Trotz der erstmals gesunkenen Zahl der Arbeitslosen seit der Umsetzung der Arbeitsmarktreform Hartz IV im Landkreis Oberhavel gibt Sozialdezernent Michael Garske keine Entwarnung, berichtet die Märkische Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom 27. Juli. Den vollständigen Artikel zur Zwischenbilanz lesen Sie im Folgenden.
"Eine Trendwende ist noch nicht in Sicht", sagte Garske gestern bei der Vorstellung der Zwischenbilanz für das Jahr 2006.Vielmehr gebe es besorgniserregende Entwicklungen. So seien immer mehr Beschäftigte auf ergänzende Hilfen angewiesen, weil ihr Einkommen nicht zum Leben reicht. Zudem bereiten dem Dezernenten weiterhin die gekürzten Eingliederungsmittel Sorgen. Die "Auftakterfolge des ersten Halbjahres sind durch die Kürzung gefährdet", so Garske. Für bereits geplante Qualifizierungs- und Ausbildungsprojekte brauche er mindestens 2,5 Millionen Euro vom Bund.Zahl der Empfänger leicht gesunkenIm Juni haben 18 087 Oberhaveler Arbeitslosengeld (ALG) II erhalten, 184 weniger als im Vormonat. Parallel ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 78 auf 13 848 gesunken. Im Vergleich zum Juli 2005 bedeutet das aber eine Steigerung der Bedarfsgemeinschaften um zwölf Prozent, und der ALG-II-Empfänger um elf Prozent. Im brandenburgweiten Vergleich schneidet der Kreis gut ab, im Durchschnitt werden 20 Prozent mehr Bedarfsgemeinschaften gezählt.Ein besonderes Augenmerk legt Garske auf die vom Kreis betreuten Jugendlichen, von denen jeder sechste seinen Ausbildungsplatz bereits nach einem Jahr verloren hat. Von 627 im Jahr 2005 vermittelten Jugendlichen brachen 16,4 Prozent die Ausbildung ab.Viele Lehrlinge ohne ausreichende BildungDiese Zahl sei deshalb so enttäuschend, weil die Stellen von den Betrieben in der Regel nicht neu besetzt werden. "Diese Ausbildungsplätze sind verloren", so Garske. Bei vielen Abbrechern stecke allerdings nicht unbedingt böser Wille, sondern schlicht Überforderung dahinter. Vielen Lehrlingen mangele es an grundlegenden Fertigkeiten, berichtet Garske. "Die Eintrittskarte für den Ausbildungsmarkt ist ein guter Schulabschluss", betonte er deshalb. Ohne ausreichende Bildung hätten die jungen Menschen keine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt.Aber auch immer mehr Menschen, die eine reguläre Arbeit haben, sind auf ergänzende Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II angewiesen. Im Juni wurden 4184 Menschen vom Kreis unterstützt, weil ihr Einkommen zu niedrig war. Das sind 891 Beschäftigte mehr als im Januar. "Das ist zum Beispiel die Verkäuferin bei Aldi", so Garske.Insgesamt leben im Kreis 23 480 Menschen von SGB-II-Geldern - das sind zwölf Prozent aller Einwohner.