Nachhaltiger Wohnungsbau im modernen Sinne bringt ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte in Einklang. Das Qualitätssiegel "Nachhaltiger Wohnungsbau" des neu gegründeten Vereins NaWoh bietet Bauherren die Möglichkeit, in ihrem Wohnungsneubau gelebte Nachhaltigkeit zu dokumentieren und sichtbar zu machen.
Das Bewertungssystem, das dem Qualitätssiegel zugrunde liegt, wurde in der Arbeitsgruppe Nachhaltiger Wohnungsbau des Runden Tisches "Nachhaltiges Bauen" entwickelt. In dieser vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung unterstützten Arbeitsgruppe kooperieren Verbände der Immobilien- und Wohnungswirtschaft, Unternehmen der Wohnungswirtschaft, Vertreter relevanter Akteursgruppen sowie Forschungseinrichtungen. Das System zur Beschreibung und Bewertung der Nachhaltigkeit kann aber auch unabhängig vom Qualitätssiegel als Leitfaden, Planungshilfe und zur Unterstützung der Qualitätssicherung eingesetzt werden.Sechs Bauherren haben das Siegel als Auszeichnung für ihre vorbildlichen Bauprojekte bisher erhalten. Auf der internationalen Baufachmesse bautec in Berlin nahmen Vertreter der ausgezeichneten Neubauprojekte am 23. Februar 2012 die ersten Qualitätssiegel entgegen. Mit großem Engagement, sowohl der Bauherren als auch der Nachhaltigkeitskoordinatoren und unter wissenschaftlicher Begleitung durch Prof. Thomas Lützkendorf vom Lehrstuhl Ökonomie und Ökologie des Wohnungsbaus am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), hatten sie das Bewertungssystem Ende 2011 innerhalb der Pilotphase erstmalig angewendet. Der Verein NaWohDer eigens hierfür gegründete Verein zur Förderung der Nachhaltigkeit im Wohnungsbau (kurz: NaWoh) stellt sowohl den Zertifizierungsprozess als auch die Weiterentwicklung des Systems sicher. Er wurde von Akteuren der Wohnungswirtschaft ins Leben gerufen. Die Gründungsmitglieder sind die immobilienwirtschaftlichen Verbände BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V., GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., Haus & Grund Deutschland und der Verband Privater Bauherren e.V., der Deutsche Mieterbund, sowie die immobilienwirtschaftlichen Weiterbildungsakademien AWI – Akademie der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft GmbH, BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft e.V., EBZ – Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft und Südwestdeutsche Fachakademie der Immobilienwirtschaft e.V.. Der Verein ist offen für die Zusammenarbeit mit allen interessierten Kreisen. Zur Weiterentwicklung des Systems verankert der Verein einen wissenschaftlichen Beirat, dem im Bereich der Nachhaltigkeit Wissenschaftler und weitere fachkompetente Personen angehören. Nachhaltigkeit für die BestandspflegeDas Ziel des Vereins ist es, den Gedanken der Nachhaltigkeit weiter voranzubringen. Das Zertifikat ist dabei eher Mittel zum Zweck. Es ist kein Green-Label, sondern steht für ein ausgewogenes Verhältnis der Säulen der Nachhaltigkeit. Wichtige Eckpfeiler sind dabei ressourcenschonender und energieeffizienter Neubau, aktive Einbeziehung zukünftiger Bewohner sowie eine hohe Bau- und Wohnqualität im Rahmen wirtschaftlicher Rentabilität.Die Steckbriefe, die interessierte Bauherren bei ihrer Bewerbung um die Zertifizierung ausfüllen, dienen unter anderem dazu, die Transparenz bei der Entscheidungsfindung sowie deren Ergebnisse zu verbessern – und letztlich die Qualitätssicherung zu unterstützen. Innerhalb der verschiedenen auf dem Markt befindlichen Nachhaltigkeitsbewertungssysteme für Wohngebäude spezialisiert sich dieses System insbesondere auf die Handlungsmöglichkeiten von Wohnungsunternehmen als Bestandshalter.Der Zertifizierungsprozess: Erst der Antrag …Das Zertifikat erhalten Wohngebäude, die die beschreibenden und bewertenden Kriterien des Vereins NaWoh erfüllen und dies auf freiwilliger Basis innerhalb des Zertifizierungsprozesses entsprechend dokumentieren. Der Prozess kann wie folgt umrissen werden:Ausgangspunkt der Zertifizierung ist der interessierte Bauherr, der einen schriftlichen Antrag zur Zertifizierung an den Verein NaWoh stellt. Hierbei kann der Bauherr den Zertifizierungsprozess zu Beginn der Planungen oder erst später anstoßen – wichtig ist nur, dass die NaWoh-Kriteriensteckbriefe in die Planung mit einbezogen werden. Idealerweise erfolgt die Erstellung der Unterlagen aber parallel zur Planung, denn die Pilotprojekte haben gezeigt, dass im Nachgang Manches nur mit großem Aufwand nachweisbar war. … dann prüfen lassen …Nach Antragstellung und positiver Bestätigung vom Verein werden dem Bauherrn Vorschläge für den Konformitätsprüfer unterbreitet. Konformitätsprüfer werden durch den Zertifizierungsausschuss ernannt und kennen sich in der NaWoh-Systematik aus. Sie prüfen innerhalb des Prozesses die Unterlagen und stellen somit die Qualität des Zertifikats sicher. Von den vorgeschlagenen Konformitätsprüfern wählt der Bauherr einen aus und teilt seine Wahl dem Verein NaWoh mit. Anschließend hat der Bauherr die geforderten Unterlagen anhand der Kriteriensteckbriefe zusammenzustellen. Hier kann er sich durch Nachhaltigkeitskoordinatoren aus dem eigenen Hause oder Externe – oder auch durch seinen Architekten – unterstützen lassen. Die Nachhaltigkeitskoordinatoren sollten ihrerseits über Vorkenntnisse des Systems verfügen und z.B. durch die wohnungswirtschaftlichen Akademien in dieser Thematik geschult worden sein. … und Qualitätssiegel abholen.Parallel oder im Anschluss prüft der Konformitätsprüfer die Unterlagen auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Seine Ergebnisse übergibt er der wissenschaftlichen Aufsicht zur Prüfung und dem Verein zur Kenntnis. Die wissenschaftliche Aufsicht wurde als externe Instanz mit der Überprüfung der Konformitätsprüfung durch den NaWoh beauftragt, um die Qualität der Prüfung sicherzustellen. Ergeben sich hier keine Beanstandungen geht der Prozess zurück zum Zertifizierungsausschuss, der daraufhin die Konformität feststellt und das Zertifikat ausstellt. Im Konfliktfall oder bei Beanstandungen der Konformitätsprüfung stellen Eskalationspfade sicher, dass im Regelfall das angestrebte Zertifikat dennoch erreicht wird. Anschließend werden die Zertifikatsträger und ihre Projekte auf der Homepage des Vereins www.nawoh.de vorgestellt. Nach Erhalt des Siegels kann außerdem ein Schild geordert werden, das das Zertifikat z.B. für die Bewohner des Wohnungsneubaus auch nach außen sichtbar macht. Zertifizierungsprozess vereinfacht zum Download
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18EFCBE_Zertifizierungsprozess%20vereinfacht
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