Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung setzen sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) in einer aktuellen Studie mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Mobilität in der Gesellschaft auseinander. Danach werden künftige Senioren deutlich mobiler sein als die gegenwärtig anzutreffenden und insbesondere mehr Auto fahren. Dennoch soll sich auch die Bedeutung des öffentlichen Personennahverkehrs erhöhen.
Bis zum Jahr 2030 wird der Anteil der Senioren (ab 65 Jahre) von derzeit 18 auf 25 Prozent steigen. Noch erheblicher könnte sich die Gruppe der Hochbetagten (ab 85 Jahre) von heute 1,5 Millionen auf 3 Millionen im Jahr 2020 vergrößern. Die Frage der Mobilität von Senioren, die einen direkten Einfluss auf deren Lebensgestaltung ausübt, gewinnt vor diesem Hintergrund an Bedeutung. Um sie zu untersuchen, wurden für die DIW-Studie zum einen mehrstufige Expertenbefragungen, zum anderen repräsentative Telefonumfragen unter 2.500 Bürgern durchgeführt. Um die Mobilitätsbedürfnisse künftiger Senioren zu eruieren, wurden heute 50- bis 64-Jährige befragt, die in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen werden.Insgesamt 61 Prozent der Bevölkerung halten danach das Thema der eigenen Mobilität für sehr wichtig. Mobilität bedeutet dabei nicht bloße Raumüberwindung, sondern wird mit Freiheit verbunden und somit als Grundbedürfnis beschrieben. Aus wohnungswirtschaftlicher Perspektive interessant: Rund die Hälfte der Befragten gab an, dass es bzgl. ihres Alterswohnorts für sie besonders wichtig sei, möglichst viele Wege zu Fuß erledigen zu können. Für Befragte mit und ohne Pkw ist dabei ein für Fußgänger zu erschließendes Wohnumfeld gleichermaßen wichtig. Dabei will der mit Abstand überwiegende Teil der heute 50- bis 64-Jährigen seinen derzeitigen Wohnsitz beibehalten. Dies trifft in gleichem Maße für Bewohner infrastrukturell gut erschlossener Siedlungszentren, wie auf Menschen in eher dünn besiedelten, ländlichen Regionen zu (etwa ein Drittel der Befragten). Angesichts dieser geringen Wanderungsbereitschaft könnte für letztgenannte Gruppe eine schlechte Versorgung mit öffentlichem Personennahverkehr dann zu gravierenden Mobilitätseinschränkungen führen, wenn gesundheitliche Gründe die Möglichkeit zur Teilnahme am Individualverkehr per Pkw verringern.Angesichts des von den befragten Experten nach wie vor konstatierten Siedlungstrends in das Umland der großen Städte, der insbesondere bei jungen Familien zu beobachten ist, fordern die Experten neue Strategien, um der Entleerung der Stadtkerne entgegenzuwirken. Diese seien aufgrund ihrer einfachen Versorgungslage (z. B. Medizin, Kultur) und der guten nahverkehrlichen Anbindung gerade für Senioren attraktiv. Hier müssten neuartige Wohnkonzepte entwickelt und die Wohnkosten in der Innenstadt deutlich reduziert werden, so die DIW-Forscher.Die vollständige Studie ist nachzulesen im DIW-Wochenbericht Nr. 51-52/2005.