FUSSBALLVEREINE VERGEBEN BUNDESLIGAVERMARKTUNG AN DAS KIRCH-UNTERNEHMEN SIRIUS

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Fünf Jahre nach einem nur knapp abgewendeten Finanz-Debakel wollen die Vereine der 1. und 2. Fußball-Bundesliga bei der Vermarktung der Ligen wieder mit Leo Kirch zusammenarbeiten. Der einstige Film- und Rechtehändler Kirch hatte damals mit seinen Unternehmen, zu denen unter anderem Premiere und der TV-Konzern ProSiebenSat.1 gehörten, Insolvenz angemeldet. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat jetzt die von Kirch neugegründete Firma Sirius beauftragt, als Zwischenhändler von der Saison 2009/2010 an die Medienrechte an der Fußball-Bundesliga zu vergeben. Die DFL erhält dafür in sechs Jahren insgesamt drei Milliarden Euro, für die nach Angaben der DFL ein Bankunternehmen garantiere. Die TV-Rechte sollen im Frühjahr 2008 für die nächsten zwei Vergabeperioden von der DFL ausgeschrieben und von Sirius vermarktet werden. Der künftige Rechteinhaber müsse jährlich ebenfalls Bankbürgschaften beibringen. Die DFL will zudem eine Auslandsgesellschaft zur internationalen Vermarktung gründen. Die Entscheidung der Vereine, die nach Bekanntgabe bei TV-Sendern und einigen Vereinen auf Kritik gestoßen ist, fiel bei einem Viertel Enthaltungen und nur einer Gegenstimme.Durch die von der Firma Sirius garantierte Summe von jährlich 500 Millionen Euro erhöhen sich die TV-Einnahmen für die Profivereine um fast 20 Prozent. Bislang erhält die Liga pro Saison etwa 420 Millionen Euro. Neu ist, dass die künftigen Rechteinhaber von der Firma Sirius mit einem Bundesliga-TV, zu dem komplette Spielberichte und Interviews gehören, versorgt werden sollen. Dies gilt jedoch nur für die Live-Berichterstattung im Bezahlfernsehen. Dem Bezahlsender Premiere soll im kommenden Bieterverfahren die Möglichkeit eines präferierten Angebots eingeräumt werden. Zur Produktion des fertigen Sendeformats wollen DFL und Sirius ein gemeinsames Unternehmen gründen. An diesem soll die Kirch-Firma mit 51 Prozent der Anteile die Mehrheit halten. Das Bundeskartellamt hat bereits angekündigt, dieses Vorgehen prüfen zu wollen.Premiere hat zwischenzeitlich eine Ausstrahlung von fertig produzierten Live-Übertragungen der Fußball-Bundesliga abgelehnt, will sich jedoch dennoch wie beim letzten Mal mit mehreren Paketangeboten um die Rechte bewerben. Allerdings will der TV-Sender nach ersten Stellungnahmen im Falle der Übernahmepflicht vorproduzierter Beiträge künftig weniger für die Fußballrechte bezahlen und möchte weiterhin die Berichterstattung im Free-TV, derzeit samstags ab 18:30 Uhr in der ARD-Sportschau, zeitlich nach hinten verschieben. Details über Spielplan- und Verwertungsszenarien gibt es noch nicht.Für Kabelnetzbetreiber und Wohnungsunternehmen entsteht dadurch ebenfalls eine neue Situation. Folgende Schlussfolgerungen und Szenarien sind möglich: Die Abnahmepflicht für ein vorproduziertes Programm lässt erwarten, dass die Live-Rechte wie bisher nicht nur an einen Erwerber für alle Infrastrukturen (Kabel-, Satelliten- und DSL/IPTV-Rechte) vergeben werden, da vermutlich nur so die erhofften Mehrerlöse zu erzielen sein werden. Offen ist, ob auch innerhalb eines einzelnen Übertragungssystems mehrere Lizenzierungen erfolgen werden, zum Beispiel im Kabel sowohl an Premiere als auch an Kabelnetzbetreiber mit eigenen digitalen Plattformen oder im Bereich Fernsehen über Internet (DSL/IPTV) an einen oder auch an konkurrierende Anbieter. Netzbetreiber mit eigenen digitalen Plattformen könnten ggf. eigene Lizenzen von der DFL erwerben und die Bundesliga selbst vermarkten. Offen ist zudem, ob Kabelnetzbetreiber oder Wohnungsunternehmen ohne eine eigene digitale Plattform künftig für ihre Netze unter mehreren Anbietern das Fußballprogramm wählen können. Aus wohnungswirtschaftlicher Sicht ist entscheidend, dass die Rechteerwerber den Netzbetreibern und Wohnungsunternehmen künftig die Einspeisung des Bundesligaprogramms zu fairen Konditionen ermöglichen.Der BBU wird in seinen Medien über die weitere Entwicklung informieren.