Erneuerbare Energien könnten im Jahr 2020 mit einem Anteil von rund 47 Prozent fast die Hälfte des deut-schen Strombedarfs decken. Das geht aus einer Ausbauprognose hervor, die der Bundesverband Erneu-erbare Energie e.V. (BEE) und die Agentur für Erneuerbare Energien am 28. Januar in Berlin vorgelegt haben.
"Energie aus Wind, Biomasse, Wasser, Sonne und Geothermie wird 2020 das prägende Element unserer Stromversorgung sein. Herkömmliche Kraftwerke ergänzen dieses Angebot nur noch bei Bedarf, Brenn-stoffimporte und CO2-Emissionen werden entsprechend reduziert. Damit stellen wir die Stromversorgung vom Kopf auf die Füße", kommentierte Dietmar Schütz, Präsident des BEE, die Ergebnisse der Prognose. Sowohl die aus Erneuerbaren Energien produzierte Strommenge als auch die installierte Leistung der An-lagen werde sich bis 2020 gegenüber heute etwa verdreifachen. Die Experten der Branche betonten, dass die Stromversorgung in Deutschland auch mit dem künftigen Strommix an 365 Tagen im Jahr zu jeder Uhrzeit und bei jedem Wetter sicher¬gestellt werden könne. Die so genannte gesicherte Leistung übertreffe die Jahreshöchstlast sogar um zehn Prozent. Anders als jüngst wieder von der konventionellen Energiebranche behauptet, seien dafür auch keine zusätzlichen Gasimpor-te notwendig. Im Gegenteil verringere sich der Erdgasverbrauch für die Stromerzeugung in der Branchen¬prognose bis 2020 sogar um zwölf Prozent. Das bestehende Stromversorgungssystem sei bereits viel fle-xibler als allgemein bekannt. "Schon heute stehen für das deutsche Stromnetz rund zehn Gigawatt Speicher- und Pumpspeicherwasser-kraftwerke zur Verfügung. Das entspricht der Leistung von zwölf Kohlekraftwerken", erläuterte BEE-Vorstand Ralf Bischof. In Zeiten hoher Stromproduktion und geringer Nachfrage könnten Wasserspeicher über Pumpen aufgefüllt und im Bedarfsfall kurzfristig für zusätzliche Strom¬produktion genutzt werden. "Da-zu kommen über neun Gigawatt Bioenergie-Kraftwerke, die auf Basis der Brennstoffe Biogas oder Holz einspringen können, wenn Wind und Sonne ausbleiben" so Bischof weiter. Die positiven Auswirkungen der Erneuerbaren Energien auf Klimaschutz, Brennstoffimporte und Arbeits-markt sind nach der aktuellen Branchenprognose erheblich. Schon heute trage die Branche wirkungsvoll zum Klimaschutz bei. 2008 habe sie allein im Strombereich fast 87 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermie-den. Dieser Betrag steige bis 2020 auf über 200 Mio. Tonnen pro Jahr. Analog sinke der Bedarf an fossilen Brennstoffen und mit ihm die hohen Kosten für Importe sowie externe Kosten für Klima- und Umweltschä-den. Die daraus folgenden Einsparungen in Milliardenhöhe übertreffen die Ausgaben für den Ausbau der Erneuerbaren Energien bei weitem. Hinzu komme der positive Effekt auf den Arbeitsmarkt. So werde sich die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren Energien von heute 250.000 auf mindestens 500.000 im Jahr 2020 verdoppeln. "Die Stromversorgung im Jahr 2020 ist dank des Ausbaus der Erneuerbaren Energien sicher, klimascho-nend und bezahlbar", schlussfolgerte BEE-Präsident Dietmar Schütz aus den Eckdaten der Branchenprog-nose. Um den Strombedarf zuverlässig zu decken, seien weder zusätzliche Kondensationskraftwerke, noch eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke erforderlich.