Wohnungsmangel gefährdet Qualität von Lehre und Forschung in Potsdam/ Potsdamer Akteure wollen gemeinsam gegensteuern

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Wohnungsmangel gefährdet Qualität von Lehre und Forschung in Potsdam/ Potsdamer Akteure wollen gemeinsam gegensteuern

Ein Pressegespräch der AG Internationals in Potsdam hat am 3. Juni 2021 das Thema „Wohnungsmangel gefährdet Qualität von Lehre und Forschung in Potsdam“ dargestellt. Dort sehen sich die wissenschaftlichen und Lehreinrichtungen schon seit langem damit konfrontiert, dass es schwer bis unmöglich geworden ist, zeitweilig in Potsdam forschende und lehrende Experten*innen und Studierende mit Wohnraum zu versorgen. Eine Kooperation von wissenschaftlichen Einrichtungen, Stadtverwaltung, Stadtgesellschaft, Studentenwerk, Wohnungswirtschaft und Stadtverwaltung wollen gemeinsam gegensteuern. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe Internationals hat die aktuelle Situation untersucht und verfolgt kooperative Lösungen.

Lebens- und Wohnsituation von Internationals
Internationals – Internationale Studierende und Wissenschaftler*innen – sind bedeutend für die Wissenschaftsstadt Potsdam. Die Stadt ist ein renommierter, internationaler Hochschul- und Wissenschaftsstandort. Nirgendwo in Deutschland gibt eine so hohe Dichte von wissenschaftlichen Einrichtungen, die zudem in internationalen Programmen forschen. Zahlreiche internationale Forschungsprojekte stehen für das Renommee unserer weltweit bekannten, weltoffenen Stadt.
Wenn Internationals nicht oder verzögert anreisen können, weil sie hier keine Wohnung finden, gehen nicht nur Forschungsgelder verloren, es leidet auch das internationale Ansehen Potsdams. Viele Internationals weichen bei ihrer Wohnungssuche nach Berlin aus, sie sind dementsprechend in ihrer Freizeit nicht mehr in Potsdam. Begegnungen mit hiesigen Locals entfallen.
Internationale Studierende und Wissenschaftler*innen sind in Potsdam die größte Gruppe der hier lebenden Internationals, etwa 3600 Studierende (im Wintersemester 2019/2020) und etwa ebenso viele Wissenschaftler*innen.
Vom 1. September bis 30. November 2019 fand in Potsdam eine Befragung von internationalen Studierenden und Wissenschaftler*innen, im Folgenden als „Internationals“ bezeichnet, statt. Ziel der Befragung war es, einen Überblick über die Wohn- und Lebenssituation der Potsdamer Internationals zu erhalten und auf Grundlage dieser Informationen Handlungs- und Optimierungsvorschläge zu entwickeln.
An der Befragung nahmen 421 Internationals aus 75 Ländern teil. 82,2 Prozent der Teilnehmenden leben in Potsdam, 13,1 Prozent in Berlin sowie 3,3 Prozent im Potsdamer Umland. 39,4 Prozent sind Studierende, 31,8 Prozent Doktorand*innen, 19,2 Prozent Postdocs und 6,9 Prozent sind Wissenschaftler*innen mit bereits abgeschlossener Qualifizierungsphase.
Eine der größten Schwierigkeiten ist es, in Potsdam eine bezahlbare, gut an den öffentlichen Nahverkehr angebundene oder in der Nähe der Forschungsstelle bzw. der Universität liegende Wohnung zu finden.
65,8 Prozent schätzten die Wohnungssuche in Potsdam als schwierig ein. Eine besondere Herausforderung stellt vor allem die Suche nach Wohnungen zur Miete (73,8 Prozent) bzw. nach Ein-Raum-Apartments (71,9 Prozent) dar. Einschränkend müssen wir anmerken, dass wir bei den Fragen zur Wohnungssuche nicht danach differenziert haben, ob die Personen ihre Unterkunft mit Unterstützung des Welcome Centers der Universität Potsdam oder der International Offices der Forschungseinrichtungen gefunden haben. Denn genau diese Offices unterstützen mit sehr hohem Engagement und Aufwand die Ankommenden bei der Wohnungssuche.
Die Antworten zur Wohnsituation und Wohnzufriedenheit bestätigen, dass Potsdam von den Internationals als eine sehr lebens- und liebenswerte Stadt empfunden wird. Besonders positiv bewertet wurden dabei die vielen Grün- und Erholungsflächen und die erlebte öffentliche Sicherheit bzw. der Schutz vor Kriminalität. Am unzufriedensten sind die Internationals mit dem Potsdamer Nachtleben. Im Vergleich mit der 2018 durchgeführten Bürgerumfrage „Leben in Potsdam“ zeigen sich deutliche Unterschiede zu den Angaben von Potsdamerinnen und Potsdamern in Bezug auf diese Aspekte. Prof. Dr. Mark Lawrence, geschäftsführender wissenschaftlicher Direktor des IASS, beschreibt die Problemlage und bewertet die Studie: „Nachhaltigkeit und das Erfüllen der Sustainable Development Goals sind globale Themen. Um deren Erforschung zu unterstützen, haben wir am IASS ein eigenes Fellow-Programm, mit dem wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt zu uns nach Potsdam einladen. Unsere Fellows und wir als Institut profitieren davon, dass sie hier ein schönes Zuhause finden, von guter Infrastruktur umgeben sind und sich viele Kontaktmöglichkeiten mit Potsdamerinnen und Potsdamern ergeben. Aber wie immer gibt es Nachbesserungspotential und die vorliegende Umfrage wird uns gute Hinweise darauf geben.“ Einen vollständigen Überblick über die Ergebnisse der Studie erhalten Interessierte hier unter https://www.potsdam.de/488-studienergebnisse-living-potsdam-2019-liegen-vor, ausgewählte Ergebnisse sind am Ende dieser Presseinformation dokumentiert.
Die AG Interationals
Seit 2015 gibt es einen Zusammenschluss von zahlreichen Akteurinnen und Akteuren in einem Wissenschaftsnetzwerk Potsdamer Willkommensregion – im Einklang mit dem Integrationskonzept der Landeshauptstadt Potsdam. Dieses Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, Internationals herzlich in unserer Stadt zu begrüßen, sie während ihres Aufenthaltes zu unterstützen, zu beraten und ihnen unsere weltoffene Stadt näher zu bringen. Seit 2017 besteht innerhalb des Netzwerkes die Arbeitsgruppe „Internationales Wohnen und Begegnen“, die den Fragebogen entwickelt und gemeinsam mit dem Bereich Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt Potsdam realisiert hat.
Aus der Befragung der Internationals abgeleitete Handlungsempfehlungen richten sich an die Landeshauptstadt Potsdam in Kooperation mit Potsdamer Wissenschaftseinrichtungen, das Land Brandenburg, die Wohnungswirtschaft und an Engagierte.
• Das betrifft in erster Linie bezahlbaren und mietbaren Wohnraum, Studentenwohnheimplätze oder Gästewohnungen.
• Ein Gästehaus in zentraler Lage, in dem temporäres Wohnen unkompliziert möglich ist und das zugleich Begegnungen der Internationals untereinander und zugleich mit der gesamten Stadtgesellschaft ermöglicht, wäre der Idealfall.
• Weitere Empfehlungen betreffen Veranstaltungsformate sowie Informationsportale zu Stadt, Kultur, Behörden und Arbeitsmöglichkeiten in englischer Sprache.
Die AG Internationals hat bereits neben der Situationsanalyse einiges auf den Weg gebracht:
• So gibt es eine enge Kooperation mit den Bereichen Wohnen und Tourismusmarketing.
• Es werden Hotelzimmer für anreisende Internationals, die durch Corona-Vorgaben in Quarantäne müssen, vorgehalten.
• Um Begegnungen mit Locals zu organisieren, wird von Mitgliedern der AG Internationals der International Tuesday vorbereitet. Ab dem 1. Juni 2021 heißt es immer dienstags ab 18 Uhr Bühne frei für Science Slam, internationale Kultur, Gespräche, Aktionen, Potsdam-Infos u. v. m. mit anschließendem Get-together. Hauptsächlich wird englisch gesprochen. Bis Oktober ist der International Tuesday zu Gast auf der Inselbühne Potsdam.
Weitere Kooperationsprojekte, so zwischen dem Studentenwerk Potsdam und der kommunalen Immobilienholding ProPotsdam GmbH, zielen auf die Schaffung neuen Wohnraums, der Studierenden und Wissenschaftler*innen zur Verfügung gestellt werden kann. Entsprechende Projekte werden im Bornstedter Feld und in der Potsdamer Innenstadt vorbereitet, ein weiteres wird aktuell im Rahmen der Entwicklung des Schlaatzes diskutiert.

Dr. David Eberhart

T +49 (30) 89781 - 118
F +49 (30) 89781 - 4118

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