HANS-BÖCKLER-STIFTUNG: ARBEITSKOSTEN IN DEUTSCHLAND ÜBERSCHÄTZT

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Immer wieder werden von Vertretern der Wirtschaft die hohen Arbeitskosten in Deutschland als eine entscheidende Ursache der hohen Arbeitslosigkeit im Land angeführt. Auf Basis aktueller Berechungen behauptet das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, dass diese Annahme nicht der Realität entspricht. Die Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zieht in ihrer im "IMK Report" Nr. 11/2006 veröffentlichte Untersuchung aktuelle Daten von Eurostat, dem Statistikamt der europäischen Union, heran. Diese ermöglichen einen weitgehend konsistenten internationalen Vergleich der Arbeitskosten je geleistete Stunde und lassen Zweifel an der z.B. vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aufgestellten Behauptung aufkommen, dass die Arbeitskosten in Deutschland weltweit zu den höchsten gehörten.Nach der IMK-Veröffentlichung liegt Deutschland bei den Arbeitskosten für die Privatwirtschaft vielmehr im Mittelfeld der EU15-Staaten, hinter den meisten nord- und westeuropäischen Industrieländern. So mussten deutsche Arbeitgeber in 2004 pro geleisteter Arbeitsstunde im Verarbeitenden Gewerbe und im privaten Dienstleistungsbereich 26,22 Euro aufwenden, während die Arbeitskosten in Dänemark, Schweden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, den Niederlanden und Finnland mit 30,70 Euro und 26,80 Euro pro Stunde höher lagen. Geringfügig niedriger als in der Bundesrepublik waren die Arbeitskosten in Österreich (25,30 Euro) und Großbritannien (24,70 Euro). Einen deutlicheren Abstand gab es nur zu den "alten" EU-Mitgliedern in Südeuropa sowie zu den mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern. Sehr ungewöhnlich ist die im internationalen Vergleich deutliche Spaltung zwischen relativ hohen Arbeitskosten und Löhnen im deutschen Verarbeitenden Gewerbe und relativ niedrigen Arbeitskosten im Dienstleistungssektor. Im Hinblick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit gilt gemeinhin die Entwicklung der Arbeitskosten im Verhältnis zur Produktivität als zentrale Größe. Für die Berechung der Produktivität zieht das IMK das Verhältnis der Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmer zum realen Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem heran. Dabei zeigt sich, dass neben Österreich kein anderer EU15-Staat seine Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen zehn Jahren so gesteigert hat wie Deutschland. Diese Zahlen lassen nach der Interpretation des IMK die These abwegig erscheinen, Deutschland habe aufgrund zu hoher Arbeitskosten Wettbewerbsprobleme sowohl auf den Weltmärkten als auch auf den heimischen Absatzmärkten. Die Resultate machten zudem nachvollziehen, warum sich die deutsche Konjunktur in eine boomende Export- und eine lahmende Binnenwirtschaft spaltet.Der "IMK Report" kann unter www.boeckler.de in der Rubrik "Veröffentlichungen/IMK-Report" kostenlos herunter geladen werden.