukunft’ ausgezeichnet.“

Ines Jesse, Staatssekretärin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, sagt im Vorfeld der Vergabe des Siegels: „Stadtentwicklung geht alle an, auch Kinder und Jugendliche. Sie sind die Bewohner und Entscheider von morgen. Damit sie sich auch heute schon ernstgenommen und wohlfühlen in ihrem Wohnumfeld, ist es eine tolle Idee die Kinder bei der Fassadengestaltung im Stadtumbaugebiet miteinzubeziehen. Die Kooperation mit der ortsansässigen Grundschule und der Stadt Rheinsberg sind eine wichtige Investition in die Zukunft und stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl im Kiez und der ganzen Stadt. Damit kann das Unternehmen zum Erhalt und der Entwicklung stabiler Nachbarschaften und zukunftsfähiger Wohnquartiere beitragen.“

Stephan Greiner-Petter, Geschäftsführer der Rheinsberger Wohnungsgesellschaft mbH, freut sich über die Ehrung: „Durch dieses Projekt ist es uns gelungen, die Kreativität und die Begeisterungsfähigkeit der im Quartier lebenden Kinder und Jugendlichen für eine nachhaltige Aufwertung des Wohnumfeldes zu nutzen. Im Mittelpunkt stand dabei von Anfang an das ‚Miteinander‘. Besonders stolz sind wir deshalb auf den großen Zuspruch unserer Mieterinnen und Mieter und die positive Entwicklung des gesamten Wohnquartiers. Wir freuen uns, dass die ‚Gewohnt gut‘-Jury unseren Einsatz heute mit dem Qualitätssiegel belohnt.“

Schülerwettbewerb zur Fassadengestaltung im Quartier „Am Stadion“

Mit dem Projekt „Fassadengestaltung durch Rheinsberger Kinder“ ist es der Rheinsberger Wohnungsgesellschaft mbH (REWOGE) gelungen, die jüngsten Bewohner*innen des Plattenbau-Quartiers „Am Stadion“ als Ideengeber für die Neugestaltung des von Rückbau betroffenen Wohnungsbestandes zu gewinnen. Damit konnte sie die Identifikation der Mieter*innen mit dem Quartier stärken. Durch die erfolgreiche Kooperation mit der vor Ort ansässigen Dr.-Salvador-Allende-Grundschule und der Stadt Rheinsberg verankert die REWOGE damit die Kiezstrukturen in einem lebenswerten und zeitgemäßen Wohnungsbestand.

Durch den notwendigen Rückbau von 40 Wohnungen im Zuge des Stadtumbaus wurde das Quartier „Am Stadion“ im Bereich der Toftlundstraße, Mariefredstraße und Ascheberger Straße deutlich verändert. Von der REWOGE erforderte das aufgrund eines in Folge eines Abrisses nun freigelegten Häusergiebels die Entwicklung eines Gestaltungs- und Sanierungskonzeptes. „Der Rückbau war ein spürbarer Einschnitt in den bestehenden Kiez. Wir haben daher bei den folgenden Schritten auf eine intensive Beteiligung der Anwohner gesetzt“, so REWOGE-Geschäftsführer Stephan Greiner-Petter. In der Folge entwickelte die REWOGE einen Malwettbewerb für die Kinder der Nachbarschaft zur Sammlung von Gestaltungsideen für die neuen Fassaden der fünf stehengebliebenen Wohnhäuser.  Eng begleitet wurde der Wettbewerb mit dem unternehmenseigenen Mietermagazin „Stadtleben“: Auf diese Weise konnten nicht nur die Bewohner*innen des Quartiers, sondern alle REWOGE-Mieter*innen an dem Prozess teilhaben.

Ideenwerkstatt als Hort der Kreativität

In Kooperation mit der Dr.-Salvador-Allende-Grundschule wurde eine Ideenwerkstatt initiiert, bei der die Schüler*innen auf Grundlage einer Fassadenschablone eigene Gestaltungsideen entwerfen konnten. Insgesamt 131 Kinder beteiligten sich an dem „Fassadenwettbewerb“ und beeindruckten mit ihrer großen Kreativität. Greiner-Petter: „Kinder und Jugendliche verfügen über eine besondere Begeisterungsfähigkeit und sind bereit, sich für das eigene Wohnumfeld zu engagieren. Das wollten wir unbedingt für das Quartier ‚Am Stadion‘ nutzen.“ Die Ergebnisse wurden in der Aula der Schule ausgehangen und durch eine Jury – bestehend aus Kindern, dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt Rheinsberg, Lehrern der Grundschule und dem Direktor des Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Museums – bewertet.

Gewinnerentwürfe schmücken das Quartier „Am Stadion“

Die ersten beiden prämierten Entwürfe des Wettbewerbs wurden in die Ausführungsplanung der Fassadengestaltung für die Wohnobjekte in der Mariefredstraße / Aschberger Straße übernommen und anschließend realisiert. Das Ergebnis wurde von den Bewohner*innen des Quartiers hervorragend angenommen: „Die Familien sind sehr stolz darauf, dass sich ihre Kinder in die Quartiersgestaltung einbringen konnten und dass man die Ergebnisse auch weithin sieht. Deshalb wollen wir auch bei zukünftigen Projekten auf die enge Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner setzen“, so Greiner-Petter. Aus der Mieterschaft gab es bereits Anregungen, das Projekt auf weitere Wohnungsbestände der REWOGE auszuweiten.

Rund 460 Tausend Euro investiert

Die Gesamtkosten für die Aufbereitung und Neugestaltung der Fassaden der fünf Gebäude beliefen sich auf rund 460.000 Euro. Davon entfielen rund 266.000 Euro auf die spezielle Fassadenbeschichtung, die für das Aufbringen der Gewinner-Entwürfe des Malwettbewerbs genutzt wurde. Das Projekt wurde komplett aus Eigenmitteln der Wohnungsgesellschaft finanziert.

Enrico Thiel

T +49 (30) 89781 - 132
F +49 (30) 89781 - 4132
Friedhelm Boginski Vorstand Innenstadtforum Land Brandenburg
Dr. Heike Liebmann Bundestransferstelle Stadtumbau Ost
Kathrin Mölneck Leiterin BBU-Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus
Elfi Heesch Abteilungsleiterin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Silvio Hagemann Fachbereichsleiter Wohnen DKB Deutsche Kreditbank AG, Berlin

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