Ungeachtet der konjunkturellen Turbulenzen schätzen die Unternehmen in der Wirtschaftsregion Berlin und Brandenburg ihre aktuelle Situation nach wie vor recht gut ein. Das geht aus der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern beider Bundesländer hervor.
Danach sprechen derzeit noch fast 80 Prozent der Berlin-Brandenburger Unternehmen von einer guten bzw. zufriedenstellenden Geschäftslage. Allerdings hat sich das Bild speziell in den Bereichen Industrie, Dienstleistungen und Verkehr eingetrübt. In der ersten Januarhälfte 2009 sind insgesamt 4.700 Unternehmen der Branchen Industrie, Handel, Dienstleistungen, Verkehr und Bauwirtschaft befragt worden. Der Nachfragerückgang in einzelnen Branchen sowie die allgegenwärtig spürbare Verunsicherung lassen auch die Unternehmer der Metropolregion von den weltwirtschaftlichen Entwicklungen nicht unberührt. So blicken sie eher mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Der Saldo aus positiven und negativen Geschäftserwartungen verringerte sich gegenüber der Vorjahresumfrage um 36 Prozentpunkte. Die Erwartungshaltung der Dienstleistungsunternehmen ist im Branchenvergleich noch am wenigsten von Pessimismus geprägt. Vor allem bei den Industrie- und Verkehrsunternehmen ist eine starke Eintrübung der Zukunftserwartungen zu verzeichnen. Die Folge ist ein signifikanter Rückgang des länderübergreifenden Konjunkturklimaindexes, der sich aus den Einschätzungen der Unternehmen zur aktuellen Lage sowie ihren Zukunftserwartungen zusammensetzt. Nach 119 Punkten im Vorjahr erreicht der Index aktuell einen Wert von 86 Punkten. In 2008 war die Wirtschaft in Berlin und Brandenburg zunächst auf einem guten Weg. Die Finanz- und Konjunkturkrise haben das Ergebnis dann allerdings gedrückt. Die Tendenz zum Abschwung spiegelt sich auch bei den Unternehmern wider. Zwar beurteilen gegenwärtig noch 27 Prozent der Unternehmen in der Region ihre Lage als gut. Aber gut ein Fünftel ist überhaupt nicht zufrieden – fast doppelt so viele wie vor einem Jahr. Dennoch gibt es aktuell keine Kreditklemme, auch wenn nach der Umfrage etwa ein Fünftel der Unternehmen Verschlechterungen der Kreditkonditionen beklagen. Die Personalplanungen zeigen, dass die Mehrheit von rund drei Vierteln der Unternehmen ihren Personalbestand auch in 2009 halten oder sogar ausbauen will. Dennoch kann die lang anhaltende Erholungsphase auf dem Arbeitsmarkt 2009 nicht fortgesetzt werden. Rund jedes vierte Unternehmen sieht sich in den nächsten Monaten gezwungen, den Personalbestand zu verringern. Deutlich ist jedoch das Bestreben der Unternehmen, ihre Fachkräftebasis bis zur nächsten Konjunkturbelegung zu sichern. Das unterstreicht die Tatsache, dass in Berlin und Brandenburg 62 Prozent der Unternehmen von gleichbleibenden und 11 Prozent sogar von zunehmenden Beschäftigtenzahlen ausgehen. Angesichts der unsicheren Zukunftserwartungen hat sich auch die Investitionsbereitschaft etwas eingetrübt. Gerade die Investitionsabsichten sind ein wichtiger Indikator für die zukünftige konjunkturelle Entwicklung. Immerhin jedes zweite Unternehmen in Berlin und Brandenburg plant für 2009 mit gleich bleibenden bzw. steigenden Investitionen. Rund ein Drittel rechnet mit rückläufigen Investitionsausgaben, und nur 13 Prozent wollen angesichts der aktuellen Lage nicht investieren.