Rund 150 Gäste waren der Einladung der degewo zur 8. Veranstaltung der Reihe "Verantwortung für die Stadt" gefolgt und ins Palais der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg gekommen. Sie erlebten eine kurzweilige Diskussion mit überraschenden Einblicken.
Freiburg gilt weltweit als ökologische Musterstadt. "Damit auch Berlin auf mittlere Sicht nachhaltiger wird, bedarf es öffentlicher Förderungen und öffentlicher Modellprojekte, bei denen auch die kommunalen Unternehmen eine wichtige Rolle spielen", erläuterte der Freiburger Oberbürgermeister a.D. Rolf Böhme auf die Frage: Was kann Berlin von der grünen Stadt Freiburg lernen?Ein Wohnquartier, in dem auf 1.000 Bewohner nur 116 Autos kommen, 75 Prozent mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und der Eigenstromanteil bereits seit Jahren bei rund 50 Prozent liegt – in Freiburg gibt es das. "Wir tun als degewo auch bereits eine ganze Menge – von der umfassenden energetischen Sanierung, der Einführungen eines zentralen Energiemanagements, bis zur Errichtung von Blockheizkraftwerken", sagte degewo-Vorstandsmitglied Frank Bielka zu Beginn und schloss die Frage an die Diskutanten an: "Tun wir genug? Was könnten wir noch unternehmen? Können wir von Freiburg lernen?"Berlin – Freiburg: Ein Vergleich zwischen Apfel und Birne?Ein Vergleich zwischen Berlin und Freiburg, sagte der Nachhaltigkeitsexperte Ruggero Schleicher-Tappeser, ist nur schwer möglich. Er kennt beide Städte, hat lange Zeit in Freiburg gearbeitet und lebt seit 2008 in Berlin. Hier vermisst er "die klare Vision zugunsten einer ökologischen Stadtentwicklung". In Freiburg reichen die Wurzeln der "Green City" bis in die 1970er Jahre zurück. Das sei von anderen Städten und Metropolen nicht aufzuholen. Dennoch betonte auch Rolf Böhme: "Die Energiewende kommt nicht von allein. Auch die Hauptstadt muss dafür die Ärmel hochkrempeln."Berlin, sagte der langjährige Oberbürgermeister von Freiburg in der von Radioeins Programmchef Robert Skuppin moderierten Runde, sollte die preisdämpfende Wirkung von Neubauten im Wohnungsbereich nutzen. Damit habe man in Freiburg sehr gute Erfahrungen gemacht. Böhme regte an, ein klimaneutrales Quartier zu schaffen, das zeigt, was heute alles möglich ist.Die Energiewende gibt es nicht umsonstEinig waren sich alle Gäste des Abends, dass die Energiewende nicht zum Nulltarif zu haben ist. Rolf Böhme appellierte daher an den Bund und das Land Berlin, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, die beispielsweise eine bessere steuerliche Abschreibung ermöglichten. Gleichzeitig müssten aber auch alle Mieter erkennen und akzeptierten, dass die Energiewende ohne einen eigenen Beitrag nicht möglich ist.degewo-Vorstandsmitglied Frank Bielka wusste da Erfreuliches aus dem Unternehmen zu berichten. "In Beständen, die wir energetisch modernisiert haben, liegt der Leerstand bei nur 1,5 Prozent. Wir sind also in aller Regel dann voll vermietet. Das spricht für die hohe Akzeptanz der Mieterinnen und Mieter. Zudem sinken die warmen Betriebskosten um 40 bis 50 Prozent, was sich mit deutlich geringeren Nebenkosten bemerkbar macht.""In einer kleinen Stadt ist vieles leichter", zog Rolf Böhme ein Fazit auf die Eingangsfrage: Was Berlin von Freiburg lernen könne, "aber das Thema bleibt dasselbe. Wir müssen die enormen Auswirkungen der Energiewende annehmen und danach handeln".Unter der Überschrift "Verantwortung für die Stadt" hat die degewo im Jahr 2007 eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, in der zweimal jährlich Zukunftsthemen diskutiert werden. Zu den Gästen zählten bereits der Bestseller-Autor Wladimir Kaminer und Zukunftsforscher Prof. Horst Opaschowski.
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