Mit einer "Abschiedsgala der besonderen Art" begann am 16. Januar der Abriss von weiteren 124 Wohnungen in Lübbenau. Rund 600 Besucher waren trotz klirrenden Frosts gekommen, um eine exklusive Show mit Flammenwerfern, dröhnender Musik, Lichteffekten und Feuerwerk zu sehen. An dem 120 Meter langen Gebäude, in seinen Fluren und in einem Großteil der Wohnungen ließ die WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald eine künstlerische Collage mit dem Titel "Lichtgewitter" inszenieren.
Der Geschäftsführer der WIS, Michael Jakobs, zum Anliegen der Veranstaltung: "Mit dieser Inszenierung verabschieden wir uns von einem Haus, das den Lübbenauern Jahrzehnte lang gute Dienste geleistet hat. Auch wenn man dieses Haus heute nicht mehr braucht, es war ja einmal sehr nützlich. Deshalb soll es auch einen anständigen Abschied bekommen."Und wie sieht ein anständiger Abschied aus? Carsten Hagenau (Berlin) und Rainer Lehmann (Altdöbern) inszenierten ihn mit Musik und Tönen, Lichtkunst und Sprache, pyrotechnischen und feurigen Effekten. Zu Beginn der Vorstellung, so schien es, erwachte das Haus noch einmal zum Leben: Die Lichter in den Wohnungen gingen an, mal hier und mal da, es schien ein Kommen und Gehen. Dann aber sammelten sich die Kräfte der Zerstörung. Mit Marschrhythmen und bedrohlichen Lichtern näherten sie sich dem Haus, taxierten seine Kräfte und bliesen zum Angriff. Nichts schien sie aufhalten zu können. Aber dann: In der Stunde des Abschieds erinnerte man sich der Bewohner. Die Geister des Hauses wurden wieder wach, hüllten das Haus in weiches Licht. Erinnerungen wurden beschworen und ein Lied fragte: "Weißt Du noch?" Ein letztes Mal bäumen sich die Kräfte des Gebäudes auf: So lange es steht, will es widerstehen. Und so kam es zum Kräftemessen: die Kräfte der Zerstörung mit Böllern und Flammen gegen die der Verharrung, die Gewalt des Baggers gegen die in Beton gegossene und mit Stahl armierte Kraft des Hauses. Als die Raketen aufstiegen, war klar, wer Sieger geworden war.Die Besucher der Show zeigten sich begeistert: "Ein Kunstwerk, das mir Gänsehaut bereitet hat", meinte eine junge Frau. "Tolle Vorstellung, wenn auch ein wenig zu laut", lobte ein älterer Herr. Eine Frau sagte: "Es ist gut, dass es wirklich ein Abschiednehmen war, keine wüste Feierei.""Natürlich", so WIS-Geschäftsführer Michael Jakobs, "kann man sich nicht von jedem altgedienten Haus mit einer Show verabschieden. Insofern reflektiert diese Veranstaltung nicht nur den Abriss dieses einen Hauses. Es geht um die vielen, teilweise sehr tief greifenden Veränderungen der letzten und auch der kommenden Jahre in Lübbenau. Dabei schließen wir die positiven wie auch die schmerzlichen mit ein."Die WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald mbH in Lübbenau verfolgt seit mehreren Jahren eine differenzierte Strategie des Stadtumbaus: Neben Modernisierungen und Neubau gehört dazu auch der Abriss von Wohnungen mit der nachfolgenden Neugestaltung und Aufwertung der freigewordenen Flächen. So hat die WIS in den letzten Jahren 430 Wohnungen abgerissen, zugleich aber auch mehr als 50 Millionen Euro in Modernisierungs- und Bauvorhaben investiert. Wenn das mit "Lichtgewittern" verabschiedete Gebäude abgetragen ist, werden es mehr als 500 Wohnungen sein, die die WIS abgebrochen hat.