Nach einer Studie des Instituts für Städtebau, Wohnungswirtschaft und Bausparwesen (IfS) Berlin werden in keinem anderen europäischen Land derzeit so wenig Wohnungen neu gebaut wie in Deutschland. Im innerdeutschen Vergleich liegt Brandenburg auf Platz eins der Neubaustatistik, das Schlusslicht bildet Berlin.
Nach der Studie, die am 26. September in Berlin vorgestellt wurde, wurden im Jahr 2005 in der BRD nur noch knapp 240.000 Wohnungen fertig gestellt. Pro 1.000 Einwohner waren dies 2,9 Wohnungen. Damit liege Deutschland am Ende der europäischen Länder, so das IfS. Ähnlich wenige Wohnungen wurden in Westeuropa nur in Großbritannien mit 3,2, Schweden mit 3,8 und den Niederlanden mit 4,3 Wohnungen je 1.000 Einwohner neu gebaut. Alle anderen Länder weisen höhere Fertigstellungszahlen auf. An der Spitze liegt Irland mit 18,6, gefolgt von Spanien mit 15,0 Wohnungen.Innerhalb Deutschlands ist die Bautätigkeit unterschiedlich verlaufen. Brandenburg liegt mit 4,1 Wohnungen an der Spitze aller Bundesländer, gefolgt von Bayern mit 3,9 und Mecklenburg-Vorpommern bzw. Rheinland-Pfalz mit jeweils 3,6 Wohnungen je 1.000 Einwohner. Auch in Baden-Württemberg und Niedersachsen war die Neubautätigkeit mit 3,4 bzw. 3,0 Wohnungen noch leicht überdurchschnittlich. Die anderen Bundesländer lägen unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Am Ende rangierten Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen mit jeweils 1,7 Wohnungen vor – mit deutlichem Abstand – Berlin mit 1,0 Wohnungen je 1.000 Einwohner.Die Spitzenstellung Brandenburgs führt das Institut vor allem darauf zurück, dass das Land sehr stark vom Wegzug der Berliner in das Umland profitiere. So habe Brandenburg auch in den Jahren zuvor schon die höchste Neubautätigkeit aufgewiesen.Im Bundesdurchschnitt hat sich seit 1996 die Zahl der fertig gestellten Wohnungen je 1.000 Einwohner von 7,2 auf 2,9 mehr als halbiert. In Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist die Neubautätigkeit gemessen an dieser Kennziffer unterdurchschnittlich stark geschrumpft, in Berlin, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ist sie dagegen auf etwa nur noch ein Fünftel regelrecht eingebrochen. Dies zeige, wie stark regional die Wohnungsmärkte geprägt seien, so das IfS. In den Flächenstaaten, also da, wo der Ein- und Zweifamilienhausbau dominiert, sei der Wohnungsbau nicht so stark abgesunken wie in Regionen, in denen der Mietwohnungsbau im Vordergrund steht.Bundesweit rechnet das Institut für 2006 mit einem Fertigstellungsergebnis von knapp über 200.000 Wohnungen. Ohne die Vorzieheffekte durch die Abschaffung der Eigenheimzulage Ende 2005 würde die Neubauzahl noch deutlich darunter liegen. Land 1996 1998 2000 2002 2005 Deutschland 7,2 6,1 5,1 3,5 2,9 Baden-Württemberg 7,6 6,2 5,2 3,5 3,4 Bayern 7,3 6,4 6,1 4,6 3,9 Berlin 6,6 5,2 2,7 1,5 1,0 Brandenburg 12,0 11,7 8,1 5,4 4,1 Bremen 3,9 3,1 3,5 2,4 2,1 Hamburg 5,2 5,0 3,8 2,2 1,9 Hessen 10,5 5,4 4,2 3,2 2,8 Mecklenburg-Vorpommern 9,0 9,4 6,9 4,9 3,6 Niedersachsen 6,4 5,8 5,8 4,1 3,0 Nordrhein-Westfalen 5,3 4,9 4,6 3,1 2,8 Rheinland-Pfalz 6,7 6,0 5,6 4,3 3,6 Saarland 5,8 4,7 3,8 2,5 2,2 Sachsen 10,1 7,9 5,4 2,3 1,7 Sachsen-Anhalt 7,1 6,6 5,1 2,7 1,7 Schleswig-Holstein 7,2 5,3 4,1 2,1 Thüringen 6,4 6,0 4,5 2,6 1,7 Quellen: ifs Städtebauinstitut; Statistisches Bundesamt