DW Die Wohnungswirtschaft: STROM - DIE STUNDE DER WAHRHEIT KOMMT, WENN DIE PREISE STEIGEN

PDF
Interview mit Ludwig Burkardt, Vorstand des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), über Rahmenverträge, Verhandlungstaktiken und Zukunftsstrategien. Der BBU hat 1999, kurz nach der Liberalisierung des Strommarktes, damit begonnen, für die Mitgliedsunternehmen Rahmenverträge mit Stromanbietern auszuhandeln. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?Ludwig Burkardt: Den ersten Rahmenvertrag haben wir mit einer kleinen "Verhandlungsgruppe" von Unternehmen ausgehandelt. Und zwar mit der damaligen BEWAG, heute Vattenfall Europe. Zu der Zeit waren die Preise auf dem Weg nach unten und verschiedene Anbieter drängten auf den Markt, um sich Marktanteile zu schaffen. Zu dem Zeitpunkt war es relativ einfach, günstige Konditionen auszuhandeln. Aber schon damals gab ich zu bedenken, dass die Stunde der Wahrheit erst dann kommen würde, wenn sich die Preise wieder nach oben bewegten. Und so war es und ist es geblieben.Ludwig Burkardt: Die Konzerne brachten nach kurzem das Argument der Abhängigkeit von den Stromlieferanten ins Spiel. Mit dem Hinweis auf die steigeneden Preise an der Leipziger Strombörse, wo der Strom gehandelt wird, konnten die großen Wohnungsunternehmen losgebrochen werden. Sie schlossen lieber rasch Einzelverträge ab, um wenigstens eine gewisse Zeit vor der nächsten Tariferhöhung sicher zu sein.Erwarten Sie durch die Einrichtung der Bundesnetzagentur nun ein Sinken der Strompreise?Ludwig Burkardt: Wir haben die Hoffnung, dass die Bundesnetzagentur über die Regulierung der Netzpreise, über diesen Kostenfaktor also, die Preise beeinflussen kann. Zweifel an der künftigen Preiskalkulation der Konzerne bleiben aber bestehen, zumal wenig in Hinblick auf die tatsächlichen Investitionskosten zur Erhaltung der Netze zu erfahren ist - um nur ein Beispiel zu nennen. Aber es wird durch die Regulierungsbehörde sicher Schnitte nach unten geben, die Bäume können nicht endlos in den Himmel wachsen.Welche Möglichkeiten hat die Wohnungswirtschaft, um zu mehr Wettbewerb und Transparenz auf dem Strommarkt beizutragen?Ludwig Burkardt: An dieser Stelle kann ich nur meinen Appell wiederholen und die Wohnungsunternehmen dazu auffordern, sich zusammenzuschließen. Es geht darum, die Nachfragemacht zu erhöhen. Auf Dauer werden wir nur durch ein gemeinschaftliches Wirken gewisse Einflussmöglichkeiten haben. Mir sind die praktischen Schwierigkeiten bei einem solchen Vorgehen durchaus bewusst. Meiner Meinung nach ist das jedoch ein gangbarer, wenn nicht der einzige praktikable Weg.Den Sie hier in Berlin dieses Jahr erneut einschlagen - einige der BBU-Mitgliedsunternehmen wechselten dieses Jahr den Stromanbieter für den Hausbedarfsstrom.Ludwig Burkardt: In der Summe werden 2.200 Abnahmestellen bei Berliner Wohnungsunternehmen ab Mai von "LichtBlick" versorgt. Ich würde mir mehr wünschen. Beispielsweise in Gemeinschaft mit den städtischen Gesellschaften. Das Engagement von SAGA GWG, die verbunden mit einem Wechsel des Stromanbieters auch die Mieter mit ins Boot holen, begrüße ich sehr. Denn, um ehrlich zu sein: Es ist ja nicht der Hausbedarfsstrom, der die Stromanbieter wirklich interessiert. Es ist der private Stromverbrauch. An dieser Stelle haben wir noch nicht alle Möglichkeiten ausgereizt. Es fragt sich doch, wer - wenn nicht die Wohnungsunternehmen - ist schon so dicht an den Menschen dran und kann in Form eines neuen Kundenservice günstigere Strompreise erwirken? Der Grad unserer Einflussmöglichkeiten hängt von den Abnahmeregeln ab. Über die Chancen, die sich uns in dieser Hinsicht bieten, sollten wir nachdenken und wir sollten auf Dauer gemensam handeln.Der Interview führte DW-Autorin Kirsten Ruge. Veröffentlichung in DW Die Wohnungswirtschaft 10/05

Downloads

30B46_dw1005c
PDF
162