Am 25. Juli legte die Wirtschaftsauskunftei Schufa die Ergebnisse des ersten Berliner Schuldenkompasses vor, ein vierstufiges Risikostufen-Modell. Nach ihm fallen rund 165.000 Berliner Haushalten (5,89%) in die Risikostufe "Rot", zu der die Personenmerkmale Eidesstattliche Versicherung, Haftbefehl zur Abgabe einer Eidesstattlichen Versicherung oder Privatinsolvenz zählen.
Unter den deutschen Großstädte ist Berlin damit diejenige mit den meisten überschuldeten Haushalten. Hätte man zusätzlich alle Inkassoverfahren einbezogen, wäre deren Anteil doppelt so hoch ausgefallen, so die Schufa.Bezogen auf alle deutschen Stadt-/Landkreise befindet sich Berlin an 22. Stelle. An erster Stelle steht Pirmasens in Rheinland-Pfalz mit 8,3 Prozent, an letzter Stelle Starnberg mit lediglich 1,7 Prozent. Im Ranking der Großstädte folgen Berlin Essen auf Platz zwei (5,4%) und Dortmund auf Platz drei (5,4%). In dem Pilotprojekt wurden im Auftrag der Senatssozialverwaltung erstmals speziell für eine Großstadt Daten über die Verschuldungssituation der privaten Haushalte gesammelt. Insbesondere junge Menschen seien in Berlin überdurchschnittlich oft verschuldet, so die Schufa weiter. Häufigster Auslöser einer Verschuldung seien bei den 20- bis 30jährigen nicht bezahlte Handyrechnungen, bei den 30- bis 40jährigen hingegen nicht fristgerecht bediente Kredite. Innerhalb Berlins sei der Anteil der Hochverschuldeten am höchsten in Neukölln (7,5%), am niedrigsten in Steglitz-Zehlendorf (3,4%).Die Senatssozialverwaltung bezeichnete vor allem die hohe Arbeitslosigkeit und den weit überdurchschnittlichen Anteil der allein Erziehenden als Hauptursache der hohen Privatverschuldung in Berlin. Der Einkommensverlust vieler langzeitarbeitsloser Menschen durch Hartz IV lasse eine weitere Verschärfung der Verschuldungssituation befürchten. Schon jetzt seien rund die Hälfte der Klienten der Berliner Schuldnerberatungsstellen Empfänger von Arbeitslosengeld II. Seit Anfang des Jahres sei der Anteil derjenigen Klienten der Beratungsstellen, die ihren Zahlungsverpflichtungen gar nicht mehr nachkommen konnten, von 44 auf 65 Prozent gestiegen.