Gasspeicher starten mit niedrigen Füllständen in den Winter 2026/27

Behörden sehen Versorgungslage stabil; GdW betont Preis- und Beschaffungsrisiken für Wohnungsunternehmen
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Die deutschen Erdgasspeicher verzeichnen Mitte August 2026 einen deutlich niedrigeren Füllstand als im Vorjahr. Bundesnetzagentur und EU-Kommission bewerten die Versorgungslage derzeit als stabil und das Risiko einer Gasmangellage als gering. Zugleich bleibt offen, wie sich eine längere Kälteperiode und die technisch begrenzte Ausspeicherleistung auf Preise und Beschaffung auswirken würden. Der GdW verweist in diesem Zusammenhang auf potenzielle Kosten- und Marktrisiken mit Bedeutung für Wohnungsunternehmen und Mieterhaushalte.

  • Füllstände: Am 11. August 2026 waren die deutschen Gasspeicher laut AGSI+/GIE zu 48,72 Prozent gefüllt (rund 120 TWh) und damit rund 16 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. EU-weit lag der Durchschnitt bei 59,4 Prozent.
  • Gesetzliche Zielmarken: Bis 1. November sollen die Speicher in Deutschland zu 80 Prozent gefüllt sein; sechs Anlagen haben eine Zielmarke von 45 Prozent.
  • Projektionen: Der DVGW hält beim aktuellen Tempo bis Anfang November nur etwa 60 Prozent für realistisch.
  • Strategische Gasreserve: Die geplante Bundesreserve greift nach Angaben der Initiative Energien Speichern (INES) frühestens 2027 und wirkt damit im Winter 2026/27 noch nicht.
  • Marktlage Anfang 2026: Im Januar 2026 fiel der bundesweite Füllstand auf 38,1 Prozent; der größte Einzelspeicher Rehden lag bei 10,8 Prozent. Zeitgleich stiegen Großhandelspreise für Gas um rund 38 Prozent.

Aktuelle Lageeinschätzungen und Bezugsquellen

  • Versorgungslage laut Bundesnetzagentur gesichert; Risiko einer Gasmangellage derzeit als gering eingestuft. Auch die EU-Kommission sieht aktuell keinen unmittelbaren Anlass zur Sorge.
  • Deutschland verfügt über mehr und diversifiziertere Bezugsquellen als 2022: höherer Pipelinebezug aus Norwegen und den Niederlanden sowie mehrere in Betrieb befindliche LNG-Terminals; zusätzlich wirkt der europäische Gasbinnenmarkt als Ausgleichsmechanismus.
  • Der niedrigere Speicherfüllstand resultiert wesentlich aus einer höheren Entnahme im Winter 2025/26. Zwischenzeitlich erhöhte Großhandelspreise bremsten die Wiederbefüllung, da wirtschaftliche Anreize geringer waren – ein Markt‑, kein Versorgungsproblem.
  • Die Bundesregierung setzt wieder stärker auf marktgetriebene Speicherbefüllung. Anders als in der Energiekrise 2021/22 werden Speicher nicht mehr staatlich maximal gefüllt, da die Gesamtlage als stabiler bewertet wird.
  • Der Speicherfüllstand ist nicht alleiniger Maßstab für Versorgungssicherheit. Pipelineimporte, LNG-Anlandungen und der europäische Handel ergänzen die Speichermengen.

Technischer Hintergrund: Füllstand vs. Entnahmeleistung

  • Porenspeicher stellen rund zwei Drittel der deutschen Speicherkapazität. Mit sinkendem Füllstand nimmt der Druck ab, wodurch die stündlich verfügbare Gasmenge deutlich sinkt; bei sehr niedrigen Füllständen kann die Entnahmeleistung auf etwa 30–50 Prozent des Maximums fallen.
  • Kavernenspeicher (etwa ein Drittel der Kapazität) sind flexibler, können den Leistungsabfall jedoch nicht vollständig kompensieren.
  • Ein Teil des Gases verbleibt dauerhaft als sogenanntes Kissengas im Speicher, um Mindestdrücke und die Betriebssicherheit zu gewährleisten; dieses Volumen steht nicht für die Versorgung zur Verfügung.

Forderungen des GdW

  • Beschleunigte Finanzierung und Aufbau der strategischen Gasreserve, um längere Kälteperioden und Lieferausfälle besser abzusichern.
  • Transparentere Lageberichte von Bundesnetzagentur und Trading Hub Europe, einschließlich regelmäßiger Veröffentlichung der tatsächlich stündlich verfügbaren Ausspeicherleistungen je nach Füllstand.
  • Sicherstellung, dass der gesetzliche Schutz „geschützter Kunden“ (§ 53a EnWG) in der Praxis auch für Wohngebäude mit Fernwärme- oder Contracting-Versorgung lückenlos greift.
  • Berücksichtigung indirekter Folgen einer Gasknappheit (Preisniveaus, Beschaffungsrisiken, konjunkturelle Effekte) in der staatlichen Krisenplanung.

Einordnung / Relevanz für die Wohnungswirtschaft

Für einen erheblichen Teil der Bestände ist Gas weiterhin zentraler Wärmeträger. Unter normalen Wetterbedingungen wird die Versorgungslage von den zuständigen Stellen aktuell als stabil bewertet; kritisch würde es bei einem außergewöhnlich kalten Winter in Kombination mit langsamer Wiederbefüllung. Für Wohnungsunternehmen stehen damit weniger physische Versorgungsengpässe als vielmehr Preisvolatilität, Beschaffungs- und Liquiditätsrisiken im Vordergrund. Diese wirken auf Betriebskosten, Abrechnungen und die Finanzierung von Investitionen in Effizienz, Klimaschutz und Bestandserhalt. Bei zentralen Versorgungsstrukturen wie Fernwärme und Contracting bleibt die eindeutige Zuordnung zum Schutzstatus relevant, um Lücken in Mehrfamilienbeständen zu vermeiden.

 

Weitere Informationen

Daten und Hinweise: AGSI+/GIE, DVGW, Initiative Energien Speichern (INES), Bundesnetzagentur, Trading Hub Europe, EU-Kommission.

Ansprechpersonen

 Jan Robert Kowalewski
Jan Robert
Kowalewski
Bereichsleiter
Technik / Energie / Klima
T +49 (30) 89781 - 154