Unter höchster Anspannung und Konzentration wirkten am 19. Oktober rund 30 Achtklässler hinter den Kulissen an der Aufführung der Oper "Orpheus" in der Komischen Oper Berlin mit. In einem einwöchigen Schnupper-Workshop lernten die Schüler nicht nur das Opernhaus vom Keller bis zu den Lichtbrücken kennen, sondern auch rund 30 Opernmitarbeiter und ihre ganz unterschiedlichen Berufe.
Als sich die 8. Klasse der Heinrich-Schliemann-Oberschule um die Teilnahme am Workshop "Abenteuer Oper!" bewarb, hatten die Teenager nur eine sehr vage Vorstellung, wie es in einer Oper zugeht. Sie bastelten unter dem Motto "Keine Ahnung, was da passiert, aber es wird bestimmt interessant" eine Collage und gewannen mit ihrer engagierten Bewerbung den Workshop. GEWOBAG-Vorstand Hendrik Jellema: "Viele Berliner Kinder haben nicht die Möglichkeit, die Oper kennenzulernen, weil ihre Eltern keinen Bezug zur Oper haben oder die Karten zu teuer scheinen. Doch die Kombination aus klassischer Musik, Kostümpracht und märchenhaften Kulissen ist etwas Wunderbares! Deshalb möchten wir mit diesem Projekt als Türöffner dienen und Kindern unserer Stadt einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Hier erfahren sie, wie es ist, auf einer Bühne zu stehen. Sie lernen, dass monatelange Arbeit hinter einer Aufführung steckt und wie viele spannende Berufe sich hinter einer Opernfassade verbergen. Diese Form der Bildung leisten wir im Rahmen unserer sozialen Stadtteilarbeit rund um unsere Wohnungsbestände."Führung durch das Opernhaus der Komischen Oper Berlin Zu Beginn des Workshops lernten die Schüler das Opernhaus kennen: Erste Station war der Zuschauerraum mit seinen 1.190 Sitzplätzen. Es folgten die Hauptbühne, die von 100 individuell eingestellten Scheinwerfern beleuchtet ist und drei Probebühnen, auf der jährlich 24 Opern neu und wieder einstudiert werden. Schließlich ging es in den Keller, aus dem die Drehbühne gesteuert wird und in dem die Requisiten lagern.Besonders fasziniert waren die Teenager von der Verantwortung eines Inspizienten, der für die Einsätze aller Mitarbeiter während der Aufführung zuständig ist, sowie von den täuschend echt aussehenden Utensilien. Schülerin Frieda: "Ich fand die Kostüme toll, weil sie so kreativ und bunt sind."Mit Orpheus in der Unterwelt – Blick aus roten PlüschsesselnDie Abendvorstellung der modern und jung inszenierten Monteverdi-Oper "Orpheus" war das Programm des zweiten Workshop-Tages in der Komischen Oper Berlin. Sie entführte die jungen Zuschauer in einen zauberhaften, exotischen Urwald, in der der Sänger Orpheus mit seinem Liebesgesang für seine Eurydike wirbt und dabei nicht nur die Natur zu neuer Lebensfreude erweckt, sondern auch die Herrscher der Unterwelt begeistert. Doch Eurydike stirbt und so stimmen Natur, Amor und Hölle in ein Klagelied ein, das den trauernden Orpheus in seinem Liebeskummer Beistand leistet.Klassenlehrer Dirk Speckmann erklärt: "Auch wenn jetzt sicher nicht alle ihre CDs gegen Opernmusik austauschen werden, so haben wir doch sehr interessante Einblicke in eine Welt erhalten, die uns sonst entgangen wäre. Deshalb ist der Workshop ein großes Geschenk."Am dritten und vierten Workshop-Tag lernten die Schüler rund 30 Mitarbeiter in 15 verschiedenen Abteilungen der Komischen Oper Berlin und ihre Berufe kennen - von der Bühnentechnik über die Orchesterdirektion bis zum Kartenvertrieb und dem Pressesprecher. Schüler Noah: "Ich habe hier viele Berufe kennengelernt und erfahren, welche Leute hier arbeiten - nicht nur Schauspieler und Sänger, sondern auch sehr viele Menschen drum herum. Eine Oper ist sehr komplex", sagte der Schüler Noah.Besonderes Highlight war das persönliche Kennenlernen der 23-jährigen Mezzosopranistin Katarina Morfa und des 24-jährigen Bariton Bernhard Hansky sowie des 35-jährigen Repetitors Frank Schulte in einem Probenraum. In Jeans und T-Shirt stellten sich die beiden angehenden Opernstars den Jugendlichen vor, während der Repetitor sie auf dem Klavier begleitete und korrigierte. Die beiden Talente demonstrierten, wie sie allein durch ihre Stimme, Mimik und Gestik in die Rolle des Papageno aus der Zauberflöte schlüpfen können oder sich in die temperamentvolle Carmen der gleichnamigen Bizet-Oper verwandeln. Dafür müssen die beiden Studenten der Hochschule für Musik Hanns Eisler allerdings mindestens monatelang, wenn nicht sogar jahrelang üben. Die Gymnasiasten erfuhren, wie viele Aspekte die Sänger bei ihrer Darstellung beachten müssen. Schüler Joris: "Diesen Tag fand ich am interessantesten. Denn der Gesang ist ja das, was man mit Oper assoziiert. Und es war toll, dass wir Fragen stellen konnten. Zum Beispiel wie die beiden so jung an die Oper kamen. Aber die singen und schauspielern gerne und dafür ist die Oper eine ideale Kombination."Mitwirkung hinter der Bühne: Lampenfieber pur!Ein bisschen mulmig war der Musikpädagogin der Komischen Oper Berlin, Anne-Kathrin Ostrop, vor der Abendvorstellung am Freitag, dem Tag der "Schüler-Aufführung", schon zumute, weil die Schüler nun während der Aufführung hinter der Bühne mithalfen. Während Nam, Leander, Annie, Frieda, Natalie, Antonia und Sebastian in die Kostüme halfen, schminkten Clara, Linda, Sophie, Maja, Patrik und Vincent in der Maske nach. Birk, Philipp, Hannah, Marisa und Marcel unterstützten auf den Seitenbühnen den Inspizienten beim Überwachen der Auf- und Abgänge und Antonia, Nils und Mora drückten im Übertitelraum die Taste zum Umblättern.Nachdem der Vorhang gefallen war, lachte Anne-Kathrin Ostrop: "Wir haben alle geschwitzt und sind hochgradig erleichtert, dass alles so gut geklappt hat!"Im Anschluss an die Aufführung fand zum Abschluss der aufregenden Workshop-Woche ein Gespräch mit Schülern, Eltern, Lehrer und Veranstaltern statt, in der die Schüler über ihre Eindrücke berichteten. Doch die waren von den vielen Eindrücken noch ganz überwältigt und von ihrem anstrengenden Einsatz während der Aufführung auch erschöpft. Lehrer Dirk Speckmann erklärte: "Im Alltag verhalten sich die meisten immer sehr cool. Aber nach dem Workshop habe ich sie ehrfürchtig erlebt - und für den Moment beeindruckt."
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