Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer hat am 10. Juni in der denkmalgeschützten Schöneberger Siedlung "Lindenhof" der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft Berlin-Süd eG (GeWoSüd) eine umweltfreundliche Anlage mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) zur Energieerzeugung in Betrieb genommen. Zuvor investierte das BBU-Mitgliedsunternehmen rund elf Millionen Euro in die energetische Sanierung des Viertels.
Das von der Berliner Energieagentur betriebene Blockheizkraftwerk (BHKW) versorgt 72 Wohnungen der (GeWoSüd mit Strom und Wärme und reduziert die jährliche Kohlendioxid-Belastung um 80 Tonnen. Durch die zuvor in dem historisch wertvollen Gebäudeensemble aus den 20er Jahren vorgenommenen, aufwendige energetische Modernisierungsmaßnahmen konnte die GeWoSüd den primären Jahresheizwärmebedarf um 62 Prozent reduzieren. Die neuen Dachgeschosse entsprechen sogar dem Niedrigenergiehaus-Standard. Bei der Einweihung des BHKW lobte Senatorin Junge-Reyer, wie Klimaschutz und Denkmalschutz beim "Lindenhof" ineinander greifen. "Dieses Beispiel zeigt, dass der Schutz des Klimas und der Schutz unserer historischen Bausubstanz nicht in Konkurrenz zueinander stehen müssen. Wärmedämmung und umweltfreundliche Energieversorgung sind auch in denkmalgeschützten Gebäuden möglich, wenn Investoren und die Behörden partnerschaftlich und konstruktiv zusammenarbeiten."Die Modernisierungsarbeiten in dem historisch wertvollen Gebäudeensemble Suttnerstr.-/Reglinstraße dauerten ein Jahr. Sämtliche Dachgeschosse wurden ausgebaut und es entstanden 21 neue Wohnungen mit Maisonette-Charakter. 51 Wohnungen im Bestand sind nach den Wünschen der Bewohner saniert und modernisiert worden. Unter anderem ließ die GeWoSüd eine komplette Außendämmung vornehmen, ohne dabei charakteristische Stilelemente zu beeinträchtigen. Ingesamt investierte die GeWoSüd elf Millionen Euro. Die Energieversorgung mittels dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung ist laut GeWoSüd-Vorstand Norbert Reinelt "ein wichtiger Beitrag in unserem Bemühen, den Wohnungsbestand der Genossenschaft zukunftssicher, umweltfreundlich und bezahlbar zu machen."Auch BBU-Vorstandsmitglied Maren Kern zeigte sich bei der Einweihung beeindruckt von der Qualität des Projektes: "Der Lindenhof ist nicht nur ein Vorzeigeprojekt, sondern er vereint gleich mehrere unter einem Dach. Bei alldem ist hier auch noch die Vereinbarung von technischer Modernisierung und guter Architektur gelungen. Dazu kann man der GewoSüd nur gratulieren!"Dezentrale Versorgung mit günstigen PreisenDas BHKW in der Eythstraße 43 wird mit Erdgas betrieben und erzeugt etwa 350 Megawattstunden Energie im Jahr für Strom, Heizung und Warmwasser. Es hat eine Leistung von 20 kW elektrisch und 47 kW thermisch. Den erzeugten Strom können die Bewohner direkt bei der BEA zu einem günstigen Tarif beziehen. Die vom BHKW erzeugte Wärme deckt die Grundlast im Bereich Warmwasser und Heizung ab. Bei hohem Wärmebedarf in der kalten Jahreszeit springt zusätzlich ein Erdgas-Brennwertkessel mit 300 kW ein, um die Spitzenlast abzudecken. BEA-Geschäftsführer Michael Geißler: "Dezentral, nah am Verbraucher erzeugte Energie, ist absolut konkurrenzfähig. Sowohl bei der Wärme als auch beim Strom liegen wir unter dem ortsüblichen Preisniveau. Und obendrein profitiert die Umwelt." Blockheizkraftwerke setzen die eingesetzte Primärenergie nahezu vollständig in Wärme, Strom – oder Kälte – um, ihr Nutzungsgrad liegt bei über 90 Prozent. Kraftwerke ohne Kraft-Wärme-Kopplung, bei denen die Abwärme nicht genutzt wird, haben dagegen einen Nutzungsgrad von maximal 40 Prozent. Insgesamt arbeiten in Berlin rund 280 BHKW. Die Berliner Energieagentur betreibt 27 Anlagen an 21 Standorten im gesamten Stadtgebiet. Weitere Inbetriebnahmen sind in Vorbereitung.Der "Lindenhof" ist zwischen 1918 und 1921 unter Leitung des damaligen Schöneberger Stadtbaurats Martin Wagner entwickelt worden und orientierte sich an der Idee der Gartenstadt. Die Pioniersiedlung zeichnete sich vor allem durch guten Wohnraum zu günstigen Konditionen, zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen und die Möglichkeit der Selbstversorgung in Hausgärten aus. Für die Insgesamt besteht der Lindenhof heute aus 232 Häusern aus verschiedenen Epochen mit insgesamt 1.267 Wohnungen.