Der Markt für Kabel-Boxen ist in Bewegung geraten, ARD und ZDF haben die von der Kabel Deutschland GmbH (KDG) angekündigte strategische Neuausrichtung begrüßt. Mit ihrem Verzicht auf Festschreibung und Prüfung umfangreicher Gerätespezifikationen setze KDG gegenüber der Industrie ein deutliches Zeichen, nun auch für den Kabelempfang – analog zu Terrestrik und Satellit – eine breite Angebotspalette an digitalen Empfangsgeräten (Set-Top-Boxen) herzustellen. Dazu gehörten auch einfache und preiswerte so genannte "Zapping-Boxen", die über ein Common Interface (CI) zugangsoffen gestaltet seien.
Positive Effekte auf die Marktentwicklung erwarten ARD und ZDF zudem von der Ankündigung der KDG, künftig auch keine Vorgaben zu elektronischen Programmführern (EPG) mehr machen zu wollen. Auch aus Sicht der Wohnungswirtschaft geht die neue Entwicklung grundsätzlich in die richtige Richtung. Ob die mit dieser Neuorientierung der KDG verbundenen Chancen für die Digitalisierung der Breitbandkabelnetze nun auch genutzt werden und insbesondere die privaten Anbieter einen weiteren Beitrag dazu leisten, bleibt allerdings abzuwarten.Die zusätzliche digitale Verbreitung aller jetzt im Kabel zu empfangenen Sender sowie das jetzt auch von der KDG verfolgte Prinzip der Selbstzertifizierung bei Kabel-Boxen sind die Ziele eines Ende Januar 2005 unter Beteiligung des Senats von Berlin vorgestellten Breitbandkabelprojektes „TV interaktiv 2006“. Zentrales Ziel des Konzeptes, das innerhalb der von der Bundesregierung ins Leben gerufenen INITIATIVE D21 Projektstatus hat und jetzt von der ANGA Verband privater Kabelnetzbetreiber vorgestellt wurde, ist die Erschließung von hochauflösenden Fernsehbildschirmen für interaktive Breitbanddienste. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung einer offenen Spezifikation für eine digitale Kabel-Set-Top-Box, mit der gleichsam die Ausschreibung für eine solche Box gestartet wurde. Die Set-Top-Boxen-Spezifikation, die insbesondere Kabelunternehmen und Herstellern eine Leitlinie an die Hand geben soll, sei unter aktiver Mitarbeit des Instituts für Rundfunkrecht (IRT) und unter Beteiligung der Programmveranstalter erstellt worden.Neben einem eingebauten (embedded) Conax-Verschlüsselungssystem sollen zwei Common Interface-Schnittstellen die Nutzung weiterer Verschlüsselungssysteme gewährleisten, wie zum Beispiel das von Premiere eingesetzte Nagra-System. Die Spezifikation sehe optional auch den Einbau eines analogen Empfangsteils vor. Dadurch erlaube die neue Box dem Zuschauer, komfortabel zwischen einer Vielzahl analoger und digitaler Programme zu „zappen“. Das bisher notwendige Wechseln der Fernbedienung entfalle. Darüber hinaus soll die Box unter anderem einen digitalen Doppeltuner (z. B. für Bild in Bild), zwei Scart-Buchsen, S-VHS-Anschluss, Cinch-Buchsen für Audio und Video, USB (Universal Serial Bus) und DVI / DHMI-Anschlüsse für hochauflösendes Fernsehen (HDTV) aufweisen. Die Box soll sowohl TV-Programme als auch internetbasierte Dienste darstellen können und für MHP-Anwendungen (MHP = Multimedia Home Platform) geeignet sein.Der Preis der Box soll dabei 150 EUR nicht überschreiten. In ersten Stellungnahmen hatten Boxenhersteller darauf verwiesen, dass der Preis der Box wohl deutlich höher anzusetzen und eine Markteinführung wohl erst 2006 möglich sei.