STADT UND LAND startet Pilotprojekt zum Wohnungsbau mit Holz, Ziegeln und Lehm

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STADT UND LAND startet Pilotprojekt zum Wohnungsbau mit Holz, Ziegeln und Lehm

Die STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH hat am 31. März 2022 den Startschuss für zwei Neubauprojekte in Neukölln mit insgesamt drei Gebäuden gegeben, die die Potenziale des klima- und kreislaufgerechten sowie ressourcenoptimierten Bauens im öffentlichen Mietwohnungsbau ermitteln und aufzeigen sollen. Beide Vorhaben werden durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz aus dem Innovationsförderfonds mit zwei Millionen Euro gefördert. Das Projekt wird wissenschaftlich von der TU Berlin, der Universität Stuttgart und der TU Braunschweig begleitet.

In Alt-Britz werden auf einem Grundstück zwei in Grundrissen, Kubatur und Geschossigkeit gleiche Gebäude in Holz-Lehm- und Ziegel-Holz-Bauweise geplant, realisiert und in den ersten Jahren des Betriebs wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Das Projekt hat das Ziel des einfachen, robusten Bauens und strebt an, über den Einsatz klimasteuernder Baustoffe und einen klimaangepassten Entwurf den Einsatz von Gebäudetechnik zu reduzieren und auf Klima- und Lüftungstechnik zu verzichten. 

Auf den Buckower Feldern wird auf Baufeld VIII zudem das STADT UND LAND-Typenhaus-Plus in nachhaltiger, ökologischer Bauweise als Typenhaus-Eco weiterentwickelt und realisiert. Dabei sollen beim Roh- und Ausbau im größtmöglichen Umfang Holzbaustoffe zum Einsatz kommen. Die somit schon deutlich verbesserte CO2-Bilanz soll durch den Einsatz aufbereiteter Baustoffe, z. B. Recyclingbeton, weiter optimiert werden. Darüber hinaus wird die Wiederverwertbarkeit und Rückführung der eingesetzten Baumaterialien in die Kreislaufwirtschaft nach dem Lebenszyklusende des Gebäudes angestrebt. Der Vergleich erfolgt mit einem grundrissgleichen Typenhaus, welches in mineralischer Bauweise errichtet wird.

Die Gebäude werden mit unterschiedlichen Materialien und Ansätzen geplant und im Rahmen des Projektes in Bezug auf ihre Übertragbarkeit auf andere Mietwohnungsbauten untersucht und miteinander verglichen. Außerdem sollen die unterschiedlichen Bauweisen Holz-Lehm-Haus und Ziegel-Holz-Haus langfristig miteinander verglichen werden, um für die Zukunft grundsätzliche Erkenntnisse für die Umsetzung im Geschosswohnungsbau zu erhalten.

Bettina Jarasch, Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz: „Wenn Berlin vor 2045 klimaneutral werden soll, müssen wir auch beim Bauen innovative Wege gehen. Das bedeutet: mit wiederverwendbaren und mit klimaverträglichen Materialien bauen. Das muss auch beim Wohnungsbündnis ein wichtiges Thema werden. Die Bauwirtschaft verbraucht rund 60 Prozent der in Berlin verwendeten Rohstoffe – höchste Zeit also, nachhaltiges Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen, Recyclingbeton und innovativer Energetik zu erproben und zum neuen Standard zu entwickeln. Das von der STADT UND LAND initiierte Vorhaben kann hier ein echtes Pilotprojekt werden.“

Ingo Malter, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft STADT UND LAND erläutert die Projektziele: „Der derzeitige Ansatz im Wohnungsneubau ist vor allem von Effizienz im Hinblick auf Stückzahlen und Kostenminimierung geprägt. Selbst bei einem ambitionierten Gebäudeenergieverbrauchsstandard werden rund 50 Prozent der Klimagasemissionen im Gebäudebereich durch die eingesetzten Baustoffe verursacht. Wir möchten untersuchen, welche materielle Ressourcenanwendung in der Gebäudekonstruktion zu einer weiteren CO2-Einsparung führt. Wir möchten aufzeigen, wieviel CO2 durch die Verwendung von ökologischen Baustoffen (Ökobilanz) wie z.B. Holz, Lehm und Recycling Material im Vergleich zu konventionellen Materialien - bei eingehaltenen Anforderungen des Wärme-, Schall- und Brandschutzes - eingespart werden kann.“

Prof. Eike Roswag-Klinge, Technische Universität Berlin: „Durch den Einsatz der feuchtesteuernden Baustoffe Holz, Naturfasern und Lehm entsteht ein gesundes Raumklima und es kann auf Lüftungs- und Klimatechnik verzichtet werden. Diese LowTech Bauweise spart Kosten in der Errichtung und im Betrieb. Über das Gebäudekonzept und die kreislaufgerechte Bauweise und Materialverwendung wird der Ausstoß von Klimagasen und die Inanspruchnahme von materiellen Ressourcen auf ein Minimum reduziert. Das Gebäude wird so zu einem Beispiel des Bauens in planetaren Grenzen.“

Als Projektbeteiligte für die Generalplanung konnten für das Projekt in Alt-Britz die Arge ZRS Architekten GvA mbH und Bruno Fioretti Marquez GmbH gewonnen werden. Für das Projekt auf den Buckower Feldern kooperiert die STADT UND LAND mit der mib - Märkische Ingenieur Bau GmbH mit Arnold und Gladisch Objektplanung Generalplanung GmbH.

Visualisierung der Nachhaltigkeitsbauten Alt Britz und Buckower Felder (Vorplanung); Copyright: STADT UND LAND

 

Silke Schendel

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