STRATEGISCHE NEUAUSRICHTUNG DES BERLINER QUARTIERSMANAGEMENTS

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Berlins Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, hat in einer Pressekonferenz am 17. März die strategische Neuausrichtung des Berliner Quartiersmanagements vorgestellt. Sie sei sicher, dass mit dieser weiterhin eine erfolgreiche Politik der sozialen Stadtentwicklung verwirklichen werden könne, hieß es in einer Presseerklärung. Das gelte gerade für die Gebiete, in denen es in der Vergangenheit zu problematischen Entwicklungen gekommen sei und denen jetzt verstärkt präventiv gearbeitet werden solle. Dabei gehe es um die Beteiligung aller Akteure in einem Gebiet. Die "starken Partner", z.B. die Wohnungsbaugesellschaften, Vereine, Kirchengemeinden und besonders wichtig die Schulen, sollen dabei eine bedeutende Rolle übernehmen. Neben den Quartiersverfahren müsse es aber auch aus anderen Politikbereichen eine deutliche Konzentration von Mitteln und Maßnahmen auf die benachteiligten Gebiete geben. Bei der Umsetzung der Stabilisierungs- und Aufwertungsstrategien seien alle Senatsverwaltungen und die Bezirke in der Pflicht und Verantwortung, ressortübergreifend tätig zu werden und ihre Mittel zu bündeln. Noch vor den Sommerferien sollen die Bewohner mit Start- und Auftaktveranstaltungen wie Stadtteilkonferenzen mit den neuen Verfahren bekannt gemacht werden. Die Neuausrichtung stütze sich auf die Auswertung des Quartiersmanagementverfahrens seit 1999 und das Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2004, so Junge-Reyer. Zur Verbesserung der Lebenschancen in benachteiligten Quartieren sollen sich die Maßnahmen und Projekte noch mehr auf Integration, Bildung und die Förderung von Erwerbsarbeit konzentrieren. Flankierend könnten aber auch baulich-investive Maßnahmen erheblich zur Aufwertung der benachteiligten Gebiete beitragen. Künftig solle mit gebietsbezogenen Instrumenten der sozialen Stadtentwicklung unter dem Oberbegriff "Quartiersverfahren Soziale Stadt" mit vier differenzierten Handlungspaketen eingegriffen werden:Kategorie I: Quartiersmanagementverfahren als etablierter InterventionsansatzDieses Quartiersmanagementverfahren komme in Gebieten zum Einsatz mit überdurchschnittlich hohen Anteilen von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern, hohem Ausländeranteil, einer starken  Zunahme dieser Anteile sowie einer außergewöhnlich hohen Mobilität der Bewohnerschaft (hohes Wanderungsvolumen, negative Wanderungssalden). Ziel sei es, das Sozialgefüge zu stabilisieren, Anonymität aufzulösen, soziale Kontrolle aufzubauen und eine Basis für das Engagement von interessierten Bewohnern zu schaffen. Die Menschen sollten die Fragen ihres Wohnumfeldes, der Situation des öffentlichen Raumes und des Zusammenlebens im Quartier als ihre eigene Sache begreifen und dazu befähigt werden, das Gemeinwesen selbst zu organisieren (Empowerment). Dazu geeignete Maßnahmen sollen durch Mittel aus dem Bund-Länder-Programm Soziale Stadt sowie aus EU-Mitteln unterstützt werden. Zusammen mit den Bezirken sei die Ausweitung von zwei bestehenden Gebieten vereinbart worden, ebenso die Einrichtung eines neuen  QM-Gebiets im Norden Neuköllns. Kategorie II: Stadtteilmanagementverfahren Intervention - SMV IDieses Verfahren werde in Quartieren, die aufgrund des Monitorings Soziale Stadtentwicklung ähnliche Problemlagen wie die bisherigen QM-Gebiete aufweisen, in denen aber noch keine Verfahren etabliert sind, eingesetzt . Mit der Unterstützung durch "starke Partner" solle es in sechs Gebieten in den Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln eingeführt werden. Diese Partner könnten Wohnungsbaugesellschaften, bestehende und im Gebiet integrierte Stadtteilzentren und Nachbarschaftsheime sein. Sehr wichtig sei die Einbeziehung der Schulen und der ortsansässigen Wirtschaft. Mit dem Verfahren sollten die Quartiere aufgewertet und stabile nachbarschaftliche Strukturen gefördert werden. Es stütze sich auf die fünf Strukturmerkmale des QM (Team vor Ort, Steuerungsrunden, Empowerment/Bürgerbeteiligung, integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept, Beteiligungs-, Aktivierungsfonds). Das SMV Intervention verfüge über einen Integrationsfonds von ca. 100.000 Euro sowie einen lnterventionsfonds von ca. 150.000 Euro im Jahr. Kategorie III: Stadtteilmanagementverfahren Prävention - SMV PDieses Verfahren komme in problematischen Gebieten des Monitorings Soziale Stadt zum Einsatz. Es stelle ein weiteres neues Verfahren dar, das besonders an bestehende Netzwerke anknüpft. Begünstigende Rahmenbedingungen sollen für eine erfolgreiche Arbeit im Sinne der sozialen Aufwertung und der Stabilisierung des Quartiers sorgen. Das Verfahren stütze sich ebenfalls auf die fünf Strukturmerkmale des QM. Es verfüge über einen Integrationsfonds von ca. 100.000 Euro und binde das Engagement der "starken Partner" in das Verfahren ein. Verabredet sei die Einrichtung von elf Verfahren in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Spandau, Neukölln und Marzahn-Hellersdorf. Kategorie IV: Bewohnergetragene VerfahrenIn den Gebieten, in denen eine deutliche Verbesserung der sozioökonomischen Situation festgestellt werden konnte, müsse die Quartiersarbeit verstetigt und in die Hände der sich selbst organisierenden Bewohnerschaft übergeben werden, so Junge-Reyer. Ziel sei, durch geeignete Verfahren die Bürger zu Trägern der Entwicklung zu machen. Hierbei sollen Initiativen unterstützt werden, die durch die Bewohnerschaft initiiert und begleitet werden. Das Verfahren konzentriere sich auf diesen Übergangsprozess. Für eine Einstufung in diese Kategorie seien die Quartiere um den Boxhagener Platz in Friedrichshain-Kreuzberg vorgesehen. Die "starken Partner", wie z.B. die Wohnungsbaugesellschaften, seien an einer nachhaltigen Bestandsentwicklung zur Aufwertung der Siedlungen und einer Stabilisierung nachbarschaftlichen Zusammenlebens stark interessiert.