Potsdam – "Dass die Schülerzahlen in den letzten zehn Jahren um über 40 Prozent zurückgegangen sind, ist ein Menetekel für das Land Brandenburg." Das sagte Ludwig Burkardt, Vorstandsmitglied beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU), heute vor dem Hintergrund der Veröffentlichung der neuesten Schülerzahlen. Auf die Städte des Landes kämen weitere Leerstandswellen zu.
Wurden 1998 im Land Brandenburg noch 376.863 Schülerinnen und Schüler gezählt, waren es nach den neuesten Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg im Schuljahr 2008/2009 nur noch 221.778. "Das ist ein Rückgang um fast 156.000 oder 41 Prozent", so Burkardt. In Berlin sei der Rückgang mit knapp 70.000 bzw. 18 Prozent deutlich geringer ausgefallen. Weitere LeerstandswellenIn den Jahrgängen der Sekundarstufe I sei die Zahl der Schülerinnen und Schüler seit 1998 um über 18.000 bzw. mehr als 42 Prozent gesunken. Burkardt: "Damit hat sich die Zahl potenzieller junger Eltern fast halbiert. Jetzt kommt der demografische Wandel mit aller Wucht zum Tragen." Vor diesem Hintergrund bestehe kein Zweifel daran, dass auf das Land Brandenburg weitere Leerstandswellen zukämen. Schon ab 2010 würden die Auftriebskräfte des Leerstandes wieder wachsen. Zu einer konsequenten Fortsetzung des Stadtumbaus gebe es daher keine Alternative. Burkardt: "Hierzu brauchen wir dringend eine Anschlussregelung in der Altschuldenfrage und eine Lösung bei den Neuschulden. Sonst droht der bislang erfolgreiche Stadtumbauprozess ins Stocken zu geraten." Kaum natürliche Besserung zu erwartenZwar sei erfreulich, dass die Schülerzahlen in den Grundschulen weitgehend stabil blieben. "Hier ist aber davon auszugehen, dass das Ergebnis durch die Zuzüglerfamilien in das Berliner Umland verfälscht wird", schränkte Burkardt ein. Zudem sänke die Zahl der Erstklässler seit dem Schuljahr 2005/2006 wieder. Burkardt regte an, die brandenburgischen Universitätsstandorte weiter zu stärken. Hier seien in den letzten zehn Jahren schon gute Erfolge erzielt worden. 2007 gab es mit rund 44.000 fast 70 Prozent mehr Studierende als 1998. Burkardt: "Gute Studienmöglichkeiten in Cottbus oder Frankfurt an der Oder können nicht nur einen kleinen Teil der Bevölkerungsverluste ausgleichen, sondern bieten jungen Menschen auch eine Perspektive." Unter dem Dach des BBU sind 365 Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften der Länder Berlin und Brandenburg vereint. Die BBU-Mitgliedsunternehmen bewirtschaften gut 1,1 Millionen Wohnungen. Das sind über 40 Prozent aller Mietwohnungen in Berlin und fast 50 Prozent der Mietwohnungen im Land Brandenburg.