Kommentar „Lieschen Müller fragt" / Aus den Annalen der Brandenburger Wohnungspolitik (Von Dr. Wolfgang Schönfelder)

Kommentar „Lieschen Müller fragt" / Aus den Annalen der Brandenburger Wohnungspolitik (Von Dr. Wolfgang Schönfelder)

Wir haben mal in den Archiven gestöbert. Dabei fiel uns auf, dass es aktuelle Themen gibt, die seit Jahren einer Lösung harren und damals vom BBU bereits „aufgespießt“ wurden. In einer kleinen Reihe, die aktuelle Regierungsbildung in Brandenburg begleitend, haben wir das eine oder andere Bonmot herausgepickt, frei nach dem Motto „wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber schmunzeln“. Der folgende Text ist im Jahr 2010 erschienen: 

Da ist er wieder zu Ende, ein erneuter Klimagipfel und wieder, so liest man, gibt es tolle Ergebnisse und Fortschritte, die richtigen Fragen wurden gestellt und die richtigen Antworten sind gefunden worden.
Lieschen Müller von nebenan stellt sich ganz andere Fragen. Lieschen Müller fragt sich zum Beispiel, warum sie sich in der denkmalgeschützten Altbauwohnung von Onkel Max viel wohler fühlt und das Raumklima so angenehm ist, während in ihrem eigenen Neubau die Luft so trocken ist, sie viermal am Tag lüften soll, so der Vermieter und trotzdem Schimmelprobleme auftreten.

Neulich im Supermarkt hat sie gelesen, dass der ganze Aufschnitt von Wurst und Käse unter Schutzatmosphäre verpackt ist und dass das CO2 bedeutet und wie viele Packungen es wohl so auf der Welt in einem Monat gibt und wie viel CO2 da wohl so ausströmt.
Lieschen Müller fragt sich auch, sie hat Zeit dazu, weil der Fernseher wegen eines Blitzeinschlages kaputt ist, wie viel CO2 wohl eingespart werden könnte, wenn alle Autos auf der Autobahn nur noch 120 km/h fahren dürften oder wo der ganze Strom herkommt, wenn morgen alle Autos auf der Welt nur noch Elektromotoren hätten.
Lieschen Müller fragt sich weiter, wenn die Zeitungsmeldungen stimmen, dass alle Ausgangsstoffe und Zwischenprodukte für eine Jeans, die sie sich gestern gekauft hat, 48.000 Kilometer um den halben Erdball herum, zurücklegen, was man Globalisierung nennt, wie viele Jeans das wohl in einem Monat auf der Welt sind und wie viel Erdöl das wohl so ausmacht und wie viel CO2.
Die Freundin von Lieschen Müller, die Sieglinde aus dem Oderbruch, hat ihr vorige Woche erzählt, dass man in ihrer Nähe bohrt, weil man CO2 in den Untergrund pressen möchte.
Da fragt sich Lieschen Müller nun, wie viele Kohlekraftwerke es auf der Welt wohl so gibt und ob denn die Erde genug freie Plätze für das Verpressen von CO2, hätte, wenn das alle ab morgen so tun würden.
Von all diesen Fragen und noch vielen weiteren hatte Lieschen Müller gestern einen Alptraum.
Viele Menschen liefen an ihr vorbei und alle hatten Plakate in der Hand. Auf dem einen Plakat stand zum Beispiel „Wer schützt uns vor den Klimaschützern" oder auf einem anderen „Wir brauchen das Null-Energiehaus" oder auf einem dritten „Wir brauchen mehr Bäume für die CO2-Vernichtung" und alles solche Sachen.
Bei ihrem letzten Besuch bei Onkel Max hat sie ihm das alles erzählt.
Onkel Max ist 72 Jahre alt und schon ein bisschen weise, aber nicht mehr so gut zu Fuß, deshalb geht Lieschen Müller immer für ihn einkaufen. Und Onkel Max, der schon viel erlebt hat, sagte: „Weißt du Lieschen, du musst viel mehr darauf achten, wer dir Etwas erzählt und dann erst, was er dir erzählt und warum man dir manches nicht erzählt. Dann ist das Leben schon sehr viel leichter."

Dr. Wolfgang Schönfelder

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