Jugendstudie 2017: Hohe Lebenszufriedenheit und wachsendes Interesse an Politik in Brandenburg

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Jugendstudie 2017: Hohe Lebenszufriedenheit und wachsendes Interesse an Politik in Brandenburg

Eine große Mehrheit der Jugendlichen im Land Brandenburg ist mit ihrer Lebenssituation zufrieden. Zudem sind das Interesse an Politik und die Bereitschaft, sich am politischen Leben zu beteiligen, gewachsen. Zugenommen hat aber erstmals wieder die Anfälligkeit für rechtsextreme Einstellungen und Ausländerfeindlichkeit. Das sind wesentliche Ergebnisse der Studie „Jugend in Brandenburg 2017“, die Ministerpräsident Dietmar Woidke und Jugendministerin Britta Ernst am 23. August 2018 gemeinsam mit Verfasser Prof. Dietmar Sturzbecher in Potsdam präsentierten.

Das Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universität Potsdam unter Leitung von Prof. Sturzbecher hat 3.734 Schülerinnen und Schüler im Alter von 12 bis 22 Jahren in 46 allgemeinbildenden Schulen und Oberstufenzentren des Landes Brandenburg befragt. Die Jugendstudie wurde bereits zum 8. Mal durchgeführt, erstmals im Jahr 1991. Da ein großer Teil der Fragen bereits über einen längeren Zeitraum gestellt wird, sind Entwicklungen der Lebensbedingungen und Einstellungen brandenburgischer Jugendlicher erkennbar.

Ministerpräsident Woidke sagte: „Die Jugend glaubt an ihre Zukunft hier in Brandenburg. Und unser Land kann stolz sein auf seine Jugend. Das ist etwas, worauf wir weiter aufbauen können. Brandenburg ist für Jugendliche heute ein guter Ort zum Leben und zum Aufwachsen. Und das empfinden die Jugendlichen auch selbst.“ Die Studie bestätige, dass die Landesregierung mit ihren bildungs- und familienpolitischen Maßnahmen auf dem richtigen Weg sei. Er zeigte sich insbesondere erfreut, dass der wirtschaftliche Erfolg Brandenburgs „immer mehr im Leben junger Menschen ankommt“. Woidke: „Das verbessert ihre Zukunftsperspektiven, steigert ihren Optimismus und ist gut für unser Land.“ Zugleich wisse er um die finanziellen Probleme gerade in Haushalten mit Alleinerziehenden. Brandenburg habe in diesem Bereich, so bei der Kindertagesbetreuung, einiges auf den Weg gebracht. Woidke: „Wir wollen, dass jedes Kind und jeder Jugendliche gute Perspektiven hat. Dazu gehören gute Startchancen von Anfang an. Deshalb werde ich mich weiterhin auch für ein bundesweites System einer bedarfsgerechten Kindergrundsicherung einsetzen.“

Angesichts der Zunahme rechtsextremer Einstellungen unter Heranwachsenden versicherte Woidke: „Das zeigt, dass es in diesem Punkt keine Entwarnung gibt. Beunruhigende Tendenzen in der ganzen Gesellschaft spiegeln sich auch in dieser Studie wider. Wir werden in unseren Anstrengungen auf dem Weg des „Toleranten Brandenburg“ in allen Lebensbereichen nicht nachlassen. Das gilt besonders für die bewährte Zusammenarbeit mit Schulen. Der Befund ist aber auch ein Weckruf an uns Erwachsene. Hören wir genauer hin, nehmen wir uns mehr Zeit im Umgang mit jungen Menschen, reden wir mehr mit ihnen! Und vor allem: Leben wir ihnen vor, dass ein friedliches Miteinander aller Menschen in Brandenburg möglich ist.“

Jugendministerin Britta Ernst: „Mit dieser Studie verfügen wir über wertvolle Informationen. Daraus wissen wir nun besser, was Jugend im Land Brandenburg denkt und fühlt, was sie bewegt und wie sie sich engagieren will. Wir werden diese Erkenntnisse nutzen, um einen landesweiten Diskussionsprozess zum ‚Aufwachsen in Brandenburg‘ anzustoßen; das wird eine wichtige Dachmarke des Ministeriums. Auf den dafür geplanten Veranstaltungen werden die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen von vielen verschiedenen Seiten beschrieben, Herausforderungen und Verbesserungen diskutiert. Den Auftakt gibt am 28. September 2018 ein Forum mit allen relevanten Akteuren und Beteiligten in Potsdam, auf dem Prof. Sturzbecher Ergebnisse der Studie ausführlicher vorstellen wird.“ 

Prof. Dietmar Sturzbecher: „Mit sehr hohem Optimismus, stark gewachsener Lebenszufriedenheit und als überzeugte Europäer schauen die meisten brandenburgischen Jugendlichen in die Zukunft. Ihre Bereitschaft zu gesellschaftlichem Engagement und die Zufriedenheit mit den Lehrern erreichen das mit Abstand höchste Niveau nach der ‚Wende‘. Trotz neuer Herausforderungen wie soziale Integration und Umweltschutz gilt: Brandenburg ist ein guter Ort zum Leben!“

Ergebnisse der Studie:

• Die Zufriedenheit der Jugendlichen mit ihrer Schul- und Ausbildungssituation ist leicht gestiegen.

• Die schulischen Anforderungen und Belastungen sind stark gewachsen. Gleichzeitig haben die Jugendlichen mehrheitlich Spaß in der Schule. Das Schulschwänzen ist stark rückläufig.

• Die Gewaltakzeptanz und die Gewalterfahrung im Freizeitbereich sind – entgegen der öffentlichen Wahrnehmung − zurückgegangen. 49,1 Prozent der Jugendlichen sind absolut gegen Gewalt. An der Schule beobachten 71,5 Prozent der Jugendlichen fast nie Gewalt. 9,2 Prozent beobachten dort mehrmals in der Woche Gewalt, an Oberschulen 17,0 Prozent.

• Die Anfälligkeit für rechtextreme Einstellungen ist erstmals wieder leicht gestiegen. Auch ausländerfeindliche Einstellungen sind seit 1999 erstmals wieder leicht angestiegen.

• Der berufsbezogene Zukunftsoptimismus ist in den letzten 12 Jahren angestiegen und erreicht den höchsten Stand seit 1993. 83,2 Prozent der Jugendlichen erwarten, dass ihr Berufswunsch in Erfüllung geht.

• Fast alle Jugendlichen sind mit ihrer Gesamt-Lebenssituation (z.B. Wohnen, Freunde, Schule, Selbstbestimmtheit) „zufrieden“ (73,5 %) bzw. „eher zufrieden (23,4 %). Insbesondere ist die Zufriedenheit mit der finanziellen Situation und den Freizeitmöglichkeiten gestiegen.

• Das Interesse an Politik und die Bereitschaft, sich am politischen Leben zu beteiligen, sind wieder gewachsen.

• Die Grundstimmung gegenüber der Europäischen Union ist positiv. 93,6 Prozent sagen, dass Deutschland EU-Mitglied bleiben soll. Etwa drei Viertel der Jugendlichen sind stolz, Europäer zu sein.

• Die Attraktivität von Brandenburg als Lebensort ist deutlich gewachsen. Zwar können sich 72,8 Prozent vorstellen, ihren Wohnort auf Dauer zu verändern. Die meisten Jugendlichen, die umziehen würden, wollen aber in Brandenburg bleiben (34,4 %). 16,4 Prozent zieht es ins Ausland.

• Die Zufriedenheit mit der Politik ist seit 2005 in den meisten Bereichen gestiegen. Die Jugendlichen sind insbesondere mit den ausbildungsbezogenen Politikbereichen wie der Schaffung von Lehrstellen (83,3 %), der Verbesserung der schulischen Ausbildungssituation (78,4 %) und der Unterstützung beim Berufseinstieg (77,3 %) zufrieden. Mit dem Umweltschutz und der Eingliederung Geflüchteter ist nur etwa die Hälfte der Jugendlichen zufrieden.

Silke Schendel

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