Energiewendestudie

“Energiewende – Irrtümer aufbrechen, Wege aufzeigen“

Die rund 100seitige Studie „Energiewende – Irrtümer aufbrechen, Wege aufzeigen“ des Büros eZeit-Ingenieure wurde im Auftrag des BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. unter Federführung des Architekten und Ingenieurs Taco Holthuizen und seinem Team erarbeitet. Eine ihrer wesentlichen Grundlagen ist ein Quartier der traditionsreichen Berliner Genossenschaft „Märkische Scholle eG“ mit Gebäuden u.a. aus den 1930er Jahren. Hierbei wurden in einem wissenschaftlich begleiteten Prozess unterschiedliche Dämmmaterialien und Heizsystemoptimierungen erprobt und die Ergebnisse systematisch ausgewertet. Da diese Gebäude aufgrund ihrer Bauweise exemplarisch für zahlreiche Bauten in ganz Deutschland stehen, sind die Ergebnisse gut übertragbar.

Die Studie weist z. B. nach, wie ökologisch und ökonomisch höchst sinnvoll dezentrale Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Energie sowie thermische und elektrische Vernetzung im Quartier sein können. In Kombination mit einem effizienten Monitoring- und Energiemanagementsystem sowie unter Einbeziehung der Ressourcenfrage wird so das – aus Klimaschutz-Perspektive wenig zielführende – Primat der Energieeinsparung durch Wärmedämmung schnell auf ein angemessenes Maß reduziert.

Hierfür benötigen wir jedoch eine umfassende Neuausrichtung der Klima- und Energiepolitik – für eine Wende der Energiewende. Entsprechende Ansatzpunkte zeigt die Energiewende-Studie ausführlich auf:

CO2-Einsparung als Effizienzmaßstab
Fokussierung auf Ergebnisse (= CO2-Minderung) statt auf Instrumente. Statt Energiekennwerte sollten deshalb CO2-Emissionen zu Zielwerten der Energiewende in der Wohnungswirtschaft gemacht werden. Wesentlicher Maßstab sowohl in den gesetzlichen Grundlagen der Energiewende als auch für die gesamte Fördersystematik muss sein, wie viel CO2 durch die jeweiligen Maßnahmen eingespart wird. Dabei müssen auch Lebenszyklus- und Nachhaltigkeitsbetrachtungen eine zentrale Rolle spielen. Wichtig ist dabei auch die Berücksichtigung der Gesamteffizienz (= Maßnahmen im Quartier statt nur an Einzelgebäuden).

Technologieoffenheit
Um die Energiewende effektiv und bezahlbar zu machen, muss bei jedem Neubau- oder Modernisierungsprojekt der Wettbewerb um die jeweils beste Lösung möglich sein. Auch hier muss gelten: Erster Maßstab zur Bewertung des Nutzens und der Förderfähigkeit von Maßnahmen ist die Menge des damit langfristig eingesparten CO2.

Fokus Erneuerbare
Die direkt am Gebäude „gratis“ zur Verfügung stehende Umweltenergie – z.B. in Form von Sonne, Erdwärme, Umweltwärme, Abwärme oder Wind – ist immens. Sie ist ein wesentlicher Schlüssel sowohl zum Gelingen der Energiewende als auch für günstige Heiz- und Energiekosten und muss daher noch wesentlich stärker als bisher genutzt werden können – auch durch Lösung der derzeit noch bestehenden Steuerungs- und Speicherprobleme. Darüber hinaus müsste auch das Energiewirtschaftsrecht an die Bedürfnisse der Wohnungswirtschaft angepasst werden, um die in der dezentralen Energieerzeugung und -verteilung schlummernden CO2-Einsparungspotenziale zu erschließen. Ökologisch und ökonomisch höchst sinnvolle Konzepte werden nach wie vor durch einen für den Gebäudesektor ungünstigen Gesetzesdschungel be- und verhindert.

 
Monitoring
Eine transparente und wissenschaftliche Auswertung der Verbrauchswerte im Gebäudebereich ist sinnvoll, um die Stellschrauben der Energiewende evaluieren zu können. Hierfür sind sowohl bundeseinheitliche Monitoring-Standards als auch eine entsprechende Anpassung der Heizkostenverordnung notwendig.

Ganzheitlichkeit

  • Betrachtung der gesamten Volkswirtschaft mit Ursache-Wirkungs-Ketten – keine Verschiebung von Einsparungslasten von einem Sektor in den anderen (wie z.B. durch die derzeitige Bevorzugung ausgerechnet von energieintensiven Industrien)
  • Berücksichtigung der Kostenfolgen von Vorschriften auf das Wohnen (sowohl in Form der Kosten für bauliche Maßnahmen, als auch auf den Flächenverbrauch, als auch z.B. von Kosten für die Energieversorgung)
  • Echte Kopplung von Wirtschafts- und Energiesektoren (z.B. Gewerbe, Wohnen, Energieerzeugung [Wärme und Strom], Verkehr, …) statt Festlegung von separaten, miteinander nicht in Wechselwirkung stehenden Einzelzielen je Sektoren (z.B. könnten durch sparsamere Dämmungen im Wohnungsbereich sowohl in Industrie als auch Verkehr erhebliche Energie-, Ressourcen- und CO2-Einsparungen erzielt werden).
  • Berücksichtigung auch von „Grauer Energie“ (= Ressourcen- und Energieaufwand zur Herstellung z.B. von Dämmung) in die Gesamt-Effizienzbetrachtungen

Die Wohnungswirtschaft bekennt sich zu einer sozial verträglichen, wirtschaftlich tragfähigen und in diesem Sinne gerechten Energiewende und ist bereit, zu ihrem Gelingen weiterhin einen wichtigen Beitrag zu leisten. Deshalb hoffen wir, eine intensive Diskussion über die Erfolgsfaktoren der Energiewende anzuregen – um sie so durch mehr Effizienz zukunftsfest zu machen. Diskutieren Sie über das Thema „Energiewende“ in unserem Forum.

Die ausführliche Studie „Energiewende – Irrtümer aufbrechen, Wege aufzeigen“ steht in unserem Downloadbereich kostenfrei zum Abruf zur Verfügung.

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Informationen zum Thema Energieeffizienz
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