INTERNATIONALER ANTI-GRAFFITI-KONGRESS IN BERLIN

PDF
Zurzeit sind nur Prävention, Information und schnelle Beseitigung gegen Graffitisprayer wirksam – so lautet das Ergebnis des Kongresses in Berlin. Auf dem am 7. April 2005 in Berlin durchgeführten 1. Internationalen Anti-Graffiti-Kongress wurde von Frau Justizsenatorin Schubert die Forderung einer Änderung des Strafgesetzbuches durch Ergänzung eines Anti-Graffiti-Passus erneuert. Gleichzeitig wurde jedoch klar gestellt, dass damit allein das Problem Graffiti sicher nicht zu lösen sei. Vielmehr seien es drei Punkte, die eine sichtbare Verminderung von Graffiti im Stadtbild bewirken könnten:Information: Insbesondere die rechtzeitige und deutliche Information der Jugendlichen über die Reichweite ihres Tuns (u.a. kann der Geschädigte anfallende Reinigungskosten 30 Jahre lang zurückverlangen, wenn der Täter festgestellt und rechtskräftig verurteilt wurde). Prävention: Dazu gehören die Erschwerung von Graffitis durch Bepflanzung oder Beleuchtung, aber auch die Thematisierung bereits im Grundschulalter und die Sensibilisierung der Kinder für ein sauberes Stadtbild. In Berlin fand der erste Wettbewerb „graffitifreie Schule“ statt, für das kommende Jahr ist eine Wiederholung geplant.Ob legale Flächen für Sprayer zur Prävention beitragen, wurde kontrovers diskutiert. Solche Flächen wurden einerseits generell befürwortet, andererseits nur in betreuten Jugendclubs als hilfreich angesehen, da sie sonst der Kontaktfindung und Übung dienten und verdrecken. Von einigen Diskutanten wurden legale Flächen im Sinne einer Null-Toleranz auch völlig abgelehnt. Schnelle Beseitigung: Die schnelle Beseitigung von Graffiti wurde mehrfach als erfolgreiche Strategie vorgestellt. So blieben Flächen nach zwei- bis dreimaliger sofortiger Säuberung im Allgemeinen anschließend sauber. Grund ist, dass mit der schnellen Beseitigung das wesentliche Erfolgserlebnis, sich durch ein persönliches „Tag“ zu präsentieren, ausbleibt. Die Säuberung kann durch vorheriges Anbringen von Schutzschichten wesentlich vereinfacht werden. Vertreter aus Kopenhagen, Oslo, Helsinki und Los Angeles berichteten, dass die Kombination der drei genannten Punkte erfolgreich verlaufen sei. In Kopenhagen werden die Fassaden von Geschäftsleuten und Bürgern, die sich dem städtischen Säuberungsprogramm angeschlossen haben, täglich inspiziert und Graffiti sofort beseitigt. Für Berlin wurde im Vorfeld der Fußball WM 2006, für die eine starke Zunahme von Graffiti befürchtet wird, eine Kooperation aller Betroffenen angeregt. Weiter wurden auf dem Kongress Graffitischutzsysteme vorgestellt. Prinzipiell unterscheidet man folgende Arten von Schutzschichten:Temporäre – sie sind nach jeder Reinigung zu erneuern,Semipermanente – sie sind nach drei bis fünf Reinigungen zu erneuern, undPermanente – diese halten ca. zehn Reinigungen. Bei permanenten Schutzschichten ist zwischen Beschichtungen und Imprägnierungen zu unterscheiden. Beschichtungen, zum Beispiel auf PUR-Basis, sind meist wasserdampf-diffusionsdicht. Sie verändern daher die bauphysikalischen Eigenschaften einer Wand, was vor Einsatz geprüft werden muss. Imprägnierungen sind gewöhnlich diffusionsoffen. Auf dem Kongress wurde eine neue diffusionsoffene permanente Imprägnierung für poröse, mineralische Fassadenbaustoffe vorgestellt, die so gut wie nicht sichtbar ist. Da sie öl- und wasserabweisend ist, kann Farbe schlecht auf ihr haften und perlt im Wesentlichen ab. Das erhöht den notwendigen Farbeinsatz eines versuchten Graffiti auf das Vierfache und sorgt so auch für Frustration seitens des Sprayers. Am Rande des Kongresses wurde erläutert, dass Scratching aus Glasscheiben ausschleifbar ist, was den Ersatz der Scheibe erspart. Hingewiesen wurde auf ein Merkblatt der Vereinigung der Landesdenkmalpflege in der Bundesrepublik: „Merkblatt Graffitientfernung und Graffitiprophylaxe an denkmalgeschützten Objekten“. Es ist im Internet verfügbar unter www.denkmalpflege-forum.de/Veroffentlichungen/Arbeitsblatter/arbeitsblatter.html