KLAGEN STATT WETTBEWERB

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Wer ein Monopol hat, lebt bequem. Kunden werden zu Bittstellern, die auch schon mal höhere Preise wegstecken können müssen. Deshalb ist es besonders ärgerlich, wenn plötzlich Wettbewerber auftauchen und sich in das gute Geschäft einmischen wollen. Da kann es dann passieren, dass sich der Inhaber des bedrohten Monopols mit Zähnen und Klauen gegen den ungebetenen Gast am reich gedeckten Tisch zur Wehr setzen will. Zu beobachten ist das derzeit etwa bei den großen Energiekonzernen. Aber auch in kleineren Zusammenhängen bietet sich dieses Bild, beispielsweise in der Prignitz. Hierhin hat es der Wettbewerb mit kleinen Trippelschritten in allerersten Ansätzen geschafft: Private Entsorger haben kostenlose blaue Papiertonnen aufgestellt, und damit den Zorn des kommunalen Abfallverwerters auf sich gezogen. Dessen Vorwürfe kann man teilweise sogar nachvollziehen – lässt sich doch mit der Altpapierentsorgung mittlerweile allein schon wegen des Materialwertes Geld verdienen, anders als etwa mit der Restmüllentsorgung. Aus gutem Grund sind die Privaten deshalb auch gezielt in diesen lukrativen Markt eingestiegen. Der kommunale Entsorger spricht deshalb nicht ganz zu Unrecht davon, dass "Erträge privatisiert und Kosten sozialisiert" würden. Der Kreis hat gegen das Aufstellen der Tonnen eine einstweilige Verfügung angestrengt. Auch wenn diese einstweilige Verfügung mittlerweile in einem Eilverfahren ausgesetzt wurde, so spricht das Vorgehen des Kreises doch Bände über das bei Inhabern von Monopolen vorherrschende Verständnis von Marktmechanismen. Statt ihre Kunden durch innovative Angebote von den eigenen Dienstleistungen zu überzeugen, soll die Kundenbindung per Gerichtsentscheid erreicht werden. Und das, obwohl zu eben diesen Kunden langjährige Geschäftsbeziehungen bestehen: Bemerkenswert, dass der kommunale Entsorger sich offenbar trotzdem nicht zutraut, sie ohne Justizias Knüppel dauerhaft zu halten! Marktorientierung sieht anders aus. Hier könnten die Inhaber von Ver- und Entsorgungsmonopolen einiges von den Wohnungsunternehmen lernen, die sich dem Wettbewerb in sozialer Verantwortung mit umfassenden Modernisierungen, Aufwertung von Wohnumfeldern, der Entwicklung einer attraktiven Palette wohnbegleitender Dienstleistungen und nachhaltigem Klimaschutz stellen. Es wäre sehr zu wünschen, dass auch die Ver- und Entsorgungsmonopole ihre Kunden und deren Bindung an das Unternehmen stärker in den Fokus ihrer Geschäftstätigkeit rückten. Wenn sie dies nicht freiwillig tun – und darauf weisen Beispiele wie das der Altpapierentsorgung in der Prignitz hin -, so muss der Gesetzgeber hier für mehr Druck sorgen: Sei es durch mehr Transparenz zur Stärkung des Wettbewerbs, sei es durch konsequente und starke Aufsichts- und Regulierungsbehörden. Eine Politik des "Schau’n mer mal", wie sie gerade auch die Landesregierungen in Berlin und Brandenburg hier derzeit betreiben, bietet da sicher keine befriedigende Lösung. Es wäre aber auch gut, wenn die Inhaber von Monopolen nicht erst zu mehr Wettbewerbs- und Kundenorientierung gezwungen werden müssten. Ein Ansatz zu mehr Markt- und Kundenorientierung könnte für die lokalen Ver- und Entsorger dann beispielsweise sein, die Kooperation mit den Wohnungsunternehmen zu suchen, um sich auf diese Weise auch besser gegen die Großen der Branche behaupten zu können. Vor allem aber sollte sie dabei der Gedanke leiten: Dass hohe und steigende Preise und Gebühren nicht die sinnvollste Antwort auf das Schrumpfen der Bevölkerung im Land Brandenburg sind.