Nach Fassaden- und Dachdämmung wurden bei der Wohnanlage der Wohnungsgenossenschaft GeWoSüd in Lankwitz zwischen 2011 und 2012 Fenster und Bäder sowie die Heizungsanlagen erneuert. Die Fassade wurde nun künstlerisch in Szene gesetzt.
Vorstand Norbert Reinelt von der Berliner Wohnungsgenossenschaft GeWoSüd war bei der 112 Wohnungen umfassenden Anlage aus drei Baukörpern bemüht, "wie bei jedem Bau- oder Modernisierungsvorhaben zusätzlich etwas Besonderes zu machen, dass die Qualität des Bauwerks oder des Umfeldes hebt oder verstärkt." Drei abstrakte Diptychen auf sechs Giebelwänden an der Kaiser Wilhelm-, Bruchwitz- und Scharzhofberger Straße in Berlin-Lankwitz sind es nun geworden: "Wichtig ist, dass man seinen Standpunkt verändert", erklärte Künstlerin Sandra Lange, "denn die Bäume und Sträucher vor den Wänden sind Teil der Bilder". Auch jahreszeitliche Entwicklung der Vegetation sowie Sonnenstand und Lichtintensität schaffen immer neue Variationen vom Werk mit dem Titel "No Stars But Stripes".Die Wohnanlage in Lankwitz wurde zwischen 2011 und 2012 mit einem Gesamtaufwand von rund vier Millionen Euro erneuert. Aber wie konnte man die Wohngebäude von 1960/61 auch noch sichtbar im 21. Jahrhundert ankommen lassen? Sie waren von Franz Heinrich Sobotka und Gustav Müller geplant worden, die zum Beispiel mit dem Auditorium Maximum und der Bibliothek der Freien Universität, dem Hochhaus am Roseneck oder dem Pepper-Bürohaus am Ernst-Reuter-Platz das Bild West-Berlins mit zurückhaltender Eleganz geprägt hatten. Abstrakte Entwürfe zur AbstimmungNach zweijähriger Suche entschied man, den Bewohnern ein Kunstwerk von Sandra Lange vorzuschlagen. Die Meisterschülerin der Universität der Künste erläuterte, wie ihre abstrakten Arbeiten die Umgebung reflektieren und so eine neue Realität schaffen könnten. Im September 2012 wurden der Entwurf, Technik und Arbeitsabläufe mit Maler-Meisterunternehmen an einer Fassade erprobt. Im Oktober wurden die Bewohner dann erneut befragt. Es gab ein einstimmiges Votum, auch die weiteren fünf Giebelfassaden von Sandra Lange gestalten zu lassen.Tausend Quadratmeter KunstwerkIn Juli und August 2013 standen die Malermeister Detlef Remmler und Christian Schiller mit ihren Mitarbeitern erneut auf den Gerüsten. "Es war alles Teamarbeit, und das Ergebnis kann sich sehen lassen," sagte Detlef Remmler stolz. Und Genossenschaftsvorstand Norbert Reinelt summiert, dass die Baunebenkosten durch das Kunstwerk zwar gestiegen seien, "aber es hat sich gelohnt, die Gestaltung transportiert die sanierten Gebäude jetzt auch sichtbar in die Gegenwart und wird sie lange im Gespräch halten."Das abstrakte Werk aus drei Diptychen auf sechs Fassaden mit tausend Quadratmetern Fläche drängt sich nicht auf. "Es ist ein Bild im Bild," erklärte Sandra Lange, "ich fasse die Gebäude und die sie umgebende Natur als eine Gesamtheit auf und habe versucht, das auf einer Ebene zusammenzuziehen. Und das ist auch das Interessante, wenn man sich bewegt, dass Bäume und Sträucher davor das Bild verändern, weil man nie die gesamte Fassade auf einmal sehen kann." Die gewählten Farben wirken sehr authentisch, als wären sie schon immer Teil der Architektur gewesen. Bunte Farben würden schneller altern, während "natürliche schöner altern können, weil auch Verschmutzung eine Überformung der Natur ist", so Lange.
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