Zum vierten Mal hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau den KfW-Award "Europäisch Leben - Europäisch Wohnen" für innovative Bau- und Wohnideen ausgeschrieben. In diesem Jahr stand der mit insgesamt 27.000 Euro dotierte Wettbewerb unter dem Motto "Generation 50 plus - Neue Ideen für altersgerechtes Wohnen im Eigentum".
Der KfW-Award richtete sich an alle privaten Wohneigentümer in Deutschland, die ihre Häuser bzw. Wohnungen, ganz gleich ob Neu- oder Umbau, in den vergangenen drei Jahren den besondern Bedürfnissen des Alters angepasst oder sie darauf hin ausgerichtet haben. Teilnehmen konnten darüber hinaus auch solche Objekte, deren Wohnform oder deren soziales Umfeld entsprechend modifiziert wurden. Dabei sprach der Wettbewerb nicht nur die Generation der über 50-Jährigen an, sondern bezog auch solche Projekte mit ein, bei denen man sich bereits in jüngeren Jahren mit dem Thema des Wohnens im Alter beschäftigt hat.Der KfW-Award 2006 zeichnete die Lösungen mit der stärksten Vorbildfunktion und der größten Zukunftsrelevanz aus, die gleichzeitig die Praktikabilität sowie Kosten-Nutzen-Relationen nicht außer Acht gelassen haben. Dabei reichte das Spektrum von Teilmaßnahmen bis hin zu kompletten Umbauten, wobei die gelungene architektonische Umsetzung der Maßnahmen im Innen- und Außenbereich eine besondere Rolle spielte. Zur Beurteilung der eingereichten Unterlagen diente neben den nachstehend aufgeführten Bewertungskriterien, ein Bericht der Teilnehmer. In diesem wurden die Ideen und Zielsetzungen erläutert, die den verwirklichten Projekten zugrunde liegen.Mobilität: Beweglich bleiben in den eigenen Wohnräumen Barrierearme Gestaltung der Innenräume / architektonische Umsetzung Barrierearme Gestaltung des Außenbereichs / Einbindung in das äußere ErscheinungsbildKomfort: Nutzung der Bequemlichkeiten des modernen Lebensstandards Anpassung technischer Bedienelemente StandortqualitätLebensstil: Aufrechterhaltung sozialer und kultureller Ansprüche soziales Umfeld soziales Zusammenleben FreizeitmöglichkeitenDie Preisträger wurden von einer hochkarätig besetze Jury unter dem Vorsitz von Prof. Hans Kollhoff, Architekt in Zürich und Berlin, ermittelt. Ihr gehörten Vertreter der Bau- und Wohnbranche, der Bereiche Architektur und Sozialwissenschaften, des Nachrichtenmagazins FOCUS sowie des ZDF-Wirtschaftsmagazins WISO und der KfW Förderbank an.Erster Platz: Zurück ins StadtzentrumMit dem erste Platz des KfW-Awards wurden Margret und Hans Schönle aus Weikersheim ausgezeichnet, die nach 20 Jahren des Wohnens in einem klassischen Einfamilienhaus eine "experimentellen" Neuanfang mitten in der Stadt wagten, um im Alter flexibel und mobil zu bleiben. Ziel war neben kurzen Wegen die Möglichkeit, einen Treffpunkt für Senioren in zentraler Lage zu eröffnen. Im historischen Stadtkern bot der Abriss zweier Bauten die Chance für ein solches zukunftsweisendes Lebensabschnittsprojekt. Entstanden ist ein Gebäude, das einem Seniorentreff, einem Veranstaltungssaal und einem Buchladen ebenso Platz bietet, wie zwei kleineren Mietwohnungen und der von den Eigentümern bewohnten Maisonettewohnung. Die gesamte Anlage ist barrierefrei mit dem Rollstuhl befahrbar und die zentrale Lage in der Kernstadt macht ein Auto überflüssig. Der klar gegliederte, lichtdurchflutete Baukörper fügt sich hervorragend in die Baulücke ein und setzt ein lebendiges Zeichen im historischen Kontext. Die Jury bewertete das Projekt als den gelungenste Beitrag des Wettbewerbs, der nicht nur eine konsequente Antwort auf die Herausforderung von Alter und Handicap gibt, sondern auch visionäre Lösungen für veränderte Lebensentwürfe und Selbstverwirklichung im demographischen Wandel anbietet. Zweiter Platz: Vielfalt in der EinheitIn Darmstadt wurde mit einem Neubau auf einem bislang unbebauten Grundstück ein Mehrgenerationenhaus geschaffen, in dem Großeltern, Eltern und Kinder sowohl in gewünschter Gemeinsamkeit als auch in Eigenständigkeit zusammen leben können. Die dabei geschaffene Balance von Nähe und Distanz gab für die Jury den Ausschlag für die Aus- zeichnung dieses Projektes mit dem zweiten Preis. Das Mehrgenerationenhaus besteht aus drei einzelnen Raumkörpern, die sich zu einem Haus zusammenfügen, das sich selbstbewusst am Rande eines Parks behauptet. Das Besondere im Innern ist der offene, nicht nutzungsdeterminierte Raum zwischen den einzelnen Wohnungen. Er bietet Möglichkeiten für Gemeinsames, wie auch genügend Distanz zwischen den Wohnungen. Bewusst wurden im Innern wie auch im Äußern dauerhafte Materialen gewählt, denn diese Idee verspricht Zukunft. Dritter Platz: Stadthaus statt FleischfabrikMit dem dritten Preis wurde das Projekt von Hilde A. Urnauer in Potsdam-Babelsberg ausgezeichnet. Sie suchte ein Objekt mit drei Wohnungen in der Nähe von Berlin, in dem die Betreuung ihrer pflegebedürftigen Mutter und Großmutter möglich wäre. Fündig wurde die Psychologin bei einer seit fünf Jahren verlassenen Fleischfabrik in Babelsberg. Mit deren Umbau zu einem Mehrfamilienhaus gelang beispielhaft die Realisierung einer Wohnform, die oft besprochen, in dieser überzeugenden Form aber selten verwirklicht wird. Aus der historischen Bausubstanz entstand durch strengen Rückbau und Umwandlung einer verbauten Hinterhofsituation ein Ensemble von sechs Wohnungen. In diesen können unterschiedliche Lebensformen und -gemeinschaften ein neues Zuhause finden. Drei der Wohnungen sind barrierefrei. Ziel der Hausgemeinschaft ist es, dass die Bewohner sich im Alltag gegenseitig ergänzen und unterstützen. Das in sich schlüssige Stadthauskonzept wird durch die Nähe von Einkaufs-, Versorgungs- und Freizeitmöglichkeiten positiv ergänzt. Vierter Platz: Eigene Haustür, gemeinsames DachAuf einem ehemaligen Bauhof der Stadt Karlsruhe wurde mit einem engagierten Bauträger und mit der Unterstützung der Stadt ein stadtnahes, gemeinschaftsorientiertes Wohnprojekt zum Thema "Wohnen im Alter" für den Verein "Zukunft Alternativ Gestalten (ZAG)" entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Hausgemeinschaft in einem Mehrfamilienhaus mit 15 Wohneinheiten einschließlich Gemeinschaftsraum. Das stadtnahe, gemeinschaftsorientierte Wohnprojekt ist für Selbstnutzer als auch für Mieter vorgesehen. Das dreigeschossige Objekt mit einer Gesamtfläche von 900 Quadratmetern verfügt über 2- und 3 Zimmerwohnungen zwischen 61 und 72 Quadratmetern sowie eine Gästewohnung. Das Gebäude und der Außenbereich sind für Rollstuhlfahrer geeignet, Laubengänge schaffen für die Bewohner zusätzliche Kommunikationsinseln außerhalb der eigenen Wohnung. Das Gebäude liegt am Rand der Karlsruher Innenstadt, Einkaufs- und Freizeitangebote sowie ein Nahverkehrsanschluss befinden sich in unmittelbarer Nähe. Auch ambulante Pflegedienste sind in direkter Nachbarschaft vorhanden. Fünfter Platz: Generationenhaus am SeeDurch den Anbau von zwei Wohneinheiten an ein bestehendes Einfamilienhaus wurde in München ein für die Zukunft flexiblel anpassbares "Zusammenwohnen" geschaffen. Der Schwerpunkt des sozialen Zusammenseins konzentriert sich dabei auf den familiären Zusammenhalt. Ein giebelständiges Einfamilienhaus mit Wintergartenvorbau erhielt einen Anbau mit zwei Wohneinheiten in der Massivholztafelbauweise. Damit erhält das sehr schön in die Landschaft eingebettete Ensemble eine generationenübergreifende Nutzungsflexibilität sowohl in der Teilbarkeit von Wohneinheiten unterschiedlicher Größe und Atmosphäre als auch in der beliebigen Raumdisposition aufgrund der Holzskelettbauweise. Das barrierefreie Erdgeschoss dient der bewussten Integration nicht so mobiler sowie pflegebedürftiger Bewohner in die Familie. Trotz der ganz andersartigen Anmutung des Neubaus mit seiner Holzlamellenfassade, die den Charme eines Bootshauses vermittelt, ist hier ein Ensemble von wohltuender Selbstverständlichkeit und Wohnlichkeit entstanden.