GFK: BERLIN IST HAUPTSTADT DER GERINGVERDIENER (?)

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In keiner anderen deutschen Großstadt müssen so viele Menschen mit so wenig Geld auskommen wie in Berlin: Wie aus einer aktuellen Studie der GfK hervorgeht, verfügt gut die Hälfte der Berliner Haushalte über ein Nettoeinkommen von unter 2.000 Euro. 26 Prozent haben sogar weniger als 1.100 Euro zur Verfügung. Für die Studie wurden im Auftrag der Berliner Morgenpost erstmals die monatlichen Nettoeinkommen aller Berliner Haushalte ausgewertet. Zum Vergleich: In Düsseldorf machen die Haushalte mit einem Einkommen von bis zu 2.000 Euro 37 Prozent aus, in Köln 44 Prozent und in München 28 Prozent. Hingegen ist die Zahl der Besserverdienenden – Haushalte mit einem Einkommen über 4.000 Euro netto pro Monat – in Berlin mit 14 Prozent vergleichsweise gering (Düsseldorf: 20%, Köln: 18%, München: 26%).Dass Berlin keine reiche Stadt ist, ist keine neue Erkenntnis. Schon eher überrascht vielleicht die Erkenntnis, dass die Einteilung "wohlhabender Westen – ärmerer Osten" so nicht greift. "Die ärmsten Bezirke sind inzwischen die im ehemaligen Westteil der Stadt" sagte die Sozialstadträtin Charlottenburg-Wilmersdorfs, Martina Schmiedhofer, der Morgenpost. So seien die Einkommen in Marzahn-Hellersdorf heute zum Teil deutlich höher als die im nördlichen Schöneberg oder in Teilen Charlottenburg-Wilmersdorfs.Methodisch problematisch ist allerdings: Für die Studie wurden die Haushaltsnettoeinkommen unabhängig davon betrachtet, wie viele Verdiener dieses Einkommen erwirtschaften und wie viele Personen im Haushalt leben und das Einkommen damit verbrauchen.Ausschlaggebend für einen hohen Anteil von Geringverdienern in einem Gebiet ist damit vor allem der Anteil der dort lebenden Arbeitslosen, Rentner, Studenten und Singles. In Berlin kommen einige Faktoren zusammen, die zu einem hohen Anteil von Geringverdienern führen: Ein im Bundesvergleich prozentual überdurchschnittlich hoher Anteil von Rentnern und Studenten und die Tatsache, dass Berlin mit einem Anteil von 52 Prozent Single-Haushalten die Hauptstadt der Alleinwohnenden ist (Bundesdurchschnitt: 38 %). Da letztere aber naturgemäß über nur ein Einkommen verfügen, fallen sie selbst bei an sich gutem Verdienst schnell in die Kategorie "Geringverdiener". Hingegen haben unter Umständen Familien mit mehreren Kindern und einem guten Einkommen de facto pro Person weniger Geld zur freien Verfügung.Deutlicher als innerhalb der Stadt fallen laut Morgenpost jedoch ohnehin die Einkommensunterschiede zwischen Stadt und Umland aus. Viele Regionen mit einem hohen Anteil von Besserverdienenden liegen im Land Brandenburg.