Auch die dritte – und für 2011 letzte – Veranstaltung von "ZUKUNFT findet STADT" war ein Erfolg. Vor rund 150 Gästen diskutierten am 25. August Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, degewo-Vorstandsmitglied Frank Bielka, Berliner Zeitung-Redakteurin Sabine Rennefanz und IDEAL-Vorstandsmitglied Michael Abraham die Frage: Ist Berlin im Metropolenalltag angekommen?
Zuweilen kann der Eindruck entstehen, als sei den Berlinern die dynamische Entwicklung ihrer Stadt gar nicht immer so willkommen ist. Ein Anzeichen hierfür ist nicht nur die Touristen- und Zugezogenen-Schelte, die sich mittlerweile sogar in einigen Medien wiederfindet. Darauf schließen lässt auch die öffentliche Diskussion um wohnungspolitische Themen, in der Modernisierung von Wohnungen und Quartieren schnell zur "Gentrifizierung" wird; oder die Diskussionen um die Mietenhöhe, die auch dann hoch emotional geführt wird, wenn diese für eine Metropole deutlich unterdurchschnittlich ist. "Gerade vor diesem Hintergrund sollte die Politik eine Leit- und Vorbildfunktion übernehmen und Visionen für eine gemeinschaftliche Zukunft entwickeln", so BBU-Vorstandsmitglied Maren Kern in ihrer Begrüßung. Stadt im Aufbruch – Stadt im UmbruchIn seinem Einführungsvortrag zeichnete der renommierte Stadtsoziologe Prof. Hartmut Häussermann von Berlin das Bild einer Stadt im Umbruch. Unter der Überschrift "Aufwertung – Mischung – Gentrifizierung" beschrieb er grundlegende Veränderungen in der Arbeitswelt, die erhebliche Auswirkungen auch auf Stadtgesellschaft und Wohnwelt haben.Charakteristisch sind dabei zwei widersprüchliche Entwicklungsströmungen. Zum einen nimmt der Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitskräften in einer wissensbasierten Stadtökonomie zu. Weite Teile der wachsenden Wohnraumnachfrage Berlins haben daher ihren Ursprung in jungen Akademikern, die zur Ausbildung oder zum Arbeiten nach Berlin ziehen. Gemein ist ihnen auch, dass für sie die Grenzen zwischen Wohnen und Arbeiten zunehmend verschwimmen und ein hohes Maß an beruflicher und räumlicher Mobilität erwartet wird. Aus dieser Perspektive ist diese Gruppe relativ homogen. Zum anderen aber schreitet die Ausdifferenzierung des Beschäftigungsmarktes immer weiter fort; und mit ihr eine Polarisierung der Einkommen, auch und gerade bei den jüngeren Berufstätigen.Die Folge dieser gegenläufigen Entwicklungen: Kulturell einflussreiche Nachfragergruppen mit sehr ähnlichen Lebensstilen, aber sehr unterschiedlicher Ressourcenausstattung konkurrieren um den gleichen Wohn- und Stadtraum. Im Verlauf dieser Konkurrenz geraten eingesessene Bewohnergruppen unter Druck. "Hier können dann soziale Entmischung und Segregation die Folge sein", so die Zusammenfassung des Wissenschaftlers.Was ist zu tun?Bei der Podiumsdiskussion mit Moderator Alfred Eichhorn ging es auf Grundlage des Impulsvortrags dann um die Frage: Ist Berlin gewappnet, um seine Metropollenrolle aktiv zu gestalten?Nach der bei dieser dritten "ZUKUNFT findet STADT"-Veranstaltung besonders intensiven Diskussion auf dem Podium und mit dem Publikum blieb am Schluss der Eindruck: Dem Land Berlin mangelt es nicht an Konzepten zu verschiedensten Aspekten der Stadtentwicklung. Allerdings ist dabei nicht immer eine einheitliche und vor allem auch einende Handschrift zu erkennen. Präsentationsunterlagen von Prof. Häussermann zum Download Gesamtaufnahme der Veranstaltung (Audiomitschnitt)
Downloads
18EA1F2_11-08-25%20Zukunft%20findet%20Stadt%20-%20Gentrifizierung
PDF
162
18EA1F6_25082011_1
MP3
201.82 KB
Ansprechpersonen