Am 17. August versammelten sich über 100 Teilnehmer aus den Reihen der BBU-Mitgliedsunternehmen, den Landkreisen und kreisfreien Städten, den Senioren- und Behindertenorganisationen und den Sozialverbänden zum Workshop "Wohnen im Alter und bei Behinderung" im BlauArt Tagungshaus in Potsdam-Hermannswerder.
Welche Anforderungen stellen älterer und behinderter Menschen an ein eigenständiges Leben und damit verbundene Unterstützungs- und Beratungsangebote? Wie können Wohnungsunternehmen ihre Bestände nicht nur tauglich, sondern attraktiv machen für dieses spezielle Mieterklientel? Diese angesichts der demografischen Entwicklung immer wichtiger werdenden Fragen standen im Mittelpunkt der vom Arbeitskreis Wohnberatung und Wohnraumanpassung des Landes Brandenburg organisierten Tagung. Der Arbeitskreis ist das erste überregionale Netzwerk dieses Themenschwerpunkts in Brandenburg. Er wird getragen vom Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung, dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie, vom BBU, den Senioren- und Behindertenverbänden sowie den Wohnungsanpassungsberatungsstellen des Landes Brandenburg. Neben einer Reihe von Fachvorträgen berichteten im Rahmen des Workshops Wohnungsunternehmen aus der Praxis über ihre Strategien zur Bindung und Gewinnung älterer Mieter.In ihren einleitenden Worten setzten sich Eva Kunz, Leiterin des Referates 23 Altenpolitik, Pflege nach SGB XI, Heimaufsicht und soziale Dienste im MASGF und Ingrid Even-Pröpper, Leiterin des Referates 22 Stadtumbau, integrierte Quartiersentwicklung im MIR, aus Sicht ihrer Ministerien mit der demographischen Entwicklung auseinander. Im Anschluss erläuterte Dr. Wolfgang Schönfelder. Leiter der BBU-Landesgeschäftsstelle Potsdam, die Situation der Mitgliedsunternehmen des Verbandes im Spannungsfeld zwischen Stadtumbau, betriebswirtschaftlicher Effektivität und Anpassung an die demographischen Herausforderungen. Er stellte die Trends der künftigen Entwicklung der Branche vor und machte deutlich, dass die Wohnung, das Wohnumfeld und immer mehr die wohnbegleitenden Dienstleistungen die Hauptfelder der Aktivitäten der Wohnungsunternehmen seien. Dabei wären eine Reihe von Aspekten einflussreich: Die weitere Ausdifferenzierung der regionalen Wohnungsmärkte werde zu sich ebenfalls weiter ausdifferenzierenden Wohnungsbedarfen führen. Gleichzeitig sei mit dauerhaft eher sinkenden Einkommen und einer zunehmenden Konkurrenz der Bedürfnisse Wohnen, Pflege, Gesundheit, Freiheit, Essen und Trinken bei der Verteilung der zur Verfügung stehenden Finanzen der Mieter zu rechnen. Für die Wohnungsunternehmen sei der Trend, dass ältere Menschen so lange wie möglich selbstbestimmt in ihrer eigenen Wohnung leben möchten, von entscheidender Bedeutung. Um ihm gerecht zu werden, entwickelten sie zunehmend spezifische Angebote. Die Erkenntnisse und Erfahrungen der Branche mit dem Wohnen im Alter und bei Behinderung hätten gezeigt, dass im Sinne des möglichst lebenslangen, selbstständigen Wohnens in der Mietwohnung rechtzeitig entsprechende Vorkehrungen getroffen werden müssten. Dennoch sei seitens der Unternehmen ein Vorratsbau von Maßnahmen insbesondere zur individuellen Wohnungsanpassung an Behinderungen nur schwer umsetzbar, weil es nach wie vor schwierig sei, für eine behindertengerecht umgebaute Wohnung Akzeptanz bei anderen Kundengruppen zu finden. Wichtiger denn je sei heute der alte Grundsatz der Durchmischung, z.B. in Form der Integration von Wohngemeinschaften demenzkranker Menschen in altersgerecht hergerichteten Gebäuden oder das Zusammenleben jüngerer und älterer Menschen. Ein weiterer zentraler Aspekt sei die Kooperation mit spezialisierten Anbietern im Bereich der wohnbegleitenden Dienstleistungen, die sich in der Praxis bewährt habe und die auch kleine Vereine mit häufig hochspezialisiertem Angebot einbeziehe.Andrea Peisker, Behinderten- und Seniorenbeauftragte der Stadt Eisenhüttenstadt, erläuterte ihre Erfahrungen bezüglich des Bedarfs älterer Menschen an Wohnraum und den damit verbundenen Wohnformen. Sie definierte zunächst den Begriff „altersgerechtes Wohnen“ und führte aus, dass es unter Senioren drei verschiedene Grundhaltungen zur Wohnfrage gäbe. Ein Teil bevorzuge das selbständige Wohnen so lange wie möglich und gehe aktiv mit den Möglichkeiten zur Unterstützung dieses Ziels um. Eine zweite Gruppe plane eine Veränderung der Wohnsituation von Beginn an ein und strebe das Umziehen zur rechten Zeit an. Am weitesten verbreitet sei gegenwärtig jedoch die Auffassung, die sich erst dann mit der Wohnfrage beschäftige, wenn es sich nicht mehr vermeiden ließe. Zuvor werde das Thema weitgehend ignoriert, sodass in vielen Fällen dann der Umzug in ein Pflegeheim zur einzig möglichen Option werde. Aufgrund der hieraus für alle Beteiligten erwachsenden, negativen Folgen sei es wichtig, die ersten beiden Orientierungen zu stärken und zu unterstützen.Im Anschluss stellten die BBU-Mitgliedsunternehmen in den Themenkomplexen „Neubau in schwierigen Zeiten“, „Umgestaltung im Bestand“ und „Modelle wohnbegleitender Dienstleistungen“ die Fülle der Aktivitäten, mit denen sie sich den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stellen, anhand ausgewählter Beispiel vor.So berichtete in der ersten Gruppe Wolfram Gay, Sprecher des Vorstandes der Potsdamer Wohnungsgenossenschaft „1956“ e.G., über sein Neubauprojekt altersgerechter Wohnungen in der Stadtmitte Potsdams, im Französischen Viertel. Rainer Drost, Geschäftsführer der SEWOBA GmbH Seelower Wohnungsbaugesellschaft, verdeutlichte, wie es gelang, den Neubau von altersgerechten Wohnungen im Oderbruch umzusetzen und dafür entsprechende Mieter zu gewinnen. Hans-Joachim Erlecke, Geschäftsführer der Gebäude- und Wohnungswirtschaft GmbH Zehdenick, stellte dar, wie Neubau und Veränderung im Bestand in Zehdenick erfolgreich kombiniert werden konnten. Er hatte dafür sowohl neugebaute Eigenheime zur altersgerechten Nutzung, als auch die Rekonstruktion eines Altbaus im Zentrum seiner Stadt als Beispiel dabei. Ein Schwerpunkt seiner Ausführungen bestand darin, aufzuzeigen, wie bürokratische Hemmnisse, insbesondere der Bauaufsichtsbehörden, schnelle und intelligente Entscheidungen zu Gunsten der älteren Menschen behindern.Wie man Stadtumbau und altersgerechtes Wohnen im Spreewald verbinden kann, erläuterte Michael Jakobs, Geschäftsführer der WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald mbH Lübbenau in der zweiten Gruppe, gefolgt von Bernd Jarczewski, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft mbH Oranienburg, der in seinem Beitrag verdeutlichte, warum man Wohnungsanpassung als gleitenden Prozess in einem kommunalen Unternehmen organisieren muss. Helmut Barsch, Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugenossenschaft Schwedt e.G., schließlich wandte sich in seinem Beitrag „Den Älteren Sitz und Stimme geben“ dem Seniorenverein als Mittel zur Einbindung älterer Menschen in seiner Genossenschaft zu und erläuterte die gemachten Erfahrungen.In der dritten Gruppe stellte zunächst Engelbert Mothes, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Rüdersdorf, die anforderungsgerechte Wohnungsmodernisierung für das selbstbestimmte Wohnen behinderter Menschen in seiner Stadt dar. Ihm folgte Achim Wegeleben, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Erkner, der die Umgestaltung von Wohnungen zum selbstbestimmten Wohnen demenzkranker Menschen aus der Sicht des Eigentümers in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte. Ergänzt wurde dieser Beitrag von Gudrun Jager, Eichhörnchen e.V. Erkner, die aus der Sicht des Dienstleisters die Problematik erläuterte.Den Abschluss des Workshops bildete Angelika Winkler von der Alzheimer Gesellschaft des Landes Brandenburg, die ihre Erfahrungen und Anforderungen an ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz zusammenfasste.Das Referat von Dr. Wolfgang Schönfelder und ausgewählte Beiträge der BBU-Mitgliedsunternehmen sind als PDF-Datei abrufbar. Referat von Dr .Wolfgang Schönfelder Vortragsfolien von Dr. Wolfgang Schönfelder Vortrag von Hans-Joachim Erlecke, Geschäftsführer der Gebäude- und Wohnungswirtschaft GmbH Zehdenick: "Neubau und Veränderungen im Bestand erfolgreich kombinieren in einer Kleinstadt am Rande des Speckgürtels" Vortragsunterlagen der Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 eG: "Neubau von altersgerechten Wohnungen in der Stadtmitte der Großstadt" Vortragsunterlagen der Wohnungsbaugesellschaft Rüdersdorf mbH: "Anforderungsgerechte Wohnungsmodernisierung für das selbst bestimmte Wohnen behinderter Menschen" Michael Jakobs, Geschäftsführer der WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald mbH: "Wie man Stadtumbau und altersgerechtes / seniorenfreundliches Wohnen im Spreewald verbinden kann" Bernd Jarczewski, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft mbH Oranienburg: "Warum man Wohnungsanpassung als gleitenden Prozess organisieren muss"
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2E42A_Vortrag%20zum%20Workshop%20Wohnen%20im%20Alter%20und%20bei%20Behinderung%201.
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