Im Rahmen eines Stencil-Workshops der Programmreihe KiezKids am 18. Dezember 2015 lernten die Jugendlichen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak den Umgang mit den Schablonen: Gemeinsam mit
dem Künstler Christian Rothenhagen aka deerBLN entwickelten sie ihre eigenen Gestaltungsideen. Unter professioneller Anleitung übten die jungen Flüchtlinge das Schneiden von Schablonen, den Umgang mit Sprühfarben und setzten ihre künstlerischen Entwürfe gleich um, auch auf T-Shirts.
Mansoor (17) aus Afghanistan drückt auf seinem Shirt aus, was sich alle wünschen: „Frieden“. Seit einer Woche lernt er Deutsch und mischt schon Englisch mit den ersten deutschen Worten. Khalid ist 16 Jahre und sein erstes deutsches Wort war „Entschuldigung“. Seit zwei Monaten ist er in Berlin und freut sich über jede Gelegenheit, andere Leute zu treffen und Deutsch zu sprechen: „Ich komme aus Deutschland und spreche ein bisschen.“ Den Weihnachtsbaum findet er bunt und schön.
Auch Samim (16) hat eine abenteuerliche Flucht aus Afghanistan hinter sich – und ist dabei sogar weite Strecken geschwommen. Während er sein persönliches Lebkuchen-Traumhaus dekoriert, erzählt er, wie sehr er seine Familie vermisst. Er will in Deutschland so schnell wie möglich zur Schule gehen, um später Ingenieur zu werden.
Die Begeisterung aller jungen Flüchtlinge, sich künstlerisch ausdrücken zu können, ist spürbar. Die Verständigung klappt munter auf Arabisch, Afghanisch, Kurdisch, Türkisch, Englisch und Deutsch. Am Ende werden die individuell gestalteten T-Shirts stolz vor dem geschmückten Weihnachtsbaum präsentiert.
Das Office von URBAN NATION in der Schöneberger Bülowstraße 97 ist offen für alle und inzwischen ein fester Anlaufpunkt für Jugendliche aus dem Kiez. Durch Workshops wird Streetart als Kunstform erlebbar – ganz ohne Berührungsängste. Der Stencil-Workshop ist ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von URBAN NATION, einem Projekt der Berliner Leben, einer Stiftung der Gewobag, und den Kiezkoordinatoren der Gewobag MB, ‚Outreach – Mobile Jugendarbeit Berlin’ und nationalen und internationalen Künstlern.
Ümit Baygül von Outreach: „Wir haben den geflüchteten Jugendlichen die Streetart im Kiez gezeigt und erklärt: Das haben Künstler gemacht, die treffen wir jetzt. Die Jugendlichen erhalten einen ersten Eindruck von der Kultur Berlins, sie sollen alle Facetten erleben. Alles ist neu für sie – und sie sind begeistert.“
Kerstin Kirsch, Geschäftsführerin der Gewobag MB Mieterberatungsgesellschaft: „Wir wollen junge Menschen im und um den Kiez für Kunst begeistern. Über Begegnung und Aktion können wir Identifikation und lebendige Nachbarschaften schaffen. Der lange geplante Workshop richtete sich an die Kids im Kiez. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie schnell sich Berlin verändert – und die geflüchteten Jugendlichen aus Afghanistan und Syrien, Christen und Muslime, die beim Workshop dabei waren, gehören nun dazu.“
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