Am 12. Februar hat die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, in einer Pressekonferenz das aktuelle Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2008 vorgestellt. Ziel der jährlich durchgeführten soziologischen Studie ist es, mit einem statistischen Indikatorensystem soziostrukturelle Veränderungen in den verschiedenen Quartieren Berlins wissenschaftlich zu beschreiben und zu analysieren. Die Studie gilt als "Frühwarnsystem" und ist eine wesentliche Grundlage der Berliner Stadtentwicklungspolitik.
"Mit Hilfe des Monitoring sehen wir präzise, wo sich in der Stadt kritische Entwicklungen andeuten und wo sich Verbesserungen der Lebenssituationen nachweisen lassen." wertete Senatorin Junge-Reyer die Studie. Ihr Fazit: "Die für ganz Berlin positive wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2007 kam auch in den sozial schwächeren Gebieten an. Insbesondere konnte in den Kiezen mit Quartiersmanagement eine Abkopplung vom Aufschwung verhindert werden. Auch in diesen Gebieten ging die Arbeitslosigkeit zurück, sank die Zahl der Hilfsempfänger und war die Jugendarbeitslosigkeit geringer."MethodikDas Monitoring wird seit 2007 im Jahresabstand erstellt. Für die Studie wird Berlin in 319 Verkehrszellen eingeteilt, deren Bewertung nach den Indizes "Status" und "Dynamik" erfolgt. Dabei werden für den Index "Status" insgesamt sechs statistische Indikatoren herangezogen, zu denen der Anteil der Arbeitslosen insgesamt und unter den bis 26-jährigen Bewohnern der Verkehrszelle, der Anteil der nicht arbeitslosen Empfänger von Existenzsicherungsleistungen und der Anteil der ausländischen Kinder und Jugendlichen gehört. Für den Index "Dynamik" werden ebenfalls sechs Indikatoren herangezogen, die die Mobilität der Bewohner sowie die Veränderungen einzelner Status-Indikatoren betreffen. Auf der Basis beider Indizes bildet das Monitoring eine Rangfolge der 319 Verkehrszellen bezüglich ihres Status und ihrer Dynamik, die vereinfachend zu drei Gruppen zusammengefasst werden. In einem dritten Schritt werden beide Indizes mit einer Gewichtung von 3:2 zum Entwicklungsindex zusammengefasst, bei dem wiederum eine Gruppierung der oberen und unteren 20 Prozent und der mittleren 60 Prozent erfolgt (siehe Tabelle): StatusDynamikobere 20 Prozent"hoher Status""hohe Dynamik"mittlere 60 Prozent"mittlerer Status""stabil"untere 20 Prozent"niedriger Status""geringe Dynamik" Status + Dynamik = Entwicklungobere 20 Prozent"hoch"mittlere 60 Prozent"mittel"untere 20 Prozent"niedrig" ErgebnisseEin zentrales Ergebnis des Monitorings 2008 ist die zunehmende räumliche Konzentration von sozialen Problemgebieten. Wo im Vorjahr noch einzelne Verkehrszellen mit niedrigem Entwicklungsindex identifiziert worden waren, haben sich diese zu nun größeren räumlichen Einheiten "zusammengeschlossen". So identifiziert das Monitoring 2008 nun fünf größere Gebiete mit einer "anhaltend hohe Problemdichte": Die westlichen Innenstadtgebiete Wedding/Moabit, Nord-Neukölln und der Norden Kreuzbergs sowie die Stadtrandlagen Nord-Marzahn / Nord-Hellersdorf und Spandau.Gegenüber der Vorjahresstudie werden acht Gebiete als "Absteiger" identifiziert, deren Entwicklungsindex sich von "mittel" zu "niedrig" verschlechtert hat: Afrikanische Straße (Wedding), Galenstraße, Neustadt und Siemenswerk (Spandau), Gottlieb-Dunkel-Straße (Mariendorf-Nordost), Franz-Stenzer-Straße, Mehrower Allee und Lea-Grundig-Straße (Marzahn-Nord) sowie Stadtrandsiedlung (Hellersdorf). Durch die Verbesserung des Entwicklungsindexes von "mittel" zu "hoch" zählen folgende Gebiete zu den Aufsteigern 2008:Perleberger Straße (Moabit Süd), Friedrich-Olbricht-Damm (Charlottenburg Nord), Platz der Luftbrücke (Tempelhof), Buschkrugbrücke (Neukölln-Süd), Schäfer See (Reinickendorf), Paul-Heyse-Straße (Prenzlauer Berg-Ost), Helholtzstraße (Köpenick) und Glambecker Ring (Marzahn Ost).Die in der Studie 2007 diagnostizierte Polarisierung der Verkehrszellen, dass heißt die weiter positive Entwicklung der statushöchsten Zellen bei gleichzeitiger weiterer Verschlechterung der statusniedrigsten Zellen, hat sich auch 2008 fortgesetzt, allerdings in abgeschwächter Form: Von den 64 Zellen mit hohem Status entwickelten sich 26 (40%) weiter positiv, von den 64 Zellen mit niedrigem oder sehr niedrigem Status entwickelten sich 25 (39%) weiter negativ – dies war im Monitoring 2007 noch bei 37 Verkehrszellen der Fall gewesen.Den Ostteil der Stadt bezeichnet das Monitoring als insgesamt stabil. Mittlerweile gehört fast die gesamte östliche Innenstadt zu den mittleren Gebietskategorien. Keine Veränderung hat es im Märkischen Viertel und in der Gropiusstadt gegeben.EmpfehlungenDie Autoren des Monitoring um Prof. Häußermann von der Humboldt-Universität empfehlen, die Situation quartiersübergreifend in einer Strategie "Vorranggebiete Zukunftssicherung" zu verbessern. Dies solle zum Beispiel in den Gebieten Wedding/Moabit und Nord-Neukölln durchgeführt werden. Die Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen sollten durch eine integrierte Strategie mit dem Schwerpunkt auf Verbesserung der Bildungschancen in den Mittelpunkt der Aktivitäten gerückt werden.Außerhalb der großflächigen Problembereiche liegende einzelne Verkehrszellen mit niedrigem oder sehr niedrigem Entwicklungsindex sollten durch die Einrichtung von präventiven Quartiersmanagement-Verfahren gefördert werden, die die Verflechtung mit den umliegenden Gebieten verstärken und an die Potentiale der Bewohner anknüpfen.Die auffällig negative Entwicklung bei einigen Großsiedlungen erfordere eine stärkere Aufmerksamkeit und die Entwicklung integrierter Strategien. Hier könne zum Beispiel die Attraktivität der Wohngebäude durch eine energetische Sanierung verbessert werden. Darüber hinaus sei das soziale Engagement der städtischen Wohnungsgesellschaften, die hier große Bestände besitzen, wichtig. Sie leisten dadurch einen Beitrag zur ‚Stadtrendite’ und erbrächten Leistungen, die der sozialen Integration der Stadt zugute kommen.Insgesamt sei der Gedanke der Nachhaltigkeit gebietsbezogener Ansätze für die Gebiete mit niedrigstem Entwicklungsindex in der Zukunft entscheidend, so die Autoren. Dabei spiele die erfolgreiche schulische und berufliche Ausbildung eine zentrale Rolle. Schul-, Berufs- und Weiterbildung müssten im Fokus stehen. Das gelte auch für Quartiere nach der Entlassung aus dem Quartiersmanagement. Die Verstetigung von Netzwerken in den Nachbarschaften in den Quartieren, die einen sehr niedrigen Entwicklungsindex aufweisen, sei von besonderer Bedeutung. Hier müssten die vorhandenen Netze bürgerschaftlichen Engagements gefördert und gestärkt werden.Eine Karte und eine Tabelle der Rangfolge der 319 Verkehrszellen bzgl. des Entwicklungsindexes sowie eine Kurzfassung des Monitorings steht im Internet-Angebot des BBU zur Verfügung. Weitere Informationen finden sich unter www.stadtentwicklung.berlin.de Karte Entwicklungsindex Tabelle: Rangfolge Entwicklungsindex Kurzfassung Monitoring
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3F57E_Karte_EntwicklungsindexVZ_2008
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3F582_Tab_Rang_Entwicklungsindex2008
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3F586_Kurzfassung-Monitoring2008
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