Sinkende Bevölkerungszahlen, steigendes Durchschnittsalter der Bevölkerung: Die Fakten des demografischen Wandels sind mittlerweile überall in Ostdeutschland hinreichend bekannt. Was diese Entwicklung allerdings für die persönlichen Umstände der Menschen vor Ort bedeutet und wie deren Wünsche für das Wohnen im Alter aussehen, wollte die Stadt Cottbus nun mit einer Befragung ihrer Bürger herausfinden.
Insbesondere im Osten Deutschlands verlassen nach wie vor Berufsanfänger und Arbeitssuchende die Städte und Gemeinden, um ihren Lebensunterhalt andernorts zu verdienen. Die zum Teil hilfebedürftigen Eltern bleiben zurück. Dies stellt hohe Anforderungen an die pflegerische und altersgerechte Versorgung in der Stadt. Wie hierbei die Vorstellungen und Wünsche der Bewohner aussehen, hat der Fachbereich Soziales der Stadtverwaltung versucht, durch eine Befragung herauszufinden. Dazu wurden Teilnehmer, Besucher und Akteure der Pflegewoche der Stadt Cottbus aufgefordert, an einer Befragung teilzunehmen. Von den 2.000 ausgegebenen Fragebögen wurden insgesamt 650 ausgefüllt und ausgewertet. Sie stellen einen Querschnitt der Bevölkerung verschiedener Altersgruppen dar, wobei jedoch nur ein Drittel der Befragungsteilnehmer männlich waren. Zunächst überraschend: Etwa 75 Prozent aller Befragten haben bereits über ihre Wohnsituation im Alter nachgedacht. Konkrete Vorstellungen haben bei den bis 50-Jährigen etwa 20 Prozent, unter den über 50-Jährigen sind es etwa 30 Prozent. Dass sich über ein Viertel aller Befragten mit der Thematik beschäftigt, aber noch zu endgültigen Entscheidung gekommen ist, zeigt nach der Interpretation der Studienautoren, dass die Veränderung der Angebote verschiedenster Wohnformen wahrgenommen wird. Neue Wohnformen im Alter, wie Wohngemeinschaften und betreutes Wohnen, würden neben der traditionellen Form auch als Möglichkeiten in Betracht gezogen.Wertigkeit der eigenen Wohnung Der Großteil der Befragen, nämlich etwa zwei Drittel, möchten den Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen. Um diesem Wunsch entgegenzukommen, sind viele Vermieter dabei, Barrieren in ihren Beständen abzubauen und sie so möglichst lange für ältere Menschen bewohnbar zu machen. Auch der Abschluss von Vereinbarungen zwischen Pflegedienstanbietern und Vermietern verbessere die örtlichen Gegebenheiten für die Mieter erhelblich, so die Studie. Eine Alternative zum Wohnen in der eigenen Wohnung stellt für viele Betroffene jedoch auch das betreute Wohnen: Etwa ein Fünftel der Befragten kann sich dies gut vorstellen. Nur etwa fünf Prozent möchten dagegen im Seniorenheim ihren Lebensabend verbringen.Alters-Wohngemeinschaften eine Alternative? Der Vielgestaltigkeit der Angebote für Alterswohngemeinschaften, Wohngemeinschaften für psychisch Kranke und Demenzerkrankte steht die Skepsis der älteren Bürger gegenüber: Auf die Frage, ob sie sich eine Wohngemeinschaft für Ältere vorstellen könnten, antworten etwa je ein Drittel mit ja bzw. nein. Nimmt man diejenigen, die dies als echte Alternative betrachten, und diejenigen, die sich das vielleicht vorstellen könnten, zusammen, so kommt diese Wohnform für etwa zwei Drittel aller Befragten in Betracht. Dies lässt auf einen großen Bedarf und insbesondere auch Informationsbedarf schließen.Ansprüche an das Wohnumfeld Bei der Wahl ihres Wohnumfeldes standen den Befragten fünf Kriterien zur Auswahl zur Verfügung: Neben der guten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel wurde die Bedeutung der Nähe von Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten, Freizeit- und Kulturangeboten sowie guter Parkmöglichkeiten abgefragt. Das Ergebnis zeigt, dass die Befragten am ehesten bereit sind, im Alter auf gute Parkmöglichkeiten und Freizeitangebote zu verzichten. Hier antworteten sie überproportional häufig mit "nicht so wichtig". Am wichtigsten erscheint den Befragten, dass es in ihrem näheren Umfeld gute Einkaufsmöglichkeiten und eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel gibt. Auch die Nähe zu Ärzten wird als wünschenswert eingestuft. Ansprüche an die Ausstattung der Wohnungen Was gehört nach Ansicht der Cottbuser Bürger zu einer alters- bzw. behindertengerechten Ausstattung der Wohnung? An erster Stelle der steht bei den Befragten die Ausstattung mit einem Aufzug, gefolgt von stufenfreien Wohnungen und dem Vorhandensein eines Hausnotrufsystems. Relativ häufig werden auch zusätzliche Haltegriffe und eine gute Beleuchtung im Treppenhaus genannt. Am wenigsten wichtig wird dagegen ein Pförtnerdienst eingestuft. Hilfeangebote Neben der Ausstattung des Wohnraumes und des Wohnumfelds sind begleitende Hilfen ein Schwerpunkt für das Wohnen im Alter. Dabei wurde von den Befragten am häufigsten angegeben, dass sie eine Haushaltshilfe genutzt nutzen würden, dicht gefolgt von Nachbarschaftshilfe und "Essen auf Rädern". Am wenigsten wurde der Handwerkerdienst nachgefragt. Eine Wohnberatung zur Unterstützung der Wohnraumsanpassung würden zwei Drittel der Befragungsteilnehmer sicher oder vielleicht in Anspruch nehmen. Nur ein Drittel schließt dies für sich aus.Download der gesamten Befragungwww.freiwilligenagentur-cottbus.de | Publikationen
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